Audi Quattro Concept: Renner in Kurzform
Audi Quattro Concept Die Legende fährt mit
Audi feiert 30 Jahre Quattro-Antrieb und macht sich das Geschenk zum Jubiläum gleich selbst: Als Hommage an den legendären Sportwagen aus den achtziger Jahren, der den Siegeszug des Allradantriebs einleitete, zeigen die Bayern auf dem Autosalon in Paris eine Neuinterpretation des Klassikers und setzten damit einen benzintriefenden Kontrapunkt zu den zahlreichen Messepremieren mit Hybrid- oder Elektroantrieb.
Unter der Haube des Audi Quattro Concept steckt ein klassischer Benzinmotor. Und was für einer: Es ist ein in Längsrichtung eingebauter Fünfzylindermotor mit 2,5 Liter Hubraum und Turboaufladung, der 408 PS leistet und ganz gewiss kein Spritsparaggregat ist, wie so viele andere neue Motoren in den Messehallen an der Porte de Versailles.
Doch so unvernünftig wie es sich anhört, ist die Maschine gar nicht. "Der Verbrauchswert liegt bei 8,5 Liter", sagt Audi-Sprecher Josef Schlossmacher. Für ein Auto dieser Leistungsklasse ist das respektabel. Schließlich ist der Renner nicht nur über 300 km/h schnell, er sprintet auch in 3,9 Sekunden auf Tempo 100. Kein Wunder: Dank Alukarosse und Karbon-Hauben wiegt die Quattro-Studie - wie das Original aus den achtziger Jahren - nur etwa 1300 Kilo und ist damit etwa 200 Kilogramm leichter als der ähnlich große Audi TT RS. So liegt das Leistungsgewicht auf dem Niveau des Audi-Supersportwagens R8 V10: Hier wie dort muss jedes PS lediglich vier Kilo voranbringen.
Stilistisch erinnert der Wagen mit dem weißen Lack namens "Col di Turini" allerdings weniger an den Ur-Quattro von 1980, als an den Sportquattro von 1984, mit dem Stig Blomqvist den Rallye-Weltmeistertitel einfuhr. Wie damals haben Ingenieure und Designer das Auto auch diesmal kräftig coupiert, um Gewicht zu sparen und Agilität zu gewinnen: Der Radstand schrumpfte im Vergleich zum Audi RS5, von dem die Basis der Studie stammt, um 15 Zentimeter; der hintere Überhang wurde um 20 Zentimeter gekürzt. Mit 4,28 Metern ist die Studie kaum länger als ein Audi A3.
Ein Navigationssystem, das Gang und Tempo "vorbetet"
Aber sehr viel aggressiver. Der Kühlergrill wird zu einem schwarzen Schlund, der scheinbar von schwarzen Reißzähnen flankiert ist. Die Kotflügel sind prall wie Hamsterbacken und am Heck sitzt ein ausfahrbarer Karbon-Spoiler. Ein Gruß aus dem Gestern sind die Audi-Ringe, die in der hinteren Karosseriesäule eingeprägt sind, oder die Lufteinlässe auf der rechten Seite Motorhaube, damit der Fünfzylindermotor freier atmen kann.
Eine weitere Reminiszenz an die Rallye-Vergangenheit des Quattro findet man im Untermenü des Navigationssystems: Wer die richtigen Knöpfe drückt, landet im sogenannten Gebetbuch-Modus und bekommt Streckenanweisungen, wie sie bei einer Rallye sonst der Co-Pilot gibt.
Offiziell gilt das Quattro Concept als Studie. Andererseits sieht das Auto so aus, als könne praktisch morgen die Serienentwicklung beginnen. Bei Audi heißt es, man wolle nun erstmal die Publikumsreaktionen abwarten und dann rechnen. Billig würde so ein Auto allerdings nicht. Das lehrt schon die Vergangenheit: Mit einem Preis von 195.000 Mark kostete der Sportquattro im Jahr 1984 doppelt so viel wie ein Porsche Turbo und war das teuerste Auto der Republik. Falls aus dem Quattro Concept mal ein Seriensportwagen wird, dürfte der also weit mehr als 100.000 Euro kosten.