Opel-Werk Das "Null-Fehler-Prinzip"
"Das ist ein wirklich gutes Auto, das Opel nach vorne bringen wird", sagte der Kanzler nach der Fahrt vom Flughafen zu der derzeit modernsten Automobilproduktionsstätte der Welt.
Die Fahrvorstellung des neuen Mittelklasse-Modells von Opel findet derzeit in Barcelona statt. In Rüsselsheim aber wird sich entscheiden, ob es der Marke gelingt, mit dem neuen Auto verlorenes Marktterrain zurückzuerobern. Autos mit dem Blitz-Logo waren in den vergangenen Jahren vor allem wegen Qualitätsmängel in die Kritik geraten.
Zudem pausierte Opel zu lange mit Neuvorstellungen; die Erfolgsmodelle Zafira, Astra, Omega und Vectra sind in die Jahre gekommen. Doch mit der neuen Vectra-Generation hoffen die Rüsselsheimer auf den "frischen Wind", den sie auch in ihrer aktuellen Werbekampagne beschwören.
Damit die Qualität des Autos tadellos ist und der lädierte Ruf des Unternehmens wieder aufpoliert werden kann, hat Opel 750 Millionen Euro in das neue Werk gesteckt, dessen Grundriss die Form eines halben Sterns hat. "Kein anderer deutscher Hersteller hat in den vergangenen Jahren eine ähnliche Summe für den Neubau eines Werks aufgewendet", rühmt sich Opel in einer Pressemitteilung in deutlicher Anspielung auf die jüngst fertiggestellte "Gläserne Manufaktur" in Dresdner, die den Volkswagenkonzern rund 186 Millionen Euro gekostet hat. In der derzeit modernsten Autofabrik der Welt sollen, wenn die Produktion auf vollen Touren und im Drei-Schicht-Betrieb läuft, pro Jahr 270.000 Fahrzeuge gebaut werden.
Rund 6000 Arbeitsplätze bietet das Werk, mit Hightech-Anlagen ist es außerdem ausgestattet. Allein im Karosserie-Rohbau sind 650 Roboter stationiert, die aus den 460 verschiedenen Blechteilen mittels 4500 Schweißpunkten die Karosserie zusammenfügen. Als Neuheit streicht Opel besondere "Framing-Stationen" heraus, an denen die Genauigkeit der Bauteile überprüft wird. In der gesamten Anlage, so strich Opel-Vorstandschef Carl-Peter Forster heraus, gelte das "Null-Fehler-Prinzip".
Dies beruht darauf, dass kein am Produktionsprozess beteiligter Mitarbeiter einen Fehler einer vorangehenden Arbeitsstation annehmen darf. Natürlich darf er auch selbst keine Fehler machen oder die fehlerhaften Teile gar an die nächste Arbeitsstufe weiterleiten. Wenn keine Korrekturen mehr möglich sind, hat jeder Beschäftigte sogar die Möglichkeit, den Produktionsprozess zu stoppen.
Opel-Chef Forster: "Schon heute liegt die Qualität der Opel-Fahrzeuge wieder über dem Industriedurchschnitt. Mit dem bewusst qualitätsgesteuerten Anlauf des neuen Vectra werden wir diese Entwicklung fortsetzen."
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Und das zweite Manko, die überalterte Modellpalette, soll ebenfalls zügig renoviert werden. " In den kommenden fünf Jahren wird Opel im Schnitt mindestens alle sechs Monate ein neues Modell präsentieren", kündigte Forster an. Ein Auto für den Fuhrpark des Bundeskanzlers wird aber vermutlich trotzdem nicht dabei sein.
Im Eisenacher Opelwerk mussten wegen Absatzproblemen unterdessen die Montagebänder angehalten werden. Fünf Tage sollen jetzt in Kurzarbeit die Lagerbestände abgebaut werden. Das Werk mit einer Jahreskapazität von bis zu 175.000 Autos konnte bereits 2001 nicht ausgelastet werden.
Die Auftragslage und der Markt sind nach Darstellung des Betriebsrats weiter schwierig. In Eisenach werden die Modelle "Corsa" und "Astra" gebaut.