Autogramm Alpina B7: Gediegen abgehen
Autogramm Alpina B7 Blaues Wunder
Der erste Eindruck: ein 7er BMW . Aber warum steht da "Alpina" auf dem Frontspoiler?
Das sagt der Hersteller: Man baue "exklusive Automobile", erläutert Alpina-Juniorchef Andreas Bovensiepen. Im Gespräch vermeidet er um jeden Preis das T-Wort. Tuning passt nicht zum Selbstverständnis der Alpina-Leute, sie sehen sich als "Veredler".
Das ist uns aufgefallen: Die Briten gelten gemeinhin als Weltmeister des Understatement, doch mit dem B7 geht der Pokal in dieser Disziplin vorübergehend nach Bayern. Der Wagen fällt in einer durchschnittlichen deutschen Dienstwagenflotte nicht weiter auf, bietet aber die Fahrleistung eines Supersportwagens.
Wenn man bei einem gewöhnlichen BMW bei 250 Km/h Gas gibt, passiert nichts: Die Autos sind ab Werk bei dieser Geschwindigkeit abgeriegelt. Der Alpina durchfährt die 250er-Marke beiläufig, und wenn man bei 280 km/h fest auf das Gaspedal tritt, entwickelt der Wagen immer noch so einen Druck, dass man fast erschrickt.
Verkneift man sich hektische Spielereien mit dem Gaspedal, hat die Raserei im Alpina B7 im Vergleich zu Fahrten mit Sportwagen wie dem McLaren 650 oder dem Audi R8 hingegen fast den Charakter einer Sonntagsfahrt. Auch - rational betrachtet vollkommen unsinnige - längere Passagen jenseits von 300 km/h wirken in diesem Luxusliner so selbstverständlich, als säße man im ICE.
Der Alpina B7 im Video
So stoisch sich der B7 auf der Autobahn gibt, so flink wirkt er auf der Landstraße. Beide Verhaltensweisen sind der Hinterachslenkung zu verdanken, die Alpina gemeinsam mit dem stark hecklastig ausgelegten Allradantrieb von BMW übernommen hat. Während die Hinterräder bei Autobahntempo in die gleiche Richtung einschlagen wie die Vorderräder und so selbst schnellen Spurwechseln die Nervosität nehmen, arbeiten sie auf der Landstraße in der Gegenrichtung und verkürzen so virtuell die stattlichen 3,21 Meter Radstand.
Das muss man wissen: Bei Alpina werden keine fertigen BMW-Modelle zerlegt und mit eigenen Tuning-Teilen wieder zusammengebaut, insofern ist das Widerstreben gegen die Bezeichnung "Tuner" nachvollziehbar.
Stattdessen wird der B7 - wie alle Alpina-Modelle - von BMW-Mitarbeitern in der jeweiligen BMW-Fabrik gefertigt und danach in Buchloe allenfalls noch veredelt. Das gilt weniger für die technischen Komponenten an Fahrwerk, Antrieb oder Anbauteilen, die ganz normal über die Bauteilversorgung im BMW-Werk in den Bauprozess eingesteuert werden, sondern die Veredelung betrifft vor allem das Interieur. Alpina ist stolz auf seine Sattlerkunst, auf feine Leder und kunstvolle Nähte, die den B7 in die Nähe von Fahrzeugen der Marken Bentley oder Rolls-Royce rücken sollen.
Treibende Kraft unter der Haube ist der 4,4 Liter große V8-Motor aus dem 750i, dem Alpina mithilfe eines neuen Ansaugsystems und leistungsstärkeren Turboladern zu einem deutlichen PS-Plus verhilft und mit einer größeren Kühlanlage bei Laune hält. So steigt die Leistung von 450 auf 608 PS und das maximale Drehmoment klettert auf 800 Nm. Damit beschleunigt der B7 im besten Fall in 3,7 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und fährt mit 330 km/h schneller als jedes Serienmodell aus München.
Angesichts derart extremer Fahrleistungen und der exklusiven Ausstattung ist der Preis von 148.800 Euro fast schon bodenständig. Die Summe liegt einerseits 35.000 Euro über dem entsprechenden Werksmodell, bleibt jedoch andererseits deutlich unter dem Preis eines Mercedes S 63 AMG, den Bovensiepen als schärfsten Konkurrenten nennt. Und das, obwohl der Mercedes-AMG gegenüber den paar Hundert Alpina-Typen im Jahr fast schon ein Massenmodell ist.
Das werden wir nicht vergessen: Alles, was den Alpina B7 ausmacht, findet man verdichtet beim Blick auf den Tacho wieder. Die Skala reicht, ohne die sonst übliche Übertreibung, bis 330 km/h, der filigrane Zeiger leuchtet in der Alpina Hausfarbe grün, und der Hintergrund in tiefem Blau. Auch diese Farbe gehört zu Alpina - und macht deutlich, dass BMW-Fahrer in diesem Auto ihr Blaues Wunder erleben können.