Bentley Mulsanne: Die Luxuslimousine wird noch länger - DER SPIEGEL
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Bentley Mulsanne EWB: Er zieht sich in die Länge

Foto: Bentley

Autogramm Bentley Mulsanne EWB Rücksitz? Refugium!

Freude am Fahren? Nicht in diesem Auto: Mit der überarbeiteten Version des Mulsanne verwöhnt Bentley die Passagiere im Fond - der Chauffeur wird eher kurz gehalten.
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Der erste Eindruck: Protz Blitz! Als wäre der normale Bentley Mulsanne nicht schon glamourös genug, trägt der überarbeitete Luxusliner jetzt noch mehr Lametta.

Das sagt der Hersteller: Bentley-Chef Wolfgang Dürheimer sagt, der Mulsanne sei der Inbegriff einer Luxuslimousine und die Quintessenz dessen, was die britische Marke vom Automobilbau verstehe. Das gelte insbesondere für die neue Langversion (Extended Wheel Base, kurz EWB), mit der Bentley den Luxus für die Hinterbänkler auf ein neues Level hebe. Weil die erlauchte Kundschaft selten aufs Geld schaut, für Genuss jedoch immer offen ist, rechnet Dürheimer damit, dass die EWB-Variante in einigen Regionen der Welt einen Verkaufsanteil von bis zu 100 Prozent, und im weltweiten Schnitt immerhin 50 Prozent erreichen wird.

Das ist uns aufgefallen: Rücksitz klingt zu profan für das Refugium, das Bentley seinen besten Kunden in dem auf 5,83 Meter gestreckten Mulsanne eingerichtet hat. Wer in diesem Auto hinten rechts einsteigt, reist auf ledernen Liegen, wie es sie sonst nur in der First-Class im Flugzeug gibt. Ein paar Knopfdrucke genügen, dann surrt der Beifahrersitz nach vorn, die elektrische Beinauflage hebt sich, die Lehne gleitet zurück, und man kann es sich so bequem machen, dass auch der längste Stau den Schrecken verliert. Zum Arbeiten gibts zwei Klapptische, die in einem feinmechanischen Schauspiel aus der Mittelkonsole klappen, und zur Erfrischung liegt im gekühlten Barfach der Champagner, für den Bentley auch gleich maßgefertigte Kelche mitliefert.

All das sind traditionelle Markenwerte, wie man sie von den Briten kennt und erwartet. Doch mit einem weiteren Knopfdruck erreicht das Auto die Neuzeit. Dann surrt nämlich aus den Rückenlehnen der Vordersitze ein zehn Zoll großer Bildschirm, der im Gegensatz zu den Lösungen der Konkurrenz nicht fest integriert ist. Das mit dem Fahrzeug vernetzte Android-Tablet lässt sich mit einem Klick aus der Halterung lösen und bei Bedarf sogar mitnehmen. Das hat so bislang noch kein anderer Fahrzeughersteller hinbekommen.

Champagnerkelche und Samtvorhänge - die Limousine im Video:

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Das erstaunlichste an diesem Fahrzeug ist die Ruhe, die man darin genießen kann: Die Radhäuser wurden nochmals besser isoliert, die Karosserie im Windkanal weiter geglättet und sogar die adaptiven Dämpfer neu gekapselt. Jetzt herrscht im Auto selbst bei hohem Tempo eine himmlische Stille.

Während Bentley den Hinterbänklern die volle Aufmerksamkeit widmet, halten sich die Änderungen in der ersten Reihe in Grenzen. Das Fahrgefühl ist nach wie vor erhebend, doch selbst der schillerndste Luxus, die feinsten Furniere und das dickste Leder können nicht verbergen, dass der neue Mulsanne mittlerweile ein ziemlich altes Auto ist. Trotz des neuen Touchscreens thront der Fahrer vor einer stattlichen Ansammlung von Knöpfen auf der überfrachteten Mittelkonsole, wobei die Liste der Assistenzsysteme weiterhin kürzer ist als bei den meisten modernen Mittelklasse-Limousinen. Dabei wäre zum Beispiel eine Spurführungshilfe bei einem Auto dieses Formats tatsächlich mal hilfreich.

Das muss man wissen: Bestellbar ist der neun Mulsanne ab sofort, die Auslieferung jedoch kann sich hinziehen. Die Montage eines Modells dauert rund 400 Arbeitsstunden, und da sind beispielsweise die 37 Stunden für die Kontrastnähte noch ebenso wenig eingerechnet wie die zwölf Stunden, die allein das so genannte Mirror-Finish für die letzte Lackschicht benötigt. Dieser enorme Aufwand erklärt zumindest zum Teil die Preise. Sie beginnen bei 297.191 Euro für den normalen Mulsanne, dessen Update man an schallplattengroßen LED-Scheinwerfern und einem mächtigen Kühlergrill erkennt, der mit vertikalen Streben stark an Rolls-Royce erinnert.

Die 25 Zentimeter mehr Radstand des Mulsanne EWB treiben den Grundpreis auf 351.526 Euro. Als dritte Variante gibt es für mindestens 323.918 Euro den Mulsanne Speed, dessen 6,75-Liter-V8-Motor allerdings 537 statt 512 PS leistet. Allerdings kann man damit nur gegenüber anderen Bentley-Fahrern prahlen. Wirklich erfahren lässt sich der Unterschied dagegen nicht. Ob die Fünf-Meter-Plus-Fuhre von mehr als 2,5 Tonnen Gewicht nun in 5,1 oder in 4,9 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt oder ob sie 296 oder 305 km/h Höchstgeschwindigkeit erreicht - in jedem Fall sprengt ein solcher Kraftakt alle gängigen Vorstellungen vom Autofahren.

Beim Timing für das Debüt die Langversionen hatten die Briten ein glückliches Händchen. Denn der Luxusliner in XXL kommt just auf den Markt, wenn Rolls-Royce den Verkauf des Modells Phantom vorübergehend einstellt. Weil die BMW-Tochtermarke den Generationswechsel beim Phantom vorbereitet und dafür bis 2018 pausiert, fährt der Mulsanne EWB gerade ohne echte Konkurrenz.

Das werden wir nicht vergessen: Das Auto ist riesig - erst recht in der neuen Langversion. Aber es sind Kleinigkeiten, die sein wahres Format ausmachen. Die pfundschweren Aschenbecher etwa, die Holzfurniere, die sich millimetergenau gespiegelt über die langen Fondtüren spannen, und natürlich die neuen Klapptische zwischen den Liegesesseln, die aus insgesamt 761 Einzelteilen bestehen und monatelang getestet wurden. Manchmal steckt Größe im Detail.