Renault Mégane im Test: Kompaktwagen mit Charakter - DER SPIEGEL
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Autogramm Renault Mégane: Die Lichtgestalt

Foto: Renault

Autogramm Renault Mégane Licht an, Golf aus

Der Kompaktwagen Mégane von Renault hat einen klaren Auftrag: sich möglichst stark vom Platzhirsch VW Golf abzugrenzen. Dem neuen Modell gelingt das richtig gut - mit Lichteffekten und einer erfreulich langen Garantie.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der erste Eindruck: Das soll ein VW-Golf-Konkurrent sein? Die geduckte Silhouette, die knackigen Proportionen und die muskulös ausgestellten Kotflügeln des neuen Mégane sehen eher danach aus, als konkurriere das Auto mit dem Scirocco.

Das sagt der Hersteller: Die Kompaktklasse ist so etwas wie das Haifischbecken der europäischen Autobranche. In vielen Ländern Europas macht sie ein Viertel des Autoabsatzes aus. Renault mischt da ganz ordentlich mit, in den vergangenen 20 Jahren wurden mehr als sechs Millionen Mégane-Modelle verkauft. "Andererseits rangeln in diesem Segment bis zu 40 Konkurrenztypen um die Gunst der Kunden", sagt Renault-Produktmanager Damien Scopel. "Deshalb wollten wir den neuen Mégane zu einem unverwechselbaren Auto machen, der sich deutlich von seinen Wettbewerbern abhebt."

Also setzen die Franzosen auf ein prägnantes und bieten reichlich Assistenz- und Verwöhntechnik an. Obendrein gibt Renault-Mann Scopel ein Qualitätsversprechen. "Von der Qualität des Mégane sind wir so überzeugt, dass wir - wie schon beim Talisman - die Garantie für das Auto um drei auf fünf Jahre verlängern."

Das ist uns aufgefallen: Einsteigen und wohlfühlen - was viele Luxuslimousinen versprechen, schafft Renault mit dem neuen Mégane bereits in der Kompaktklasse. Das Cockpit ist wunderbar aufgeräumt und trotzdem nicht so langweilig und nüchtern wie bei Golf & Co.. Der Touchscreen in der Mittelkonsole ist schon deshalb eine Wucht, weil er hochkant statt im Querformat montiert ist. Die Sitze sind weich und kuschelig und verfügen, wie die des neuen Opel Astra, auf Wunsch über eine Massagefunktion. Und das Ambientelicht kann zwar nicht über manche Nachlässigkeit bei der Materialauswahl hinwegtäuschen, schafft aber eine heimelige Atmosphäre. Rot erstrahlt das Interieur im Sportmodus, blau im Komfortbetrieb, grün in der "Eco"-Einstellung und lila im individuellen Set-up.

Dazu gibt es dank des üppigeren Radstandes und der gewachsenen Breite ein bisschen mehr Platz auf allen Plätzen, sodass man auch im Fond ganz ordentlich sitzen kann. Nur beim Einsteigen zollt man der flachen, sportlichen Dachlinie Tribut und muss den Kopf ziemlich einziehen.

Die angenehme Atmosphäre (und mit ihr viele Ausstattungsdetails vom Head-up-Display bis zu den LED-Scheinwerfern) kennt man auch von anderen Renault-Modellen. Beim Mégane gibt's die Gemütlichkeit zusätzlich mit einer ordentlichen Portion Fahrspaß. Denn während in den größeren Modellen die eher kleineren Motoren arg gefordert werden und deshalb weitgehend temperamentlos wirken, passen Format und Vortrieb beim Mégane sehr viel besser zusammen. Man muss dazu gar nicht in den adrenalingeladenen Mégane GT mit 205 PS und Allradlenkung - eine Novität im Kompaktsegment - einsteigen.

Schon der 130-PS-Diesel und das normale Fahrwerk machen mächtig Eindruck. Der 1,6-Liter-Motor arbeitet leise und steht mit einem Drehmoment von 320 Nm gut im Futter. Die Schaltung ist knackig, die Lenkung präzise und das Fahrverhalten gewinnt mit dem größeren Radstand und der weiteren Spur an Ruhe und Reife. Zwar fehlt die klinische Präzision eines VW Golf und die Schärfe eines Ford Focus. Doch das belanglose Laissez-faire des Vorgängermodells ist ebenfalls passé.

Das muss man wissen: Die Produktion in Spanien wird gerade hochgefahren, mit der Auslieferung des Mégane will Renault im März beginnen. Der Grundpreis für das neue Auto bleibt mit 16.790 Euro unverändert. Allerdings kann man den Preis auf weit über 30.000 Euro treiben.

Zur Wahl stehen unter anderem drei Diesel von 90 bis 165 PS und vier Benziner, die ein Leistungsspektrum von 100 bis 205 PS abdecken. Alle Motoren sind aufgeladene Vierzylinder, und alle beschränken sich auf Hubräume zwischen 1,2 und 1,6 Liter. Dreizylinderaggregate jedoch werde es vorerst nicht geben, hießt es bei Renault.

Schon jetzt sind sieben Motor- und sechs Ausstattungsvarianten verfügbar und weitere Differenzierungsmöglichkeiten sind angekündigt. So wird es bald auch wieder einen Kombi namens "Grandtour" geben, und ab 2017 soll der Mégane mit Diesel-Hybrid-Antrieb angeboten werden. Das Auto soll einen Normverbrauch von weniger als 3 Liter haben. Zudem wird ein Brachialmodell namens RS mit schätzungsweise 300 PS an den Start rollen.

Das werden wir nicht vergessen: Wenn es jedoch dunkel wird, ändert sich noch mal der Blick auf den Mégane: Vorn sieht man den gleißenden LED-Haken, hinten einen rot glühenden Bumerang und innen eine Lichtwolke aus warmen Farben - so erscheint einem der Mégane dann tatsächlich in ganz neuem Licht.