VW California Beach: Auf und davon
VW California Beach Teures Vergnügen
Es gibt Leute, die finden Autos blöd, überschätzt, langweilig. Aber einen VW Bus würden sie sofort nehmen. Als wir jetzt mit dem neuen VW T6 California Beach unterwegs waren, haben wir reihenweise solche Zeitgenossen getroffen. Sobald sie einen Bulli, zumal einen im sympathischen Farbton senfgelb, vor sich sehen, offenbaren sie ihre geheimsten Autosehnsüchte: "Das wär das einzige Teil, das mir auf den Hof käme." "Mein Traumwagen." "Würd ich mir sofort kaufen, wenn er nicht so unverschämt teuer wäre."
Das ist der große Haken an dem Auto, für das sogar Autoskeptiker schwärmen: der Preis. Die billigste Version des California Beach, also der am simpelsten ausgestatteten Campingversion des VW-Busses, kostet 42.120 Euro. Das von uns gefahrene Modell mit dem zweitschwächsten Dieselmotor (102 PS) und Fünfgangschaltgetriebe steht ab 44.262 in der Preisliste.
Diese Preisliste ist allerdings sehr umfangreich, und in unserem Testwagen steckten Extras für mehr als 12.000 Euro Aufpreis. In dieser Ballung würde das wohl kaum ein Kunde bestellen, aber bei Testfahrzeugen zeigen Hersteller gern, was möglich wäre, Geld spielt da keine Rolle.
Zudem sind längst nicht alle Sonderausstattungen für jeden Nutzer sinnvoll. Auf die 17-Zoll-Leichtmetallräder "Davenport" (1945 Euro), die Sitzheizung im Fahrerhaus (464 Euro), den Spurwechselassistenten (779 Euro) oder die Standheizung (1975 Euro) beispielsweise könnte ich locker verzichten. Andere Dinge wie Nebelscheinwerfer (333 Euro) oder eine Klimaanlage (1219 Euro) gehören unbedingt in so ein Auto. Und über elektrische Zuziehhilfen für Schiebetür (164 Euro) oder Heckklappe (146 Euro) sowie eine Einparkhilfe samt Rückfahrkamera (969 Euro) kann man geteilter Meinung sein.
Doch wie man auch rechnet und wie sehr man die Ansprüche auch senkt, der VW California Beach bleibt ein teures Auto - einerseits. Andererseits kriegt man für das Geld eben auch so viele automobile Möglichkeiten wie bei kaum einem anderen Fahrzeug.
Zimmer frei!
Losfahren, unterwegs sein, unabhängig sein - mit diesem Auto funktioniert das ohne Einschränkung. Denn vier Schlafplätze, zwei Campingstühle und ein Tisch sowie eine Indoor-Sitzgruppe für fünf lassen sich jederzeit hervorzaubern. Alles Weitere ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, denn der riesige Kofferraum unter der Bettverlängerung im Heck schluckt eine komplette Campingküchenausrüstung ebenso wie Schlafsäcke, Klamotten, Sportgeräte, Lebensmittel, Getränkekisten oder was sonst noch gebraucht wird zum Leben auf Achse.
VW California im Video
Es ist ja genau diese serienmäßige Fähigkeit zum Spontanurlaub, die kompakte Campingbusse wie Ford Nugget, Mercedes Marco Polo oder eben VW California bei vielen so beliebt macht. Zugleich verschafft sie den Fahrzeugen eine Sonderstellung, nämlich exakt an der Schnittstelle zwischen Pkw, Kleintransporter und Wohnmobil. Genau hier löst das Auto auch sein altes Freiheitsversprechen am überzeugendsten ein.
Ideell ist der VW California Beach ein Überflieger, aus technisch-fahrerischer Sicht dagegen eher Durchschnitt. Ja, man sitzt sogar noch etwas höher als in einem SUV und genießt daher eine bessere Übersicht, doch der 102-PS-Diesel im Verbund mit dem Fünfgang-Schaltgetriebe ist sicher nicht die ideale Antriebslösung für ein Fahrzeug dieses Kalibers. Mit der Motorleistung könnte man sich sogar arrangieren - obwohl der 150-PS-Diesel sicher angenehmer zu fahren wäre, während das 204 PS starke Topmodell schon wieder übermotorisiert ist.
Kleckern verboten!
Was mehr stört als fehlende Leistung ist der fehlende sechste Gang. Es wäre so schön, könnte man auf der Autobahn bei Reisegeschwindigkeit 130 den Schaltknüppel noch mal nach rechts unten drücken. Die Drehzahl würde sinken, das Geräuschniveau ebenso und der Verbrauch gleich mit. So aber brummelt man im Fünften dahin und ärgert sich über die Produktplaner von Volkswagen Nutzfahrzeuge, die Sechsgangschaltgetriebe nur für die stärkeren Dieselmotorisierungen vorgesehen haben.
Der offizielle Durchschnittsverbrauch für den 102-PS-TDI liegt bei 6,3 Liter je 100 Kilometer. Unter Testverbrauch lag im Schnitt knapp einen Liter über diesem Wert. Damit kann man sich abfinden. Ärgerlicher ist da schon die Tatsache, dass beispielsweise die komplette Türbrüstung voller Wassertropfen steht, wenn man nach einem Regenguss das vordere Seitenfenster öffnet. Und dass in einem Auto, in dem man auch übernachtet, trinkt und isst, Teppiche und Sitzpolster im Farbton "Moonrock", vulgo: hellgrau, gehalten sind, macht das Leben auf den vier Quadratmetern Wohnfläche des California Beach auch nicht einfacher.
Mit wenigen Handgriffen zur Ferienimmobilie
Wobei das Handling des Wohn- und Schlafabteils rundum durchdacht ist. Die Sitzbank lässt sich, wenn man die richtigen Handgriffe herausgefunden hat, ruckzuck verschieben und umklappen. Gleiches gilt für das Aufstellen des Campingdaches. Es gibt an den richtigen Stellen im Fond Ablagen und Lampen, die Rollos sind in die Fensterbrüstungen integriert, und wenn man eine Markise bestellt hat (654 Euro), dann lässt sich die Fläche vor der Schiebetür mit ein paar Kurbelbewegungen in eine schattige Terrasse verwandeln.
Das ist es, was sogar Autoverächter zu Bulli-Bewunderern macht: Die Kombination von spartanischer Heimeligkeit mit robuster Mobilität. In diesem Auto wird man zum seßhaften Nomaden, zum Vagabunden in vertrauter Umgebung. Dieses Paradox ermöglicht keinem anderen Fahrzeugtyp, und genau das ist vermutlich das Erfolgsgeheimnis des VW California.