Audi Quattro Concept: Sportwagen alter Schule - DER SPIEGEL
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Audi Quattro Concept: Die Wette gilt

Foto: Wolfgang Groeger-Meier

Audi Quattro Concept Sportwagen alter Schule

Offiziell ist der Audi Quattro Concept noch eine Studie. Doch wenige Wochen nach der Premiere auf dem Autosalon in Paris luden die Ingolstädter jetzt zu einer Ausfahrt mit dem Sportwagen. Es  mehren sich die Anzeichen, dass dieses Auto tatsächlich in Serie gehen wird.
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1-2-4-5-3 - das ist der Code einer speziellen Melodie, nämlich der Zündfolge des Fünfzylindermotors im Konzeptauto Audi Quattro. Der Motor klingt rau und aggressiv und erinnert an eine Zeit, in der elektrische Antriebe noch reine Zukunftsmusik waren. Hightech ist jedoch auch bei diesem Auto reichlich an Bord. Wird der feuerrote Startknopf gedrückt, herrscht zunächst Stille. "Mit dem ersten Fingerdruck wird die Elektronik aktiviert", sagt Stephan Reil, Chefentwickler der Audi Quattro GmbH, die das Auto baute. Auf dem Cockpitmonitor erscheint die erst Silhouette des Autos auf, dann die Grafiken für Tacho und Drehzahlmesser.

Wird der Startknopf ein zweites Mal gedrückt, ist es mit der Ruhe vorbei, und der Fünfzylinder legt los. Er steckt in einem Auto, das retro und modern zugleich ist; der Wagen erinnert an den allerersten Audi Quattro, der vor 30 Jahren debütierte, und er zeigt zugleich, wie ein Audi-Sportcoupé von morgen aussehen könnte.

1980 war der Audi Quattro eine Sensation. Das allradgetriebene Auto raste über die Rallyepisten und die Überholspur, dass die Konkurrenz nur so staunte. "Wir haben uns gefragt, wie so ein Auto wohl heute aussehen würde", sagt Reil zum Ursprung der Idee für die aktuelle Studie. Weil es schnell gehen sollte und weil bei diesem Projekt die Hoffnung auf eine Serienfreigabe von Beginn an groß war, bedienten sich die Entwickler aus dem bestehenden Baukasten: Als Basis dient die im Radstand um 16 Zentimeter gekürzte Bodengruppe des Audi RS5. Das manuelle Getriebe stammt aus dem S5, der 2,5 Liter große Turbomotor vom TT RS. Allerdings wurde der Fünfzylinder von 340 auf 408 PS getunt und zu Gunsten der besseren Gewichtsverteilung um 90 Grad gedreht; ein echter Sportwagen braucht schließlich einen Längsmotor.

Die Technik kommt von Audi, das Design stammt von Giugiaro

Das so bei der Quattro GmbH in Neckarsulm entstandene Grundgerüst wurde dann Giorgietto Giugiaros Firma Italdesign, die seit diesem Sommer ebenfalls zum VW-Konzern gehört, eingekleidet.

Das Quattro Concept zitiert mit den Nüstern auf der Haube oder den Audi-Ringen in der hinteren Karosseriesäule das Original, ansonsten aber ist der Wagen ein sehr modernes Auto geworden. Selbst für den mittlerweile etwas überstrapazierten Single-Frame-Kühlergrill fanden die Designer eine neue, überaus aggressive Variante. "Für uns ist dieses Auto nicht nur eine Reminiszenz an den Ur-Quattro", sagt Reil. Demonstriert werden solle mit der Studie auch der Fortschritt im Leichtbau. Das 4,28 Meter lange Coupé, dessen Karosserie vor allem aus Aluminium und Karbon gefertigt ist und das statt einer Rückbank nur eine Ablagefläche hat, wurde kräftig abgespeckt. Reil: "Das Auto wiegt 1300 Kilo und damit exakt so viel wie der Sport-Quattro von 1984. "

Was viel Leistung und wenig Gewicht möglich machen, zeigt der Blick auf die Fahrleistungen der Studie: In 3,9 Sekunden lässt sich der Sprint von 0 auf Tempo 100 bewerkstelligen, als Höchstgeschwindigkeit sind weit über 300 km/h erreichbar. Der Verbrauch soll bei 8,5 Liter liegen. Der Audi R8, ähnlich rasant, schluckt mit 14,9 Liter auf 100 Kilometer beinahe doppelt so viel Sprit.

Bislang sind die Werte jedoch Theorie, die der Computersimulation entlockt wurden. Dennoch ist der Prototyp Audi Quattro Concept viel mehr als ein Showcar. Bis zu 480 Nm Drehmoment treiben den Sportwagen bei der ersten Ausfahrt von SPIEGEL ONLINE vehement voran. Man kauert tief in bequemen Ledersitzen, hat das Lenkrad bestens im Griff und alle Schalter - in einem Kranz ums Cockpit - stets in Griffnähe.

Tenor der Quattro-Fans: Dieses Auto muss gebaut werden!

Alle, die bislang mit dem Auto zu tun hatten, setzen auf eine Serienfertigung. "Dass auf der Messe in Paris bereits Blanko-Schecks für das Auto abgegeben wurden, stimmt leider nicht", klärt Reil auf. "Aber wen wir auch zu diesem Auto befragen - immer lautet die Antwort: 'baut es.'" Der Audi-Vorstand hat das allerdings noch nicht entschieden. Die beiden Königsfragen lauten: Passt so ein Wagen noch in die Zeit? Und: Findet man tatsächlich genug Kunden, die rund 100.000 Euro für ein solches Coupé ausgeben würden?

Grundsätzlich ist man in Ingolstadt automobilen Kraftakten nicht abgeneigt. Das zeigt sich auch am nagelneuen Audi RS3 Sportback. Ein Kompaktwagen mit 340 PS zum Preis von 49.900 Euro. Auch das klingt reichlich abgefahren, aber dieses Autos wird ab März 2011 durchaus verkauft.