Alfa Romeo Mito Veloce: An Eigenwillen mangelt es nicht
Fahrbericht Alfa Romeo Mito Veloce Klein, aber großspurig
Manchmal muss es ein Tabubruch sein. Zum Beispiel als Porsche 2002 sein erstes SUV-Modell Cayenne vorstellte. Der galt zunächst als Zumutung, stellt in der Verkaufstatistik aber längst die Sportwagen aus Zuffenhausen in den Schatten. Oder der Familienvan, der bei BMW lange als Sakrileg galt: Inzwischen ist die 2er-Baureihe mit dem Active Tourer die meistverkaufte der Marke in Deutschland. Es gibt jedoch auch Fälle wie den Alfa Romeo Mito.
Der erste Kleinwagen der italienischen Marke kam 2008 auf den Markt, und lange sah es danach aus, als ob einfach kein Großer mehr aus ihm wird. Hierzulande war er zuletzt das Alfa-Romeo-Modell mit den geringsten Neuzulassungen. In diesem Jahr erhielt er aber ein Facelift - und damit frische Hoffnung. Könnten die Neuerungen für einen späten Erfolg sorgen?
Wen bisher das Design vom Kauf abgehalten hat, der wird sich auch in Zukunft wohl keinen Mito zulegen. An dem Auto, über das der Designer Chris Bangle mal sagte, es sehe aus wie "ein Eichhörnchen, dem man in die Eier getreten hat", sind nach der Überarbeitung kaum Veränderungen zu entdecken.
Der Kleine zeigt Charakter
Außerdem geht es im Mito enger zu als in Konkurrenzmodellen wie Renault Clio, Opel Corsa oder VW Polo und mit Gags wie einer Onboard-Kamera des neuen Citroën C3 kann er auch nicht punkten. Anderseits bietet der Alfa Mito etwas, das etlichen anderen Typen im übervollen und oft gleichförmigen Kleinwagensegment abgeht: Persönlichkeit.
Vor allem, indem das Auto die Italianità-Trumpfkarte ungeniert ausspielt, diese Mischung aus gerade noch charmantem Machogehabe, kombiniert mit Stilgefühl, Lässigkeit und einigen Retro-Elementen. Logisch, dass die Frontpartie von einem schildförmigen Kühlergrill und flachen, seitlich darunter positionierten Lufteinlässen (scudetto und baffi) geprägt wird, und zudem vom seitlich versetzten Nummernschild, das dem Auto aus dem Gesicht hängt wie Lucky Luke einst die Fluppe von der Unterlippe. Am Heck dann sind es die Rundscheinwerfer à la Ferrari, mit denen ein Balanceakt zwischen Großspurigkeit und Banalität gelingt.
Ein Blick auf das Äußere und Innere des Mitos im Video:
Ob man die drall-geschmeidige Karosserie nun mag oder nicht, der Mito grenzt sich von deutschen, japanischen oder koreanischen Vernunftmodellen ebenso scharf ab wie von französischen Avantgarde-Autos - und von seinem technischen Zwilling, dem stocknüchternen Fiat Grande Punto, erst recht.
Das Mito-Topmodell namens Veloce, mit dem wir unterwegs waren, eifert außerdem wie keine andere Variante danach, dem rotzig-sportlichen Alfa-Image gerecht zu werden: Der 1,4-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner entwickelt 170 PS und klingt beim Gasgeben, als würde Adriano Celentano Motorengeräusche imitieren. Die Erwartungen nach einem brachialen Fahrerlebnis werden teilweise aber enttäuscht.
Reichlich PS, eher weniger Rasanz
Selbstverständlich fährt dieses Auto für einen Kleinwagen verdammt schnell, doch dabei fühlt es sich eher teigig an. Das liegt an der indifferenten Lenkung und am etwas trägen Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe.
Das Fahrwerk hingegen verfügt über elektronisch gesteuerte Stoßdämpfer und eine Brembo-Bremsanlage, deren rot lackierte Sättel keck aus den Radhäusern leuchten. Der Wagen liegt sportlich-straff auf der Straße, und wenn man den DNA-Kippschalter (Dynamic, Normal, All Weather) auf der Mittelkonsole auf "D" stellt, dann wird die Abstimmung noch eine Spur härter. Ein kompromissloser Feger - wie etwa VW Polo GTI, Opel Corsa OPC oder Renault Clio RS, die jedoch allesamt mehr Motorleistung mitbringen - ist der Alfa Mito trotzdem nicht.
Beim Interieur immerhin lässt sich der Mito das nicht anmerken. Innen ist er vor allem schwarz gehalten und trägt viele rote Ziernähte. Armaturentafel und Türen sind mit Karbon-Imitat verblendet und das Cockpit macht mit klassischen Rundinstrumenten in tiefen Höhlen auf Retro-Racer. Das ist eine willkommene Abwechslung zum meist kühl-digitalen Stil vieler neuer Autos.
Die Verarbeitung passt nicht zum Design
Auch wenn man von der Alfa-Romeo-Historie nicht viel weiß und einen der Mythos um die Mailänder Marke nicht kümmert - im Mito kriegt man doch mit, dass man offenkundig im Fahrzeug eines nicht ganz alltäglichen Herstellers sitzt. Das Design und die Details sind einfach sorgfältiger und bewusster gestaltet - leider jedoch nicht ebenso akribisch verarbeitet. Ob man das lässig oder schlampig findet, ist Ansichtssache, jedenfalls prägt auch das den Charakter des kleinsten Alfa-Modells.
Der Alfa Romeo Mito bleibt auch nach dem Facelift ein bisschen exzentrisch, sehr aufs Äußere bedacht und als Veloce mit einem Hauch Rebellentum ausstaffiert. Dass seine Beliebtheit in Zukunft zunimmt, ist aber wohl kaum zu erwarten.
| Hersteller: | Alfa Romeo |
|---|---|
| Typ: | Mito 1.4 TB Veloce |
| Karosserie: | Kleinwagen |
| Motor: | Vierzlinder-Turbobenziner |
| Getriebe: | Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe |
| Antrieb: | Front |
| Hubraum: | 1.368 ccm |
| Leistung PS: | 170 PS |
| Leistung kW: | 125 kW |
| Drehmoment: | 250 Nm |
| Von 0 auf 100: | 7,3 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 219 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 5,4 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 124 g/km |
| Kofferraum: | 270 Liter |
| umgebaut: | 950 Liter |
| Gewicht: | 1.245 kg |
| Maße: | 4063 / 1720 / 1453 |
| Preis: | 24.100 € |