Caravan-Parken Maßarbeit mit Fernsteuerung
München/Emsdetten - Rangieren gehört auch für erfahrene Caravaner nicht gerade zu den Lieblingsbeschäftigungen. Mal gilt es, auf dem Campingplatz vor den kritischen Augen der übrigen Camper Manövrierfehler mit dem Wohnanhänger zu vermeiden. Mal sorgt ein übersehener Pfosten beim Einparken des Reisemobils für die erste Delle. Abhilfe schaffen Manövrierhilfen: Es gibt eine ganze Reihe an Zubehör, das den Umgang mit den großen Fahrzeugen und Gespannen merklich erleichtert.
Die Palette reicht von schlichten mechanischen Helfern bis hin zur kompletten Kamera-Überwachung. So machen es simple Ankuppelhilfen einfacher, den Wohnanhänger in Richtung der Anhängekupplung zu bewegen. "Dabei handelt es sich um Systeme mit einer Seilwinde", sagt Ralph Binder, Sprecher des Caravan Industrie-Verbandes Deutschland (CIVD) in Kriftel (Hessen). Das Seil führt von der Deichsel des Anhängers zur Anhängekupplung am Auto - mit Hilfe eines Flaschenzugs wird der Hänger dann an den Wagen und zur Anhängekupplung gezogen. Anstrengendes Manövrieren per Hand wird so vermieden.
Das oft Schweiß treibende Einparken eines Gespannes lässt sich mit wenig Aufwand ebenfalls einfacher gestalten. Schließlich besteht die Schwierigkeit meist darin, das Manöver Rückwärtsfahrt mit den Richtungsänderungen des Hängers in Einklang zu bringen. Josef Buchner aus Eresing in Bayern bietet daher einen so genannten Rangierkopf an, der den Rückwärtsgang beim Manövrieren überflüssig macht.
Der Rangierkopf wird als eine zusätzliche Anhängekupplung für den Rangiervorgang am vorderen Stoßfänger angebracht. Gerade bei modernen Autos ist die Montage einfach. "Sie haben oft anschraubbare Abschleppösen", erklärt Buchner. "In das Gewinde für die Öse lässt sich der Rangierkopf einschrauben." Der Caravan wird dann im Vorwärtsgang an seinen Platz geschoben. "So hat man ihn immer im Blick, außerdem wird beim Rangieren weniger Platz benötigt."
Fernsteuerung für Fahrfaule
Selbst wer das Rangieren per Auto oder das Schieben des Wohnwagens per Hand lieber ganz vermeiden möchte, muss nicht auf den Campingurlaub verzichten. Mit etwas Aufwand und Geld lässt sich der Hänger in ein ferngesteuertes Fahrzeug verwandeln. "Dafür werden am Chassis des Wohnwagens in der Nähe der Reifen Motoren befestigt", so Ralph Binder. Diese Motoren treiben spezielle Walzen an, die sich an die Reifen klappen lassen und so die Räder drehen können. "Mit der Fernsteuerung wird der Wohnwagen dann vorwärts oder rückwärts bewegt", erläutert Monika Kny, Sprecherin des Herstellers Truma in Putzbrunn bei München. Auch Kurvenfahrten sind möglich.
Viktoria Groß, Sprecherin des Deutschen Camping-Clubs (DCC) in München, weist darauf hin, dass beim Einbau solcher Zusatzantriebe das zulässige Gesamtgewicht des Anhängers zu beachten ist. Schließlich wiegt ein System wie das von Truma nach Herstellerangaben etwa 35 Kilogramm. "Bei einem Caravan mit einer maximalen Zuladung von 200 Kilogramm kann das schon dazu führen, dass anderes Gepäck wie die Campingstühle zu Hause gelassen werden muss", so Groß.
Bei Reisemobilen setzen sich zunehmend Rückfahrvideosysteme durch, die für mehr Übersicht sorgen. Hierzu wird eine kleine Kamera am Fahrzeugheck montiert. Sie überträgt Bilder auf einen Monitor im Cockpit: Hindernisse lassen sich so rechtzeitig erkennen. Vor der Anschaffung sollten Interessenten sich allerdings über die Vor- und Nachteile der diversen angebotenen Kombinationen informieren.
"Die beste Rangierhilfe ist immer noch der Beifahrer"
"Es gibt herkömmliche Monitore mit Schwarzweiß-Bild oder farbige Flachbildschirme, an die sich auch das Navigationssystem anschließen lässt", so Ralph Binder. "Das geht bis zu Bildschirmen, über die sich Filme auf DVD anschauen lassen." Letztere eignen sich laut Binder beispielsweise für kleinere Kastenwagen, in denen kaum Platz für herkömmliche Fernsehbildschirme ist.
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"LCD-Bildschirme kommen bei den Kunden sehr gut an", so Alexander Kappen vom Zubehör-Hersteller Waeco in Emsdetten: "Sie brauchen wenig Platz und es gibt farbige Bilder." Doch auch herkömmliche Schwarzweiß-Systeme haben Vorzüge. Sie seien günstiger, außerdem ermöglichten Schwarzweiß-Kameras selbst bei dunklerer Umgebung noch ein gutes Bild. Bei den Kameras gibt es sogar Modelle mit motorbetriebener Abdeckung gegen Verschmutzung. Selbst Gespanne lassen sich mittlerweile ohne Kabelsalat mit Rück-Sicht ausstatten. Waeco bietet jetzt ein System an, das die Bilder über Funk statt Kabel an den Bildschirm weitergibt.
Welche der vielen Rangierhilfen letztlich zum Einsatz kommt, ist auch eine Frage des Geldbeutels. So gibt es einfache Hilfen wie den Rangierkopf laut Josef Buchner für 100 bis 150 Euro. Der ferngesteuerte Antrieb für den Caravan schlägt dagegen laut Monika Kny mit 1770 bis 2650 Euro zu Buche. Bei den Videosystemen reicht die Spanne nach Waeco-Angaben von 200 bis weit über 1000 Euro. Manchmal kann wertvolle Unterstützung aber auch kostenlos sein: "Die beste Rangierhilfe", so Ralph Binder, "ist immer noch der Beifahrer, der aussteigt und guckt."
Heiko Haupt, gms