Audi e-tron Sportback Concept: Audi für Veganer - DER SPIEGEL
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Audi e-tron Sportback Concept: Es werde Lichte

Foto: Tom Grünweg

E-tron Sportback Concept Audi für Veganer

Neue Linie, neues Licht, neues Leder: Audis Designchef reagierte auf Kritik und zeichnete ein beeindruckendes Showcar für die Messe in Shanghai. Nur in einem entscheidenden Punkt sieht der Wagen eher alt aus.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Langweilig, verwechselbar und uniform - was hat sich Marc Lichte nicht alles über die aktuelle Audi-Flotte anhören müssen. Doch so langsam findet der Designchef eine neue Linie. Als Beweis dafür muss mal wieder eine Studie herhalten. Der A8, Audis Top-Modell, und das erste von Lichte verantwortete Serienmodell, kommt erst in ein paar Monaten auf den Markt.

Das e-tron Sportback Concept wurde diese Woche auf der Autoshow in Shanghai  enthüllt. Klar, diese Mischung aus Q7 und A7 passt mit seinen langen 4,90 Metern und großen 23-Zöllern in den weit ausgestellten Radhäusern eigentlich nicht mehr in die Zeit. Doch eines muss man Lichte lassen: Seit der ersten TT-Studie aus dem Jahr 1995 hat kein Audi mehr so frisch und unverbraucht ausgesehen wie dieser e-tron. Und genau wie damals soll die Studie 2019 ziemlich unverändert als zweites Elektromodell aus Ingolstadt auf die Straße kommen. "Über 80 Prozent davon sieht man in der Serie wieder", verspricht Lichte.

Dass die Studie mit der hohen Brüstung und dem schnellen Heck so schnittig geraten ist, überrascht. Immerhin trat Lichte seinen Designjob 2014 bei Audi mit der Ansage an, keinen harten Schnitt zu wagen, sondern die Designphilosophie von Audi konsequent weiter zu betonen. "Anders als Tesla und all die anderen elektrischen Newcomer haben wir eine Identität und ein Gesicht und beides müssen wir bewahren," sagt Lichte auch heute noch. Statt wie andere Hersteller einfach nur eine futuristische Front mit möglichst wenig Ecken und Kanten zu zeichnen, hält er deshalb wie selbstverständlich am zuletzt oft kritisierten Single-Frame-Grill fest, stülpt ihn aber von außen nach innen.

Aus der verstaubten Maske der Serienmodelle machte er für die Studie einen im Silber des Fahrzeugs lackierten Einsatz in der schwarzen Front. Das optimiert zusammen mit dem vorne in der Motorhaube integrierten Spoiler nicht nur die Luftführung, sondern sieht tatsächlich so frisch aus, dass Lichte die vier Ringe beleuchten ließ, damit jeder den e-tron als Audi erkennt.

Der Audi der Zukunft hat weniger Knöpfe als Modelle aus den Siebzigerjahren

Aber der e-tron Sportback lebt nicht allein von seinem Design, sondern will auch mit neuer Scheinwerfertechnik zum Vorbild künftiger Audi-Modelle werden: Zu den neuen Tagfahrleuchten, die mit LED-Technik und Micro-Spiegeln zahlreiche unterschiedliche Lichtszenarien zaubern können, gibt es deshalb Hauptscheinwerfer mit Laser-Beamern von jeweils mehr als 1,3 Millionen Pixeln. Sie erlauben einen extrem präzisen Lichtkegel mit maximaler Ausleuchtung bei minimaler Blendwirkung und können zudem noch Grafiken auf die Fahrbahn projizieren. Fußgängern malen sie einen Zebrastreifen auf den Asphalt und dem Fahrer helfen sie beim Durchfahren enger Baustellen mit Leitlinien in Fahrzeugbreite.

Und als wäre das nicht genug, stecken in den Ecken der Karosserie noch vier Micro-Beamer, mit denen zum Beispiel das Leuchten der Blinker auf dem Asphalt weitergezeichnet werden kann, damit Fußgänger den e-tron selbst dann wahrnehmen, wenn sie mit Smartphone in der Hand nur auf den Boden stieren, statt auf die Straße zu schauen.

Knopflos - das Cockpit des e-tron

Knopflos - das Cockpit des e-tron

Foto: Audi

Innen brechen mit dem Showcar ebenfalls neue Zeiten an. Das Cockpit sieht so aufgeräumt aus und hat so wenig Schalter wie seit dem Audi 80 nicht mehr - nur dass es jetzt trotzdem voller High-Tech steckt. Möglich machen das vor allem mehr als ein halbes Dutzend Touchscreens, die in allen Konsolen stecken: Zu den digitalen Instrumenten und dem gebogenen Bildschirm über dem Mitteltunnel kommen noch ein Monitor vor dem Beifahrer und zwei kleine Displays in den Türtafeln. Auf ihnen sieht der Fahrer mehr als in den guten alten Außenspiegeln, die Audi zugunsten von Luftwiderstand und Windgeräuschen ab 2018 auch in den ersten Serienmodellen durch Videokameras ersetzen will. Damit sich die Hinterbänkler nicht abgehängt fühlen, finden auch sie in ihren Türen solche Bildschirme, auf denen sie neben dem virtuellen Blick nach draußen die Daten des Bordcomputers oder der Navigation abrufen können.

Vorsprung durch Technik? Nicht beim E-Antrieb!

Dazu gibt es viele zum Teil abgedrehte, zum Teil faszinierende, immer aber liebevoll durchdachte Details. So scheinen der ohnehin schon schlanke Mitteltunnel, die Sitze und die Türtafeln förmlich zu schweben, weil Audi bei der Studie mit einem Lack experimentiert, der auf Knopfdruck zu leuchten beginnt und eine sehr leichte Atmosphäre zaubert. Und statt des üblichen Leders gibt es Bezüge aus einer Bambus-Faser, die den e-tron zum ersten Audi für Veganer macht.

Ein spannendes Design, ein faszinierendes Interieur, ein buchstäblich richtungsweisendes Lichtkonzept und viele Details neu gedacht - da geht der Antrieb der Studie mit einer E-Maschine an der Vorder- und zwei an der Hinterachse, mit zusammen dauerhaft 320 und kurzfristig 370 kW, mit einem Sprintwert von 4,5 Sekunden und einer Reichweite von mehr als 500 Kilometern fast unter.

Aber das kann Audi eigentlich nur recht sein. Denn so verlockend die Fahrleistungen sind, so wenig überraschen sie bei einem Serienmodell für das Jahr 2019. Konkurrenten wie Tesla erreichen diese Performance nämlich schon heute. Lichtes leuchtendes Vorbild wird so - zumindest in diesem Punkt - doch wieder zu einem Nachzügler und zeigt, dass Audi dem selbsterklärten "Vorsprung durch Technik" beim Elektroantrieb weiter hinterher fährt. Selbst wenn Audi wenigstens eine kleine Innovation vermeldet: Das Serienmodell soll künftig induktiv aufladen.

Auch Skoda und VW zeigen strombetriebene SUV

Sieht man einmal von BMW mit i3 und i8 ab, haben alle deutschen Marken erst spät auf den Tesla-Trend reagiert und einen entsprechend großen Nachholbedarf - insbesondere im VW-Konzern. Deshalb ist die Audi-Studie nicht die einzige Neuheit, die in Shanghai an der Steckdose parkt. Zwei Klassen darunter feiert Skoda mit dem Vision E die späte Erkenntnis, dass Elektrofahrzeuge offenbar nicht mehr aufzuhalten sind. Bis zum Jahr 2025 erwartet Skoda, dass sie rund ein Viertel der Verkäufe ausmachen werden. Auch deshalb will Markenchef Bernhard Maier das Showcar als Kodiak Coupé mit Akkutechnik zum Ende des Jahrzehnts fast genauso wie auf der Messe auf den Markt bringen. Neben einer Reihe von Plug-in-Hybriden kündigte er gleich noch vier weitere Elektrofahrzeuge an.

VW I.D. Crozz

VW I.D. Crozz

Foto: Volkswagen

Auch die absatzstärkste Marke des Volkswagen Konzerns, VW, zeigte in Shanghai ein elektrisches SUV-Coupé namens I.D. Crozz. Mit dem futuristischen Sportwagen auf Stelzen beweisen die Niedersachsen zwar, wie wandlungsfähig ihre Elektro-Architektur ist und wie phantasievoll das Designteam mit der neuen Formensprache und den radikal reduzierten Innenräumen spielt. Doch bis zum Serienmodell werden noch knapp drei Jahre vergehen.

Dass die Niedersachsen und ihre Töchter ausgerechnet in China mit so vielen E-Autos versuchen aufzutrumpfen, hat einen ganz einfachen Grund: Das Land wird buchstäblich zum Elektromotor der ganzen PS-Branche: Nirgends sind die Anforderungen an die Hersteller und Importeure strenger und nirgends die staatlichen Fördergelder höher. Für Marken wie Audi und VW ist China der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt. Floppen ihre Elektromodelle dort, leidet der Unternehmenserfolg. Nicht nur ein bisschen.