Druckbetankung Google auf der Autobahn
Seltsame Dinge geschehen in Frankfurt. Im September startet dort eine Auto-Messe, auf der die Bundestagsfraktion der Grünen einen Stand unterhält. Nebenan, in der Brigitte Lounge, laden VW-Bedienstete die weiblichen Besucher zu kosmetischen Verwöhnprogrammen und Kochshows ein. Etwas weiter präsentiert die Buchhandelskette Thalia unter dem Motto "Lesen, was morgen bewegt" ihre Ware.
Die 62. Internationale Automobil Ausstellung (IAA) wird ein bisschen wunderlich - allerdings stehend die Chancen nicht schlecht, dass zwischen Wald-Bildbänden, Visagisten und Sonnenblumen auch das eine oder andere Auto zu sehen sein wird. Neben den hier im Premieren-Überblick aufgelisteten Ankündigungen sind in der vergangenen Woche noch ein paar dazugekommen:
Honda zeigt eine neue Studie des Accord Tourer. Das Konzeptauto soll breiter und flacher als der Vorgänger ausfallen und sportlicher wirken. Besonders sparsame Motorvarianten soll es auch geben. Sinnvoll - schließlich kann man als Hersteller in diesem Jahr nur mit Ökoaggregaten vermeiden, dass Grünen-Chef Fritz Kuhn am Stand vorbeischaut und in die TV-Kameras meckert. Der Accord Tourer soll Mitte 2008 auf den Markt kommen.
Die Studie eines kompakten Sports Utility Vehicles (SUV) mit "sauberer Dieseltechnologie" zeigt Mitsubishi. Das 4,1 Meter lange Fahrzeug soll bereits die Grenzwerte der künftigen strengen Abgasnorm Euro 5 erfüllen.
Der Kuhn'schen Bedrohung eingedenk hat Audi angekündigt, seinen Offroad-Spritsäufer Q7 mit einem Hybridantrieb auszustatten und den Verbrauch dadurch unter zehn Liter zu drücken. Vorgestellt wird ferner der neue A4, von dem es seit Mittwoch erste Fotos gibt.
Parallel dazu planen die Ingolstädter, einen elektronischen Vebrauchsberater in ihre Modelle einzubauen. Das System zeigt laut Audi neben dem aktuellen und dem Durchschnittsverbrauch auch den durchschnittlichen und der kumulierten CO2-Ausstoß im Display an. Wie umweltfreundlich der eigene Fahrstil ist, erfährt der Fahrer vom sogenannten Eco-Trainer, der mit einem Punktesystem Beschleunigen, Schalten und Bremsen bewertet. Das ist die Zukunft: Erst überprüft der von Nissan entwickelte On-Board-Alkoholtester die Fahrtüchtigkeit. Später sagt einem der Eco-Trainer dann, dass man auch nüchtern wie eine gesengte Sau fährt.
Autoindustrie schmiedet Dotcom-Allianzen
Ein weiterer IAA-Trend sind Gemeinschaftsprojekte deutscher Autohersteller mit Silicon-Valley-Firmen. Eine hübsche Idee kommt von BMW: Die Münchner kooperieren mit Google. In BMW-Navigationsgeräten lässt sich über den lokalen Suchdienst Google Maps demnächst nach Geschäften stöbern, die Ergebnisse können direkt in den On-Board-Computer übertragen werden. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, Google-Treffer vom heimischen PC ins Auto zu beamen.
Noch nicht ganz so ausgereift ist die Kooperation zwischen Apple und Volkswagen. Angeblich arbeiten die beiden Firmen an einem iCar. Wer Apples bisherige Produkte kennt, kann sich ungefähr vorstellen, wie das Gefährt aussehen dürfte:
- das iCar gibt es nur in Weiß und Schwarz.
- die Motorhaube wurde zugeschweißt; wenn das Auto kaputt ist, muss es eingeschickt werden.
- das iCar fährt ausschließlich mit an Apple-Tankstellen erhältlichem iBenzin (3,99 Euro/Liter),
- alle Funktionen werden über ein Touchscreen-Lenkrad gesteuert.
- das iCar wird in Taiwan für 1000 Dollar zusammengeschraubt, kostet aber beim Händler 100.000 Euro.
"Mac Essentials" hat bereits ein erstes Bild des Wunderwagens .
Merkel stoppt chinesisches Kopistentum
Toyotas neues Sondermodell RAV4 Cross Sport geht am 8. September 2007 zum Einstiegspreis von 31.500 Euro an den Start. Der Kompakt-SUV ist vollgestopft mit elektronischen Extras wie DVD-Navigationssystem, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Sitzheizung und Einparksensoren. Angetrieben wird der Fünftürer wahlweise von einem Zwei-Liter-Ottomotor mit 112 kW/152 PS oder einem 100 kW/136 PS starken 2,2-Liter-Dieseltriebwerk.
IAA-Besucher müssen allerdings aufpassen, dass sie den richtigen RAV4 erwischen. Das gleiche gilt für Smart und BMW X5. Es gibt da nämlich einige chinesische Modelle, die sehr ähnlich aussehen. Die Zetsches und Reithofers erwogen dem Vernehmen nach bereits, mehrere Rudel Frankfurter Staranwälte von der Leine zu lassen - was aber dann doch nicht notwendig war.
Bundeskanzlerin Angela Merkel reiste nämlich umgehend nach China um die deutsche Autoindustrie brutalstmöglich zu verteidigen. "Wenn dann plötzlich ein Auto da steht, das aussieht wie ein Smart, aber keiner ist, sondern doch eine Kopie, die nicht ganz legal erarbeitet wurde, dann ist das nicht gut", so die Regierungschefin. Damit dürfte sich das leidige Plagiatsthema wohl ein für allemal erledigt haben.
Austria sucht den Superraser
Ganz woanders, im Bregenzer Wald, gibt es ebenfalls Stunk. Dort geht es gegen die Töffs - so nennt der Österreicher seine Motorradfahrer. Ein Hasardeur mit einem Supersportler und einer Videokamera treibt in Vorarlberg sein Unwesen, kachelt mit bis zu 300 km/h über die Landstraßen und stellt Videoaufnahmen seiner multiplen Rechtsbrüche ins Internet.
Das Video zeigen wir natürlich nicht (Vorbildcharakter, Nachahmereffekt etc.). Dem mutmaßlich jugendlichen und männlichen Raser sei jedoch dieser Spot der Roads and Traffic Authority (RTA) aus dem australischen Bundesstaat New South Wales anempfohlen.