IAA-Farbenlehre: Grüner wird's nicht! - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
jkr

IAA-Farbenlehre Grüner wird's nicht!

Es scheint wie ein Naturgesetz - die 63. IAA, die gerade in Frankfurt am Main begonnen hat, wird zweifellos als "grüne IAA" in die Autogeschichte eingehen. Völlig zu Unrecht, wie eine Farbrecherche von SPIEGEL ONLINE ergab. Denn Grünes gibt es fast gar nicht auf der Messe.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Verwirrung geht schon mal damit los, dass grüne, also ökologisch einigermaßen akzeptable Automodelle die Farbe Blau im Namen tragen - Blue Motion oder Blue Efficiency zum Beispiel. Bei BMW schimmert der Kühlergrill einer Hybrid-Sportwagen-Studie ebenfalls bläulich, und auch das futuristische Renault-Elektroauto-Quartett kreiselt auf Drehtellern, in bläuliches Licht getaucht, vor dem Publikum. Skoda immerhin nennt die sparsameren Modelle Greenline, aber sonst wird in der Autowelt ein großer Bogen um die Colorierung gemacht, die laut einer Umfrage die Lieblingsfarbe von immerhin zwölf Prozent aller Deutschen ist.

Grün steht für Harmonie, für Hoffnung, für "freie Fahrt" und für Jürgen Trittin. Über eine grüne Welle freut sich der Autofahrer, von einem Häuschen im Grünen träumen fast alle. Nur einen grünen Pkw mag kaum einer besitzen. Das spiegelt sich auch auf dieser IAA wieder, wo praktisch keine wirklich grünen Autos zu sehen sind. Nur sehr vereinzelt leuchtet es sattgrün vom Blech - die Trendlacke derzeit sind Silber, Schwarz, Weiß und Rot.

Man muss lange suchen, um überhaupt Anzeichen von Grün auf der IAA zu entdecken. Die Hinweistafeln für Toiletten und Fluchtwege sind grün, an manchen Messeständen gibt es Blumendekorationen, die wie kleine grüne Tupfer einen Hauch von belebter Natur in die kühle Welt der Technik bringen. Fiat hat in Halle 6 grünen Kunstrasen ausgerollt, gegenüber steht, im dunkelgrünen Kleid neben einem schwarzen Jeep, die Messehostess Denisa, Lehramtsstudentin aus Tschechien, die übrigens auch grüne Augen hat. Sie sagt: "Grüne Autos mag ich gar nicht."

Fotostrecke

IAA-Farbenlehre: Auf der Suche nach grünen Autos

Foto: SPIEGEL ONLINE

Bei Bentley jedoch keimt die Hoffnung - und junges Grün. Apple Green etwa heißt eine Trendfarbe im Spektrum des britischen Nobelherstellers, den nach Aussagen einer Unternehmenssprecherin immer mehr Kunden bestellen. Und wer es traditionell wünscht, greift natürlich eh zum Autofarb-Klassiker British Racing Green, den es bei Bentley gleich in mehreren Schattierungen gibt.

Ein Stockwerk höher in Halle 3 residiert unter anderem Ford. Blau ist Grundfarbe dieser Marke, und in jüngster Zeit wurden neue Modelle in grellen Orange- oder Pink-Tönen präsentiert. Es gibt aber eine Ausnahme. Ausgerechnet die Schadstoffschleuder im Angebot, der 305 PS starke Ford Focus RS, der offiziell zwar knapp unter der Verbrauchsmarke von zehn Liter bleibt, in der Praxis aber deutlich darüber liegen dürfte, steht in grün auf dem Messestand. Ehrlicherweise in giftgrün, das ähnlich grell leuchtet wie einst die Rennmotorräder von Kawasaki. Wer auffallen möchte, ist mit dieser Lackierung bestens bedient. Sie trägt außerdem den schönen Namen Ultimate Green. Grüner wird's nicht auf dieser IAA.