Renault Mégane Grandtour: Kombi-Version des Kompaktautos - DER SPIEGEL
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Autogramm Renault Mégane Grandtour: Der Leistungslaster

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Autogramm Renault Mégane Grandtour GT Platz und Hatz

Sind kompakte Kombis Vernunftautos? Renault beantwortet die Frage beim neuen Mégane Grandtour mit "Ja, aber...". Denn die GT-Variante bietet reichlich PS - und zeigt zugleich, wie überflüssig diese sind.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der erste Eindruck: Ein Strahlemann. Kommt man dem Mégane Grandtour näher, flammen die LED-Lichter automatisch auf und heißen Fahrer und Passagiere willkommen.

Das sagt der Hersteller: Renault hält den Mégane Grandtour für einen unverwechselbaren Blickfang in der dicht besetzten Kompaktklasse. Im Ringen mit Konkurrenzmodellen wie VW Golf Variant, Opel Astra Sportstourer oder Seat Leon ST reicht das allein natürlich nicht. Dass der Wagen einen "ausgeprägten Nutzwert" habe, wie es in einer Broschüre zu dem Auto heißt, sollte sich bei einem Kombi ebenfalls von selbst verstehen. Bleibt also vor allem die gesteigerte PS-Zahl der GT-Version als besonderes Merkmal - als eines der seltenen Sportmodelle unter den Kompakt-Kombis kommt somit eine Dosis Emotion ins Spiel.

Das ist uns aufgefallen: Die offenherzige Begrüßung geht nach dem Einsteigen mit einer aufwendigen Inszenierung im Tacho und auf dem großen, senkrecht stehenden Touchscreen in der Armaturentafel weiter. Erst recht, wenn man es mit dem Grandtour in der GT-Version zu tun hat. Weil die sportlichste Variante im Modellprogramm ein Auto für Fahrspaß und Leidenschaft sein möchte, heizt sie dem Fahrer mit einem simulierten Herzschlag und einer aufpeitschenden Sound-Sequenz gleich richtig ein.

Tom Grünweg

Das visuelle Vorglühen kann nicht schaden. Schließlich steckt unter der Haube ein Turbomotor, der zwar lediglich 1,6 Liter Hubraum hat, aber 205 PS leistet und 280 Nm Drehmoment entwickelt und damit als einer der wenigen kompakten Kombis in GTI-Regionen vorstößt. Der Sound dazu wird elektronisch auf rassig getrickst.

Wechselt man dann auch noch ins Fahrprofil "Sport", taugt das Auto durchaus als Pulsbeschleuniger. Die Doppelkupplung reagiert schnell, die Gasannahme wirkt gierig - man sitzt hier tatsächlich in einem der giftigsten Kombis dieser Klasse.

Das liegt nicht so sehr an den ordentlichen, aber keineswegs atemberaubenden Fahrleistungen: Was den Renault auszeichnet, ist die Art, wie der Fronttriebler seine Kraft sauber und ohne scharrende Vorderräder auf die Straße bringt. Und auch, wie engagiert er gefahren werden kann. Möglich macht das eine in dieser Klasse konkurrenzlosen Allradlenkung, dank derer die Hinterräder elektronisch um ein paar Grad eingeschlagen werden. Beim üblichen Innerortstempo schwenken sie entgegen der Vorderräder, verkürzen so virtuell den Radstand und lassen das Auto spürbar zackiger um die Ecke kommen. Bei höherem Tempo erfolgt der Einschlag analog zu den Vorderrädern, so dass der Mégane Grandtour auch bei schnellen Spurwechseln eine stoische Ruhe ausstrahlt und kleine Lenkkorrekturen auf der Geraden kaum mehr fühlbar sind.

So vergnüglich sich der GT fahren lässt, so vernünftig will er auf der anderen Seite sein. Dazu wurde das Auto nicht nur, um den Gepäckraum zu vergrößern, deutlich in die Länge gezogen, er erhielt auch eine angenehm tiefe Ladekante sowie eine Reihe praktischer Details: Um die Rückbank umzulegen, muss man lediglich mit einem Finger an den Schnapphaken in der Seitenwand des Kofferraums ziehen, die Beifahrersitzlehne lässt sich für Ladungen von bis zu 2,70 Metern Länge zusätzlich abflachen, und damit Koffer und Kisten bei allzu flotter Fahrweise nicht durch den Rückraum poltern, taugt der doppelte Ladeboden auch als Raumteiler, mit dem man das Gepäck fixieren kann.

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Autogramm Renault Mégane Grandtour: Der Leistungslaster

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Das muss man wissen: Die Preise für den bereits lieferbaren Mégane Grandtour beginnen bei 17.790 Euro und liegen damit exakt 1000 Euro über dem Fünftürer. Diesen überragt der Kombi um 27 Zentimeter und bietet entsprechend mehr Stauraum: Statt 384 passen bei aufrechter Rücklehne 521 Liter hinter die große Klappe, und wenn man die hinteren Lehnen umklappt, gehen 1504 statt 1247 Liter hinein.

Neben dem GT für stolze 30.190 Euro bietet Renault noch zwei weitere Benziner mit 100 oder 130 PS sowie drei Dieselmotorisierungen mit 90 bis 130 PS an. Diese Varianten sind nicht nur billiger, sie verbrauchen auch weniger. Das Sportmodell GT ist offiziell mit einem Durchschnittsverbrauch von sechs Liter pro hundert Kilometer angegeben - ein klarer Fall von Euphemismus.

Besonders stolz ist Renault auf die Ausstattung des neuen Mégane Grandtour, den es - wie den Fünftürer - unter anderem mit Head-up-Display, Online-Infotainment und der Fahrprogramm-Auswahl "Multisense" samt Massagesitz und Ambientebeleuchtug gibt. Nur ein Detail wurde der Aufrüstung vergessen: Eine elektrische Heckklappe hat Renault nicht zu bieten.

Das werden wir nicht vergessen: Die kleine Anzeige, die oben rechts im Cockpit die aktuell abgerufene kW-Leistung ausweist. Sie macht nämlich deutlich, dass 205 PS in so einem Auto nicht nur unvernünftig sind, sondern legen auch nahe dass soviel Kraft gar nicht nötig ist. Jedenfalls klettern die weißen Balken der Grafik, die deutlich machen, wie viel kW gerade vom Motor abgefordert werden, selbst bei Vollgas nur selten bis zum Anschlag des Anzeigedisplays.

Hersteller:Renault
Typ:Mégane Grandtour GT
Karosserie:Kombi
Motor:Vierzylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer
Getriebe:Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb:Front
Hubraum:1.610 ccm
Leistung PS:205 PS
Leistung kW:151 kW
Drehmoment:280 Nm
Von 0 auf 100:7,1 Sek.
Höchstgeschw.:230 km/h
Verbrauch (ECE):6 Liter
CO2-Ausstoß:103 g/km
Kofferraum:521 Liter
umgebaut:1.504 Liter
Gewicht:1.505 kg
Maße:4626 / 1814 / 1448
Preis:30.190 €