Honda HR-V: Kompakter SUV mit praktischem Extra - DER SPIEGEL
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Honda HR-V 1.6 i-DTEC: Fahrtrichtung Stückzahl

Foto: PANDER

Honda HR-V 1.6 i-DTEC Sitz mit Witz

Wie im Rausch bauen alle Hersteller SUVs, auch Honda lässt sich mitreißen. Der HR-V ist dabei solider SUV-Durchschnitt - nur das Rücksitzsystem hat besonderes Gymnastiktalent.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Noch ein SUV. Wieder einer mit dem Vornamen "Kompakt". Gefühlt besteht die neuere Autowelt ausschließlich aus Pkw, die ursprünglich als Geländewagen geplant gewesen sein müssen - nur fiel dann den Verantwortlichen wohl auf, dass es ausreichend asphaltierte Straßen gibt.

Herausgekommen sind Mischwesen mit dem Marketing-Namen SUV. Der Honda HR-V ist auch so eines - allerdings mit ein paar bemerkenswerten Besonderheiten.

Gleich nach dem Einsteigen macht man Bekanntschaft mit zweien davon. Da wäre das in einem durchgehenden Streifen perforierte Armaturenbrett vor dem Beifahrersitz. Vermutlich ist der HR-V damit das Auto mit dem längsten Lüftungsschlitz, doch wozu das gut sein soll, erschließt sich nicht. Das kapiert man schon eher beim Schaltknüppel des Sechsgang-Schaltgetriebes, der aus der Mittelkonsole ragt wie das Ende eines Besenstiels: So ähnlich sind auch die Schaltsticks in Rallye-Rennwagen geformt.

Und so lässt sich der Knüppel im HR-V auch als kleine, optische Reminiszenz an die Rennsportaktivitäten der Marke verstehen. Immerhin mischen die Japaner an der Seite von McLaren in der Formel 1 mit. Was nun den Schaltknüppel betrifft, endet die Ähnlichkeit leider mit der Optik. Bedient man das Getriebe, fühlt es sich eher zäh und teigig an - jedenfalls genau anders als das, was man nach dem ersten Anblick des Hebels erwartet.

Schicke Optik und schlimme Fummelei

Überraschende Erfahrungen macht man mit dem HR-V auch, wenn man den zentralen Bordcomputer wie vorgesehen per 7-Zoll-Touchscreen bedienen möchte. Das Ding sieht brillant aus und fügt sich elegant in die Armaturentafel ein. Das Bedienen jedoch ist ein oft mühsamer Akt. Denn man muss ziemlich fest auf die Tastenfelder des Bildschirms drücken, um die gewünschte Funktion auszulösen - oft klappt das auch erst nach mehreren Versuchen. Und weil man die virtuellen Tasten nicht erspüren kann, muss man dazu immer wieder auf den Bildschirm blicken - was auf keinen Fall die Verkehrssicherheit fördert, denn die Augen des Fahrers gehören natürlich auf die Straße.

Ist das Navigationsziel dann eingegeben oder der gewünschte Musiksender eingestellt, kann man sich endlich ganz aufs Fahren konzentrieren. Und das bedeutet im HR-V durchaus auch Spaß. Der Wagen wirkt leichtfüßig und agil, wobei die Übersichtlichkeit gerade nach schräg hinten und hinten besser sein könnte.

Soll das Dieselgebrumm Sportlichkeit suggerieren?

Der 1,6-Liter-Dieselmotor mit einer Leistung von 120 PS bewegt das Auto zügig und seriös. Da gibt es keine Überraschungen, weder im positiven noch im negativen Sinne. Honda sagt, man erreiche die Euro-6-Abgasnorm durch moderne Motorentechnik; eine Stickoxid-Reduktion mittels Harnstoffeinspritzung sei nicht nötig. Anzumerken ist außerdem die recht rustikale Geräuschentwicklung gerade beim Anfahren. Entweder es wurde an Dämmstoffen gespart, oder aber auch das ist gewollt und soll Sportlichkeit suggerieren - was bei einem Auto dieser Machart allerdings albern wäre.

Ganz und gar durchdacht ist der Wagen in der Kategorie Alltagstauglichkeit. Unterhalb der schmalen, jedoch hoch aufragenden Mittelkonsole gibt es zum Beispiel eine Art Kellergeschoss, in dem sich das Smartphone oder andere Mitbringsel unauffällig und sicher unterbringen lassen. Zudem sind hier auch vier Anschlussbuchsen vorhanden - zweimal USB und je einmal HDMI und 12-Volt-Stromversorgung.

Der Clou des Autos befindet sich jedoch in Reihe zwei. Man kennt das System der Kino-Rücksitze zwar bereits seit Längerem vom Honda Jazz, und auch in Civic und Civic Tourer gibt es sie, doch der HR-H ist der erste SUV, der damit vorfährt: Denn nicht nur die Rücksitzlehne, sondern auch die Rücksitzbank ist im Verhältnis von 1/3 zu 2/3 geteilt; und nicht nur die Lehnenteile lassen sich flachlegen, sondern auch die Sitzkissen aufstellen. Dann entsteht ein Ladekorridor von rechts nach links durch den Fond, in dem sich auch sehr große Flachbildschirmkartons, eine Batterie Tomatenstauden oder ähnliche Dinge unterbringen und transportieren lassen.

"Magische Sitze" als Alleinstellungsmerkmal

Möglich wird diese praktische Lösung, die Honda "Magic Seats" nennt, weil die Entwickler den 50-Liter-Kraftstofftank des Wagens unter den Vordersitzen platziert haben. Normalerweise ist der Spritbehälter unter der Rücksitzbank untergebracht.

Honda verkauft den in Mexiko gebauten HR-V ab 19.990 Euro, dann steckt im Motorraum ein 130 PS starker Benziner. Mit Dieselaggregat wird das Auto ab 22.490 Euro angeboten. Auch hier gilt, wie für den Wagen insgesamt: Der HR-V ist ein solides Paket, guter Durchschnitt eben. Das stärkste Argument für das Modell ist zweifellos der variable Fondbereich. Immerhin das ist ein Punkt, in dem der Kompakt-SUV der zahlreichen Konkurrenz voraus ist.