Mazda 2 Skyactive G 75: Wechselstimmung
Mazda 2 Skyactive G 75 Fünf-Gänge-Überraschungsmenü
Fahrspaß ist ein ausgeleierter Begriff, Freude am Fahren ein Uralt-Werbespruch, geht also gar nicht - wie aber lässt sich ausdrücken, dass ein Auto voll bockt?
Anders gesagt: Dass es ein Vergnügen ist, damit herumzufahren? Im Fall des Kleinwagens Mazda 2 geht das am besten mit einem Detail, dem sonst nur selten Beachtung geschenkt wird: dem Fünfgang-Schaltgetriebe.
Der kurze Schaltknauf schnalzt nämlich so anregend durch die Schaltgassen, dass man sich wundert, warum Schalten in den allermeisten anderen Autos eher lästig ist. Hier dagegen kriegt man gar nicht genug von diesem Gefühl, greift manchmal allein aus Spaß zum Schaltstummel - und hat dann wieder diesen unnachahmlichen Schmatz im rechten Handteller.
"Snickety shift" nannte das ein englischer Kollege - man braucht es nicht zu übersetzen, man hört was gemeint ist. Bei Mazda heißt es, dass dieses neue Fünfgang-Schaltgetriebe weitgehend der Sechsgang-Schaltbox des Roadsters MX-5 entspricht. Wie bei diesem sind die Schaltwege extrem kurz, vom Leerlauf bis zum gewählten Gang kaum fünf Zentimeter Hebelweg.
Sympathiepunkte bei jedem Gangwechsel
Das spezielle Gefühl beim Einlegen der Gänge chiffrieren die Mazda-Entwickler mit dem Begriff "Lock-Ball-Mechanismus". Das ausgeklügelte System bewirke "beim Ausrücken eines Gangs einen leicht höheren Widerstand, zum Einrücken des nächsten Ganges einen spürbar geringeren". Klingt simpel, und hat eine verblüffende Wirkung: Schaltspaß.
So sammelt das Auto bei jedem Griff ins Getriebe Sympathiepunkte, und man bekommt fast Mitleid mit den Mazda-2-Fahrern, die sich für die Variante mit Sechsgang-Automatik entschieden haben. Auch die Lenkung, leicht und direkt, verdient eine positive Erwähnung. Man bewegt den Wagen einfach gern, obwohl in unserem Testauto die leistungsschwächste Maschine aus dem Angebot steckt, der Vierzylinder-Benziner mit 75 PS.
Das ist kein Motor, der im Verdacht steht, unnötig an der Leistungsspirale herumzudrehen. Aber er passt zu dem Kleinwagen und den in dieser Klasse üblichen Anforderung, die nun mal der Kurzstreckenverkehr ist. Jedenfalls trübt das Basistriebwerk, auch wenn ihm beim Beschleunigen der Druck fehlt, die gute Laune beim Herumkurven mit dem Mazda 2 keineswegs.
Absage an die gängigen Motorentrends
Wie beim Getriebe kann Mazda auch für den Motor eine Sonderstellung reklamieren. Statt der inzwischen Standard gewordenen Hubraumverkleinerung plus Turboaufladung setzt der japanische Hersteller auf einen 1,5-Liter-Saugmotor mit Benzindirekteinspritzung und hoher Verdichtung. Entwicklungsziel sei ein "lineares Ansprechen auf Gasbefehle und ein berechenbares Pedalgefühl" gewesen, heißt es bei Mazda. Das ist gelungen.
Als Durchschnittsverbrauch für die 75-PS-Variante gibt der Hersteller 4,7 Liter je 100 Kilometer an; davon allerdings war unser Testauto deutlich entfernt. Der Wagen, vorwiegend im winterlichen Stadtbetrieb unterwegs, schluckte während unserer Fahrten gut 7 Liter im Schnitt.
Den Mazda 2 gibt es ausschließlich als Fünftürer, womit der Wagen auch für vier Erwachsene zum idealen Fahrzeug wird, wenn nicht gerade eine Langstreckenfahrt ansteht. Aufgrund von acht Zentimeter mehr Radstand im Vergleich zum Vorgängermodell sind die Platzverhältnisse im Innenraum recht ordentlich für einen Kleinwagen.
Schlicht und stilsicher: die Armaturentafel
Was allerdings den Aufenthalt wirklich angenehm macht, ist die gekonnt gestaltete Armaturentafel, die es so elegant und modern in keinem anderen Auto dieser Klasse gibt. Bordcomputer und Multimediasystem werden auf einem zentral platzierten 7-Zoll-Bildschirm dargestellt, der wiederum über den so genannten Multi-Commander auf der Mittelkonsole bedient wird. Das ist logisch, funktioniert prima und ist in jeder Hinsicht auf der Höhe der Zeit.
Stilsicher und erfrischend eigenständig wie das Interieur ist auch die Karosserie designt. Nichts erinnert mehr an den schmucklosen Mini-Kombi der ersten Mazda-2-Generation oder an den umgemodelten Ford-Fiesta der Generation zwei. Von Mazdas Anstrengungen hat offensichtlich die deutsche Kleinwagenklientel Wind bekommen: 9300 neu zugelassene Mazda 2 im vergangenen Jahr bedeuteten ein Zulassungsplus von 35 Prozent im Vergleich zu 2014.
Vielleicht hat es auch damit zu tun, was der aktuelle Mazda 2 auf unerwartete Art deutlich macht: Ein Auto kann eben doch viel mehr sein als ein rollendes Smartphone. Nämlich ein Fortbewegungsmittel, dessen Bedienung nicht nur am Multimediascreen ein Vergnügen ist - sondern ganz klassisch an Lenkrad, Pedalen und Schaltknauf.