Detroit Motor Show: Motown Blues - DER SPIEGEL
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Detroit Motor Show Motown Blues

The Show must go on. Trotz Terroranschlägen und Rezession. Die US-Autoindustrie feiert in Detroit ihre neuesten Konzepte. Zwar ruhiger und verhaltener als in den Vorjahren, doch die artgerechte Inszenierung haben die Amerikaner nicht verlernt.
Von Frank Wald
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Um dem Spektakel beiwohnen zu können, muss man jedoch zunächst einige Hindernisse überwinden. Die Angst vor neuen Anschlägen ist auch auf der Detroit Motor Show sichtbar. Sheriffs und Spürhunde wachen an jedem Eingang zur Cobo-Hall. Auch drinnen geht alles etwas verhaltener zu, als in den Jahren zuvor. Weniger Publikum - die Veranstalter rechnen in diesem Jahr mit 20 Prozent weniger Besuchern -, weniger Tamtam und Tralala auf den Showbühnen.

Hostessen in knapper Bekleidung sind diesmal so gut wie gar nicht zu sehen. Dafür jedoch wieder jede Menge Show-Cars. Wie man die publikumswirksam präsentiert, dafür haben die Amerikaner trotz erhöhter Sicherheitsstufe ein feines Gespür. Gleich zum Auftakt ließ Ford die Motoren aufheulen.

Begleitet vom infernalischen Gebrüll historischer LeMans-Rennwagen aus den sechziger und siebziger Jahren wurde die Retro-Sportwagenstudie GT 40 enthüllt. Unmittelbar danach setzten die Autobauer aus dem nahen Dearborn noch eins drauf mit dem gigantischen Pickup F-350 Tonka. Der Furcht einflößende Supertruck bleibt allerdings ein reines Concept-Car, das in diesen Dimensionen nicht gebaut werden soll. "Wir wollten nur mal zeigen, in welche Richtung die Reise geht", so ein Ford-Sprecher.

Wohin der Weg bei Chrysler gehen soll, zeigt die amerikanische Daimler-Tochter ebenfalls mit neuen Studien. Neben der Serienversion des zweisitzigen Sportcoupés Crossfire, das ab Ende 2003 bei Karmann in Osnabrück gebaut werden soll, enthüllte das angeschlagene Unternehmen den Pacifica.

Die Kreuzung aus Kombi und Geländewagen, die auf der Voyager-Plattform basiert, soll schon Anfang nächsten Jahres vom Band laufen. Und auch die Jeep-Studien Willys 2 und Compass geben bereits einen Vorgeschmack auf den Nachfolger des Wrangler, der nach dem Cherokee im vergangenen Jahr als nächstes Modell dieser Marke zur Erneuerung ansteht.

Vergleichsweise zurückhaltend gab sich dagegen General Motors, der größte der Big Three aus Detroit. Weniger der Pontiac Solstice, ein wohl proportionierter Roadster, sowie das entsprechende Coupé dazu für junge Käufer standen im Mittelpunkt des Interesses, als vielmehr ein jovial plaudernder Robert Lutz. Der von Chrysler zu GM übergelaufene Altmeister der Autobranche soll mit seinem Gespür für gewinnträchtige Marktnischen und Modelle als Vize-Chef bei dem kränkelnden Autoriesen neue Zeichen setzen.

Amerikas Antwort auf die aktuellen terroristischen Bedrohungen ist auf einem Stand des National Automotive Center (NAC) im Keller der Cobo Hall zu sehen. Dort steht ein schwarzer Ford F-350 Pickup mit rundum verdunkelten Scheiben. Auf dem Dach des martialisch gestylten Fahrzeug namens "SmartTruck" thront eine Laserkanone, die vom Innenraum aus per Joystick zu bedienen ist. Dort finden sich außerdem verschiedene Monitore, mit denen sich via Film- und Infrarotkameras die gesamte Fahrzeugumgebung überwachen lässt.

Der Wagen ist rundum gepanzert, hat kugelsicheres Glas und verfügt über diverse "Verteidigungssysteme" wie Ölspritzen, Pefferkanonen, Starkstrom-Türgriffe sowie Scheinwerfer, die so hell strahlen können, "dass der Feind das Fahrzeug nicht sehen kann". "Alle diese Dinge sind frei erhältlich", sagt NAC-Projektentwickler Brandon Card. "Wir haben sie nur hier mal zusammengebaut."

Auch "offensive Systeme" könnten in dieses Konzeptfahrzeug integriert werden. Entwickelt wurde der Wagen im Auftrag der US-Army. Brandon Card: "Wir können das aber auch für Privatkunden zusammenstellen, wenn Nachfrage besteht."