Daewoo Kalos: Schönling für Smart-Shopper - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Daewoo Kalos Schönling für Smart-Shopper

Das neue Unternehmen existiert noch gar nicht, dafür aber "der ideale Botschafter für eine Marke im Aufbruch". Mit dem Kalos will der koreanische Hersteller Daewoo nach der Übernahme durch den amerikanischen Autoriesen General Motors wieder auf die Räder kommen.
Von Frank Wald
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eine kuriose Situation. Wenn der Kalos Mitte September auf den europäischen Markt kommt, ist noch gar nicht sicher, ob das neue Unternehmen GM Daewoo Auto & Technology Company überhaupt schon existieren wird. Doch der designierte Europa-Chef, Erhard Spranger, ist zuversichtlich, "dass wir im letzten Quartal 2002 starten werden". Also Zeit genug, um schon mal einige "Visionen" zu skizzieren. Demnach soll GM Daewoo ein "innovatives, bewegliches Unternehmen" werden, das "aufregende Produkte" bieten will. Dabei vertraut der gebürtige Österreicher vor allem auf die Unterstützung aus dem amerikanischen Mutterkonzern mit ihren Marken Cadillac, Chevrolet, Opel, Saab und Suzuki. Und auf die altbekannte Strategie: konkurrenzlose Kampfpreise. "Mit sehr attraktiven Preis-Leistungsverhältnissen" will Spranger die Zielgruppe der so genannten Smart-Shopper ansprechen, "die nicht bereit sind, Premiumaufschläge zu entrichten, ohne dafür einen konkreten Gegenwert zu erhalten".

So wird denn auch der von Grund auf neu entwickelte Kalos schon für 9990 Euro zu haben sein. Neben einer üppigen Serienausstattung bietet der Fünftürer dafür auf 3,88 Meter Länge reichlich Platz, gute Ausstattung sowie eine gefällige Optik. Verantwortlich für die Van-artige Form "des Schönen" (griechisch: kalos) war der italienische Star-Blechschneider Giorgetto Giugiaro und sein Turiner Stylingstudio Italdesign, der die Karosse ganz auf europäische Geschmäcker trimmte. Deutlich zu sehen an der zurzeit angesagten hohen Dachlinie (knapp 1,50 Meter), den kurzen Überhängen vorn wie hinten oder auch der ausgeprägten Schulterlinie. Markante Details sind auch die ungewöhnlichen, unter den Scheinwerfern liegenden Blinker, die "italienischen" Einschnitte vor den ausgestellten hinteren Radhäusern oder die zusätzliche kleine Scheibe in der C-Säule, die den hinteren Passagieren neue Aussichten eröffnet.

Auch im Innenraum macht der kleine Koreaner einen ordentlichen Eindruck. Dunkel gehaltene Mittelkonsole, Instrumentenhutze, Lenkrad und Türgriff setzen sich wohltuend von der hellgrauen Plastiklandschaft ab. Runde Lüftungsrosetten auf der Mittelkonsole sowie an den seitlichen Luftausströmern geben einen modernen Anstrich. Das hohe Dach gewährt eine ausgezeichnete Kopffreiheit, ebenso wie der lange Radstand (2,48 Meter) für reichlich Platz und Bewegungsfreiheit in der zweiten Reihe sorgt. Die vorderen Sitze könnten jedoch mehr Auflage und Seitenhalt bieten. Hinter der asymmetrisch teilbaren Rückbank können 175 Liter Gepäck verstaut werden, legt man diese um, werden daraus bis zu 735 Liter Fassungsvermögen.

Hersteller:Daewoo
Typ:Kalos
Karosserie:Kompaktwagen
Motor:Vierzylinder-Benziner
Hubraum:1.399 ccm
Leistung PS:83 PS
Leistung kW:61 kW
Drehmoment:123 Nm
Von 0 auf 100:13,3 Sek.
Höchstgeschw.:170 km/h
Verbrauch (ECE):7,5 Liter
CO2-Ausstoß:178 g/km
Kraftstoff:Normal
Kofferraum:175 Liter
umgebaut:735 Liter
Preis:9.990 €

Der Daewoo Kalos startet zunächst ausschließlich mit einem 1,4 Liter-Benzinmotor. Der Vierzylinder leistet 61 kW/83 PS, die das Fahrzeug über ein serienmäßiges Fünfgang-Schaltgetriebe in 13,3 Sekunden auf 100 km/h und maximal auf 170 km/h beschleunigen. Bei ersten Probefahrten zeigte sich das Triebwerk als ein agiler, wenn auch etwas rauer, Geselle. Insbesondere an Steigungen ist ihm die Anstrengung deutlich anzuhören. Doch im normalen Stadtverkehr hält der Wagen munter mit. Und, als einer der wenigen in seinem Segment, genehmigt er sich dafür auch nur Normal-Sprit. Mit 7,5 Liter im EU-Mix davon allerdings reichlich. Im Frühjahr nächsten Jahres soll noch ein kleinerer 1,2-Liter-Benziner die Motorpalette komplettieren. Einen Diesel wird es vorerst nicht geben.

Für serienmäßige Sicherheit sorgen Front- und Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer, Drei-Punkt-Gurte auf allen fünf Plätzen sowie ein Vier-Kanal-ABS-System mit Scheibenbremsen vorn und elektronischer Bremskraftverteilung. Außerdem sind in der SE-Version, mit der der Kalos in Deutschland startet, ein verstellbares Lenkrad, Servolenkung, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber vorn sowie Kassetten-Radio ab Werk an Bord. Eine Klimaanlage kann für 990 Euro geordert werden.