Autogramm Ford Ka+: Hier und da ein Minus
Autogramm Ford Ka+ Schlichter Wicht
Der erste Eindruck: Ein Tarnwagen - wenn man nicht direkt davor steht, nimmt man ihn kaum wahr.
Das sagt der Hersteller: Das Kleinwagensegment ist mittlerweile zu weit aufgefächert, als dass man es mit einem Auto abdecken könnte - und zugleich zu wichtig, als dass man Teile davon ignorieren könne, sagt Darrel Palmer. Er ist bei Ford weltweit für die Kleinwagenklasse verantwortlich, in der allein in Europa pro Jahr insgesamt 4,7 Millionen Fahrzeuge zwischen 8000 und 25.000 Euro verkauft werden.
Ford wird laut Palmer in diesem Segment künftig zweigleisig fahren: Während die im nächsten Jahr kommende neue Baureihe des Fiesta höher positioniert wird, soll der neue Ka+ vor allem preisbewusste Kunden ködern. Palmer versucht es daher gar nicht erst mit den üblichen Lifestyle-Floskeln, sondern sagt: "Der Ka+ bietet einfach viel Auto fürs Geld."
Das ist uns aufgefallen: Kohlegraues Hartplastik wohin man schaut, analoge Instrumente in grobschlächtigem Design, ein Bordcomputer mit der Grafik eines Backweckers und ein Infotainmentsystem, das den winzigen Bildschirm in einer Höhle versteckt - wenn man in den Ka+ einsteigt, fühlt man sich wie in einem Youngtimer-Auto, also um rund 20 Jahre zurückversetzt. Damals waren Touchscreens noch nicht erfunden und man navigierte per Straßenkarte.
Den Ruf der Marke Ford, die sich mit Modellen wie den Retroklassikern Mustang oder GT und der Luxussparte Vignale zuletzt um so etwas wie eine Premium-Aura mühte, wird der Ka+ keinesfalls befördern. Andererseits: Wer auf die Inhalte schaut und nicht auf die Optik, der kann mit dem Auto nicht viel falsch machen.
Das liegt vor allem am Zuschnitt des Kleinwagens. War das vom Fiat 500 abgeleitete Vorgängermodell noch ein peppiger Winzling, ist der von Ford selbstständig entwickelte Nachfolger ein ungleich langweiligeres, jedoch viel geräumigeres Auto geworden. Auf knapp vier Meter Länge gestreckt und sogar etwas höher als der nur um wenige Zentimeter längere Fiesta, bietet er vorn bequem Platz für zwei Erwachsene und im Fond überraschend viel Beinfreiheit - auch für Insassen jenseits des Grundschulalters. Zudem ist der Kofferraum mit 270 Liter Fassungsvermögen alltagstauglich.
Der Ford Ka+ im Video:
Der Ford Ka+ bietet weder die Individualisierungsoptionen eines Opel Adam oder eines Mini, und auch kaum Assistenzsysteme, kein Navigationssystem, kein Sechsganggetriebe und keine Start-Stopp-Automatik. Warum? Weil die Kunden laut Ford-Manager Palmer für derlei kein Geld ausgeben wollen.
Statt raffiniertem Hightech gibt es im Ka+ also vier Becherhalter auf dem Mitteltunnel oder eine Klappe im Armaturenbrett, mit der sich das Smartphone im Sichtfeld festklemmen lässt. Und dann gibt es da noch "My-Key", den automatischen Spielverderber für den Nachwuchs von Ka+Besitzern: "My-Key" ist eine Art Zweitschlüssel mit Sonderprogramm - darauf lassen sich individuelle Einstellungen des Autos festlegen, zum Beispiel eine Geschwindigkeitsdrosselung oder eine Radiosperre, wenn der Fahrer den Gurt nicht angeschnallt hat.
Schon die optionale Sitzheizung gilt bei diesem Auto als Luxusausstattung. Diese wird offenbar von den Käufern häufiger nachgefragt.
So nüchtern das Innenleben des Ka+ wirkt, so lebendig fühlt er sich auf der Straße an. Das Auto wird in Indien für den Weltmarkt gebaut, in Köln allerdings wurden die Versionen für Europa abgestimmt. Das merkt man an der direkt übersetzten Lenkung und am knackigen Getriebe. Der 1,2-Liter-Motor ist nicht unbedingt ein Ausbund an Dynamik, dennoch fährt sich der kleine Ford engagierter als etwa ein Opel Karl, Hyundai i10 oder VW Up.
Das muss man wissen: In Europa feiert Ford den Ka+ als Neuheit und beginnt im Oktober mit der Auslieferung. In Südamerika und in Indien ist der Wagen, der die gleiche Plattform nutzt wie der Fiesta, bereits seit gut einem Jahr auf dem Markt. Dort erreicht er so hohe Stückzahlen, dass sich Ford trotz der kleinen Margen und des knapp kalkulierten Grundpreises von hierzulande 9990 Euro Gewinne erhofft. Das ist in diesem Segment nicht selbstverständlich.
Damit die Logistik überschaubar bleibt, ist die Modellpalette sehr schmal gehalten. Es gibt lediglich zwei Ausstattungsvarianten und zwei Versionen des gleichen Vierzylindermotors. Die Basisvariante leistet 70 PS, für rund 1400 Euro Aufpreis sind 85 PS im Angebot.
Außer dem Fahrwerk wurden noch weitere Details an den Europa-Versionen des Ka+ verändert. Zum Beispiel wurde auf eine bessere Dichtung und Matten in den Türen geachtet, die beim Zuschlagen den Schall schlucken und so ein sattes, zuverlässig anmutendes Geräusch erzeugen sollen. Auch die Plastikkonsolen im Innenraum unterscheiden sich zu Ka-Modellen in anderen Weltregionen: Drei Monate tüftelten die Entwickler angeblich, ehe sie dahinter kamen, dass die Temperatur bei der Herstellung der Kunststoffteile um ein paar Grad gesenkt werden musste, damit das für Europa vorgesehene Plastik nicht mehr so speckig glänzt wie im indischen Modell.
Das werden wir nicht vergessen: Das Funkeln aus den Tiefen der Mittelkonsole. Denn aus der grauen Kunststoffwüste schimmern zwei liebevoll ziselierte Zierringe um die Drehregler für Temperatur und Gebläse. Dazu fühlen sich diese beiden Schmuckstücke auch noch an, als wären sie aus dem Vollen gefräst. Hier hat sich der Billigkleinwagen ein bisschen Eleganz gegönnt.
| Hersteller: | Ford |
|---|---|
| Typ: | Ka+ |
| Karosserie: | Kleinwagen |
| Motor: | Vierzylinder-Benziner |
| Getriebe: | Fünfgang-Schaltgetriebe |
| Antrieb: | Front |
| Hubraum: | 1.196 ccm |
| Leistung PS: | 85 PS |
| Leistung kW: | 63 kW |
| Drehmoment: | 112 Nm |
| Von 0 auf 100: | 13,3 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 169 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 5 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 114 g/km |
| Kofferraum: | 270 Liter |
| Gewicht: | 1.055 kg |
| Maße: | 3929 / 1911 / 1524 |
| Preis: | 11.400 € |