Renault Clio im Test: Kleiner Diesling - DER SPIEGEL
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Autogramm Renault Clio: Aufgenobelt

Foto: Renault

Autogramm Renault Clio Kleiner Diesling

Der Renault Clio, meistverkauftes Auto der Marke, hat einen Facelift erhalten. Der Kleinwagen ist in gewisser Hinsicht gewachsen, dazu gehört auch eine etwas überraschende Erweiterung der Motorenpalette.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der erste Eindruck: Der sieht sogar in Grau ganz bunt aus.

Das sagt der Hersteller: Renault-Projektleiter Fabien Orivel bezeichnet den Clio als eine tragende Säule der Marke und kann das mit einer Zahl belegen: Mit mehr als 420.000 Zulassungen war der Kleinwagen im vergangenen Jahr das europaweit meistverkaufte Renault-Modell. Zudem ist der Clio, der 1990 erstmals auf den Markt kam, mit bislang rund 13 Millionen Exemplaren der meistgebaute Renault-Typ überhaupt.

Vor allem eine aktuelle Statistik macht Orivel stolz: Während die Auslieferungszahlen der meisten Autos im Laufe eines Modellzyklus sinken, stiegen die der jüngsten Clio-Baureihe seit der Markteinführung im Jahr 2012 kontinuierlich an. Man könnte auch von einem Spätstarter reden. Orivel jedenfalls will die Nachfrage durch die jetzt vorgestellte überarbeitete Version weiter anfeuern.

Das ist uns aufgefallen: Äußerlich wurde der Wagen nur dezent retuschiert. Innen jedoch hat sich viel getan - unter anderem gibt es bequemere Sitze, feiner genarbte Kunststoffe, mehr Zierrat aus Chrom und einen großzügigeren Umgang mit Kunstleder.

Dazu bietet der Clio ein modernes Online-Infotainmentsystem mit Touchscreen-Bedienung, ein ausgewogenes Fahrwerk ohne übertriebene Härte und dazu ordentlich Raum. Zumindest in der vorderen Reihe sind die Platzverhältnisse eher auf dem Niveau eines Kompaktwagens als eines Kleinwagens.

Der neue Renault Clio im Video:

SPIEGEL ONLINE/Tom Grünweg

Mit dem Facelift ist außerdem die Motorenpalette gewachsen: Neben den bereits bekannten Dieselaggregaten mit 75 und 90 PS gibt es nun einen Selbstzünder mit 1,5 Liter Hubraum und einer Leistung von 110 PS.

Dass ausgerechnet ein Dieselaggregat das Angebot ergänzt, war nicht unbedingt zu erwarten - nachdem der Abgasskandal von Volkswagen eine Diskussion um den Diesel losgetreten hat, und die teils häufigen Überschreitungen von Schadstoffgrenzwerten in Städten wieder mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt sind, hielten manche Experten die Zeit von Selbstzündern in Kleinwagen schon für abgelaufen.

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Scheinbar ist man bei Renault anderer Meinung, aber gleichzeitig wohl in einem Zwiespalt. Denn der neue 110-PS-Dieselmotor gibt es ausschließlich in Kombination mit einem sehr teuren Ausstattungsniveau zu kaufen. Für die Kleinwagenklasse ist ein Preis von fast 20.000 Euro jedenfalls ziemlich abgehoben. Allerdings wirkt die Maschine auch spürbar souveräner und weniger angestrengt als der vergleichsweise schmächtige 1,2-Liter-Benziner mit 120 PS.

Das muss man wissen: Weil die Renault-Verantwortlichen nicht nur um ihre Stärken wissen, sondern auch um den Druck der Konkurrenz, agieren sie bei der Preisgestaltung eher defensiv. Wenn ab September die ersten überarbeiteten Clios zu den Händlern rollen, können dort die alten Preisschilder weiter benutzt werden. Der neue startet genau wie der alte bei 11.990 Euro.

Renault hat die Modellpalette außerdem weiter aufgefächert und bietet neben dem Fünftürer mit je drei Motoren von 73 bis 120 PS auch einen Kombi an. Mit dem um 20 Zentimeter gestreckten Modell mit dem Namenszusatz Grand Tour steigt das Ladevolumen von 300 auf 443 und bei umgeklappten Rücksitzlehnen von 1146 auf 1380 Liter. Der Preis steigt ebenfalls, und zwar um exakt 1000 Euro.

Wem Lust wichtiger ist als Last, für den gibt es auch weiterhin das Sport-Modell Clio RS, das mit 200 oder 220 PS angeboten wird, bis zu 235 km/h erreicht und den Preis auf bis zu 24.490 Euro treibt.

Das werden wir nicht vergessen: Zehn Lackfarben stehen zur Wahl, und darunter sind recht peppige Töne, was erfreulich ist angesichts des schwarz-silbrigen Einerleis auf unseren Straßen. Neben der optischen hat der Wagen aber auch eine akustische Extravaganz auf Lager. Seit der Überarbeitung gibt es für den Clio ein maßgeschneidertes Bose-Soundsystem mit sieben Lautsprechern und einem elektronisch polierten Motorklang. So kann man die Modellpflege sogar hören.