Fiat Fullback im Test: Voll für die Tonne - DER SPIEGEL
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Autogramm Fiat Fullback: Hinten ist noch Platz

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Autogramm Fiat Fullback Voll für die Tonne

Winzig, poppig, ausgestattet mit vielen kleinen Lifestyle-Gimmicks: Das ist der Fiat 500. Mit dem Pickup-Truck Fullback hat der italienische Hersteller jetzt den genauen Gegenentwurf im Programm.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der erste Eindruck: Das soll ein Fiat sein? Der Fullback mit seiner Nutzlast von einer Tonne könnte einen Cinquecento Huckepack nehmen.

Das sagt der Hersteller: Fiat hat bereits eine breite Palette an leichten Nutzfahrzeugen, zum Beispiel die Kastenwagen Fiorino, Doblò und Scudo sowie den Transporter Ducato. Was zuletzt noch fehlte, war ein Pick-up in der Ein-Tonnen-Klasse wie der Fullback. "Jetzt ist auch die letzte Lücke dicht", sagt Fiat-Sprecher Sascha Wolfinger.

In Deutschland dürfte der Pritschenwagen von geringer Bedeutung sein, international jedoch braucht man so ein Modell offenbar. Schließlich werden in Europa, dem Mittleren Osten und Vorderasien, der sogenannten EMEA-Region, rund 650.000 Midsize-Pickups pro Jahr verkauft. Unter den leichten Nutzfahrzeugen liegt ihr Anteil bei 22 Prozent.

Das ist uns aufgefallen: Während Pick-ups wie der neue Nissan Navara zunehmend als raue, aber modische Variante von SUVs daherkommen, ist der Fiat Fullback ein echtes Arbeitstier ohne Allüren.

Nicht nur das Design der Karosserie ist schlicht und schnörkelos, auch der Innenraum ist so funktional eingerichtet wie der Aufenthaltsraum einer Autowerkstatt.

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Passend dazu ist auch die Technik rustikal und robust: Der Dieselmotor brummt laut, der Schaltknauf zittert beim Fahren wie ein Pürierstab, und die Blattfedern als Radaufhängung lassen die Insassen ungefiltert teilhaben am Zustand des Straße.

Das zahlt sich aber spätestens dann aus, wenn man mal keinen Asphalt unter den Rädern hat.

Denn der starke Motor und die konventionelle Geländeuntersetzung bringen den Fullback auch dort noch weiter, wo sich große SUVs längst festgefahren haben. Bodenwellen, Furchen oder kleine Furten halten ihn kaum auf. Hohe Bordsteinkanten interessieren ihn sowieso nicht.

Als Fahrer hat man sich an diese hemdsärmelige Art der Fortbewegung schnell gewöhnt. Irgendwann nimmt man das Dieselgebrabbel kaum mehr wahr - das Radio lässt sich ja auch ein bisschen lauter drehen. Sanfte Stöße ins Kreuz können manchmal ähnlich belebend wirken wie eine Massage. Selbst enge Innenstädte verlieren ihren Schrecken, wenn man die stattlichen Abmessungen erst einmal verinnerlicht und die Segnungen der Rückfahrkamera zu schätzen gelernt hat.

Spätestens samstags vor dem Baumarkt fühlt man sich wie der König.

Das muss man wissen: Beim Fiat Fullback handelt es sich um einen umgemodelten Mitsubishi L200. Das Auto erhielt bei der Kooperation lediglich neue Logos, einen dezent modifizierten Kühlergrill und andere Scheinwerfer. Das ist bei Nutzfahrzeugen, wo es auf die Kosten ankommt und nicht so sehr aufs Image, nichts Besonderes. Wenn demnächst Renault, und im nächsten Jahr Mercedes ebenfalls in dieses Segment einsteigen, dann basieren deren Pritschenwagen zum Beispiel auf dem Nissan Navara.

Fiat allerdings hätte bei einem Pickup-Modell auch auf die Erfahrung der US-Schwestermarke Ram bauen können, die mit ihren Pick-ups immerhin die Nummer drei auf dem US-Markt ist. Doch weil die hiesigen Midsize-Modelle nach US-Maßstäben Spielzeugautos sind, mangelte es in Detroit am passenden Teilespender.

Der Fiat Fullback ist seit Ende Juni im Handel und kostet zunächst 32.725 Euro - allerdings gibt es für diese Summe eine besonders gut ausgestattete "Launch-Edition". Später, wenn auch einfachere Varianten verfügbar sein werden, soll das billigste Modell knapp unter 30.000 Euro kosten - und damit etwa genauso viel wie die Basisversion des Mitsubishi L200.

Wie den Mitsubishi-Zwilling gibt es auch den Fullback in zwei Karosserievarianten, als Extended Cab mit zwei Türen und vier Sitzen, sowie als Double Cab mit vier Türen und drei kommoden Sitzen in der zweiten Reihe. Allerdings schrumpft dann die Länge der Ladefläche von 1,85 auf 1,52 Meter. Die Nutzlast von rund einer Tonne ändert sich dadurch nur unwesentlich.

Unter der Motorhaube herrscht eine Monokultur. Fiat bietet einzig einen 2,4-Liter-Dieselmotor an, der jedoch in zwei Leistungsstufen mit 154 oder 181 PS sowie mit Heck- oder Allradantrieb bestellbar ist.

Der Name "Fullback" kommt übrigens nicht von der "vollen Hucke", sondern aus dem American Football oder dem Rugby. Dort ist der Fullback ein agiler Angreifer, der mit allerlei herausfordernden Situation fertig werden muss.

Das werden wir nicht vergessen: Dieser Fiat will von Lifestyle nichts wissen. Und um das zu unterstreichen, steht beim Fullback - größer als bei anderen Herstellern der Markenname - der Schriftzug "Professional" am Heck. Die Botschaft ist eindeutig: Das ist kein Pick-up für Poser, sondern eine Pritsche für Profis.