Seat Ateca - Test, Preis: Jetzt aber zackig - DER SPIEGEL
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Autogramm Seat Ateca: SUV aus dem Süden

Foto: Seat

Autogramm Seat Ateca Jetzt aber zackig

Alle Hersteller profitieren vom SUV-Boom, nur Seat war bislang blank. Nun ist der Hoffnungsträger da: Er heißt Ateca, bedient sich aus dem VW-Konzernbaukasten - und punktet mit kantigem Design und ein paar exklusiven Details.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der erste Eindruck: Ein Spätzünder, aber immerhin gut aussehend. Mit stechendem Scheinwerferblick, scharfen Linien und knackigen Proportionen fällt der Kompakt-SUV Seat Ateca zumindest ein bisschen auf im riesigen Rudel dieser Fahrzeugklasse. Das muss er aber auch, weil er als Nachzügler zu dieser Horde stößt.

Das sagt der Hersteller: "Endlich!" Egal mit welchem Seat-Manager man spricht, stets ist die Erleichterung spürbar, dass jetzt auch die spanische VW-Konzernmarke ein SUV anbieten kann. Wenn die Prognosen zutreffen, werden die ohnehin hohen Verkaufszahlen dieser Fahrzeuggattung bis 2020 in Europa nochmals um 25 Prozent zulegen. Auf Seats Wunschliste stand so ein Auto deshalb schon lange.

Nun solle das SUV das Comeback von Seat beschleunigen und neben den Baureihen Ibiza und Leon zur dritten, tragenden Säule im Modellprogramm werden, sagt Seat-Chef Luca de Meo. Die Zeichen dafür stehen nicht schlecht. Allein in Deutschland gibt es 5000 Vorbestellungen und im Onlinekonfigurator haben sich bereits 270.000 Interessenten den Wagen angeschaut.

Das ist uns aufgefallen: Dank der angehobenen Bodenfreiheit sind Einstieg und Sitzposition bequem, hinter der hohen Brüstung fühlt man sich etwas geborgener. Insgesamt ist der 4,36 Meter lange Seat Ateca etwas kürzer als der neue VW Tiguan - und damit einen Tick wendiger. Allerdings könnte die Rundumsicht besser sein, was Seat durch eine Kameraüberwachung aus der Vogelperspektive zu kompensieren versucht, mit der das Einparken auch in engsten Lücken tatsächlich zum Kinderspiel wird.

Zumindest für die stärkeren Modellvarianten wird Allradantrieb angeboten, zudem auch unterschiedliche Fahrprofile für Offroadstrecken oder Schnee. Doch ein Geländewagen ist der Ateca deshalb noch nicht. Was Seat allerdings geschickter angestellt hat als viele Konkurrenten, das ist die Sache mit der Raumnutzung. Ob man in der ersten oder in der zweiten Reihe sitzt, der Ateca bietet - obwohl die Rückbank nicht verschiebbar ist - mit einem Radstand von 2,63 Meter ordentlich Bewegungsfreiheit auf allen Plätzen. Und auch der Kofferraum ist mit 510 Litern Fassungsvermögen für die Frontantriebs- und 485 Litern für die Allradvarianten üppig bemessen.

Der Seat Ateca im Video

Tom Grünweg

Der Hauch von mediterranem Flair, das die Karosserie ausstrahlt, ist im Innenraum allerdings verloren gegangen. Der Ateca ist zwar fein möbliert, ergonomisch perfekt und die Materialanmutung auf dem Niveau der teureren Konzernmarken - aber wer nicht extra die farbigen Zierleisten bestellt, sitzt in einer eher tristen Landschaft, die nicht so recht zu spanischer Lebensfreude passen will.

Das muss man wissen: Der Ateca nutzt, wie sein größerer Cousin VW-Tiguan, den modularen Querbaukasten des VW-Konzerns. Der drückt neben den Kosten auch das Gewicht, sodass der Wagen in der leichtesten Variante lediglich 1205 Kilo auf die Waage bringt und zu einem der leichtesten SUVs dieser Größe wird. Deshalb fahre der Ateca sparsam und trotzdem sportlich, sagt Seat-Entwicklungsvorstand Matthias Rabe.

Gemessen an SUV-Konkurrenten hat Rabe zumindest mit dem dynamischeren Fahrgefühl recht; doch verglichen mit dem knackigen Seat Leon wirkt der Ateca eher gemütlich, lenkt sich auch im sportlichsten Fahrprofil noch ziemlich leicht, federt komfortabel und macht keinen Hehl aus seinem hohen Schwerpunkt - warum auch, wenn das Auto vor allem Familien ansprechen soll?

Ein weiterer Vorteil des Konzernbaukastens ist der leichte Zugriff auf viele Ausstattungsdetails. So gibt es den Ateca auf Wunsch mit LED-Scheinwerfern, einem Stau-Assistenten mit Geschwindigkeits- und Spurregelung und Einparkautomatik sowie einem pfiffigen Infotainment-System. Das kann nicht nur die gängigen Smartphones "spiegeln", online gehen sowie Nachrichten aus dem persönlichen Posteingang und den sozialen Netzwerken vorlesen, sondern auch mit selbst definierten Gesten gesteuert werden.

Auch die Antriebe kommen aus dem Konzern-Pool. Zum Verkaufsstart gibt es zwei Benziner mit 115 oder 150 PS und drei Dieselmotoren, die ein Spektrum von 115 bis 190 PS abdecken. In den Handel kommt der SUV der Spanier am 2. Juli zu Preisen ab 19.900 Euro. Damit liegt er in etwa gleichauf mit der Kombi-Version des Leon, ist aber gut 4000 Euro billiger als der innen kaum größere VW Tiguan.

Weil sich der Ateca aus dem großen VW-Baukasten bedient, muss man ihn weniger mit anderen Importmodellen wie dem Renault Kadjar, dem Toyota RAV-4 oder dem Mazda CX-3 vergleichen, sondern am ehesten mit seinen Cousins der anderen Konzernmarken. Zwar hat die Führung in Wolfsburg direkte Duelle geschickt vermieden, weil der Ateca eine Handbreit kürzer ist als der VW Tiguan, den kommenden Skoda Kodiak um mindestens zwei Handbreit unterbietet und anders als der Skoda Yeti kein aufgebockter Kastenwagen, sondern ein echtes SUV ist.

Doch vor allem der Tiguan wird sich mit dem Ateca wohl doch messen müssen - und zieht dabei den Kürzeren. Denn obwohl er länger ist, bietet er innen nicht nennenswert mehr Platz, er kostet rund 4000 Euro mehr, sieht langweiliger aus und entscheidend mehr Extras hat er auch nicht zu bieten. Schwerer wird sich Seat da schon mit Skoda tun: Der ähnlich eingepreiste Yeti folgt zwar einem anderen Konzept, sieht vor allem innen älter aus und bietet keine so erhabene Sitzposition, hat aber den variablen Innen- und den größeren Gepäckraum. Und wenn im Sommer der Kodiak im großen Format zum kleinen Preis kommt, werden die Karten ohnehin neu gemischt.

Das werden wir nicht vergessen: Die Starttaste für den Motor, deren Beleuchtung pulsiert. Und die Heckklappe, die sich sich mit einem angedeuteten Fußtritt unter den hinteren Stoßfänger nicht nur öffnen, sondern auch wieder schließen lässt - das gibt es sonst bei keinem anderen SUV.

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