Audi Q3: Griff in den Konzern-Baukasten
Audi Q3 Selbstbewusster Nachzügler
Audi machte vor 30 Jahren mit dem Modell Quattro zwar den Allradantrieb im Pkw salonfähig, doch den Trend zum Geländewagen verschliefen die Ingolstädter zunächst. Der riesenhafte Q7 kam erst lange nach BMW X5 und Mercedes M-Klasse auf den Markt, das Modell Q5 folgte mit reichlich Verspätung auf den BMW X3. Und jetzt, wo die Kunden nach kompakte Geländewagen verlangen, schöpfte Konkurrent BMW mit dem Modell X1 erneut vor Audi den Rahm ab.
Doch nicht mehr lange. Denn nun schließt die VW-Tochter wieder auf und komplettiert mit dem neuen Modell Q3 das hauseigene SUV-Angebot. Das Fahrzeug feiert in der kommenden Woche auf der Automesse in Shanghai Weltpremiere. In den Handel kommt der Wagen zu Preisen ab 29.900 Euro im Juni. Damit ist er nicht nur deutlich teurer als der technisch eng verwandte VW Tiguan, den es mit schwächeren Motoren ab 24.175 Euro gibt. Sondern er liegt auch über dem Hauptkonkurrenten BMW X1, der bei BMW ab 27.600 Euro in der Preisliste steht.
Der neue Herausforderer misst in der Länge 4,39 Meter und in der Höhe samt der serienmäßigen Dachreling 1,60 Meter; insgesamt müht sich das Auto erkennbar um einen sportlichen Auftritt. Wo Konkurrenzmodelle klare Kante zeigen und betont robust vorfahren, sucht der Kraxler aus Ingolstadt die Nähe zur Coupé-Grundform und wirkt äußerlich ein wenig dynamischer als etwa BMW X1 oder Mercedes GLK. Trotzdem gibt es beim Platzangebot kaum Kompromisse. Bei einer ersten Sitzprobe kurz vor dem Verladen nach Shanghai zeigte sich, dass man im Q3 in der ersten Reihe sehr ordentlich sitzt und in der zweiten Reihe zumindest genug Beinfreiheit vorhanden ist. Auch der Kofferraum ist alltagstauglich, fasst 460 Liter und lässt sich auf 1365 Liter erweitern.
Die Basismotorisierung gibt es nur mit Frontantrieb
Zum Start gibt es den Q3 mit drei direkt einspritzenden Vierzylindermotoren, die alle zwei Liter Hubraum haben und quer zur Fahrtrichtung unter der Haube montiert sind. Es gibt die Wahl zwischen einem 177 PS starken Diesel und zwei Benzinern mit 170 oder 211 PS. Wenig später soll als Basis-Selbstzünder eine Maschine mit 140 PS folgen. Die beiden Benziner und der stärkere Diesel sind stets mit Allradantrieb gekoppelt, der kleinere Dieselmotor wird dagegen nur in Verbindung mit Frontantrieb ausgeliefert.
Das machen die Bayern vor allem mit Blick auf den Verbrauch. "Auch eine Start-Stopp-Automatik gibt es für alle Modelle, der Q3 kuppelt im Schiebebetrieb bis Tempo 60 automatisch aus und 'segelt' dann im Leerlauf, und er ist einer der leichtesten Vertreter seiner Klasse", sagt Audi-Entwicklungsvorstand Michael Dick. Front- und Heckklappe sind beispielsweise aus Aluminium gepresst, um das Gewicht unter 1500 Kilogramm zu drücken. Außerdem ist der cW-Wert mit 0,32 vergleichsweise gering. Ergebnis der Maßnahmen: Mit 5,2 Litern Durchschnittsverbrauch ist der Q3 mit dem 140-PS-Diesel und Frontantrieb immerhin um 0,1 Liter sparsamer aus der Tiguan - und liegt mit dem BMW X1 gleichauf.
Natürlich lässt sich das neue Modell aufwendig und kostspielig aufrüsten
Aber Audi legt nicht nur Wert auf eine effiziente, sondern auch eine intelligente Technik. Deshalb kann - wer will - den Q3 praktisch auf Q7-Niveau hochrüsten: Es gibt Extras vom aktiven Xenon-Licht über eine weiterentwickelte Einparkhilfe und die Google-Navigation bis hin zum mobilen Hotspot und der B&O-Musikanlage. Vorstand Dick sagt: "Da macht uns zurzeit keiner etwas vor."
Wie bei kaum einem anderen Auto nutzt Audi für den Q3 die Ressourcen des VW-Konzerns. So haben sich die Bayern nicht nur des sogenannten modularen Querbaukastens aus Wolfsburg bedient, aus dem beispielsweise auch der VW Tiguan die Bauteile bezieht, sondern es wurde gleich die ganze Produktion ausgelagert. Denn gebaut wird der Q3 nicht in einer Audi-Fabrik, sondern in bei der Audi-Tochter Seat vor den Toren Barcelonas.