Autogramm Ford Mondeo: Der Spätzünder
Autogramm Ford Mondeo Hätte, hätte, Fertigungskette
Der erste Eindruck: Ein Auto, das einem nicht den Atem raubt. Typische Mittelklasse eben. Am besonders aufwendigen Styling liegt es jedenfalls nicht, dass der Mondeo zwei Jahre Verspätung hat.
Das sagt der Hersteller: "Schneller ging es leider nicht", sagt Ford-Vetriebsvorstand Wolfgang Kopplin über den arg verspäteten Start des Flaggschiffs. Der Grund: Kurz nach der Weltpremiere des Autos im Januar 2012 auf der Motorshow in Detroit, beschloss Ford das Aus für das europäische Mondeo-Werk in Genk. Die Fertigung wurde nach Valencia verlegt, und sowas funktioniert nicht auf die Schnelle.
Den Vorsprung, den der Mondeo mit Details wie LED-Scheinwerfern, Einparkautomatik, Verkehrszeichenerkennung oder einem digitalen Cockpit vor zwei Jahren gehabt hätte, hat Ford damit verspielt; heute wirkt das alles nicht mehr so überraschend. Ein Detail findet Kopplin trotzdem noch, das der Wagen Konkurrenzmodellen wie VW Passat, Hyundai i40 oder Opel Insignia voraus hat: "Einen Airbag im Gurt der Fondpassagiere gibt es sonst bislang nur in der Luxusklasse."
Das ist uns aufgefallen: Ganz schön aufgeweckt, wie der Nachzügler über die Landstraßen fegt. Mit einer neuen, elektrischen Servolenkung und einer Hinterachse, die das Einlenken unterstützt, macht der Mondeo einen ausgesprochen agilen Eindruck. Den VW Passat lässt er jedenfalls blass aussehen.
Aus der Fahrerperspektive ist der Mondeo dem Besteseller aus Wolfsburg also durchaus ebenbürtig. Und in Sachen Infotainment können die Kölner ebenfalls mit dem sehr ordentlichen SYNC-System fürs Smartphone und zahlreichen Assistenzsystemen punkten.
Doch in der zweiten Reihe fällt der Ford ein wenig zurück: Obwohl als Weltauto geplant und in der XXL-Nation USA entwickelt, fällt der Fond des Mondeo deutlich knapper aus als der des Passat. Wer hinten sitzt, muss zwangsläufig eine aufrechte Haltung einnehmen.
Auch im Kofferraum ist weniger Platz als bei der Konkurrenz. Die Kombi-Variante Turnier bietet 525 Liter Stauvolumen - das sind 125 Liter oder umgerechnet zwei Reisetaschen weniger als der Passat.
Das muss man wissen: Als hätte sich der Start des neuen Mondeo nicht schon lange genug verzögert, dauert es immer noch ein paar Monate bis zur offiziellen Markteinführung am 7. Februar. "So viel Zeit brauchen wir, bis alle Karosserie- und insgesamt 13 Antriebsvarianten zur Verfügung stehen", sagt Vertriebsvorstand Koppelin. Vereinzelt werden jedoch bereits ab November die ersten Ford-Händler neue Mondeo-Modelle im Schauraum haben.
Wenn es dann richtig losgeht, stehen neben einer fünftürigen Fließheck-Version (ab 27.150 Euro) auch die viertürige Limousine sowie das in Deutschland mit Abstand beliebteste Ford-Modell, der Kombi namens Turnier (ab 28.150 Euro) zur Wahl.
Die Limousine nimmt eine Sonderstellung ein, weil sie ausschließlich mit Hybridantrieb verfügbar sein wird (ab 34.950 Euro). Ford rechnet für dieses Modell hierzulande mit einem Verkaufsanteil von zwei Prozent. Ansonsten bietet die Motorenpalette drei Diesel von 115 bis 180 PS sowie drei Benziner von 160 bis 240 PS. Später werden ein Modell mit Dreizylinder-Ottomotor und eins mit Allradantrieb das Angebot ergänzen.
Wir waren bei der ersten Ausfahrt mit dem neuen Basis-Benziner unterwegs, der trotz des kleinen Hubraums von 1,5 Liter großen Eindruck hinterließ. Sehr drehfreudig und ziemlich bissig, schlägt sich der Motor mit einer Leistung von 160 PS und einem maximalen Drehmoment von 240 Nm in der Praxis viel besser, als die Papierform vermuten lässt.
Das werden wir nicht vergessen: Bei den Oberflächen im Innenraum kommt der neue Mondeo nicht an Autos wie VW Passat oder Hyundai i40 heran. Das Cockpit und das Lenkrad sind mit Schaltern überladen und bei Nacht stört das Funkeln der Heizdrähte in der Windschutzscheibe bisweilen die Sicht.
Dafür funktioniert die Sprachsteuerung zuverlässig, und selbst bei flotter Fahrt lässt sich der Wagen nie aus der Ruhe bringen - das kennt man in dieser Form bislang nur von Luxuslimousinen. Also, Verspätung hin oder her: Der Mondeo macht jetzt einen rundum ausgeschlafenen Eindruck.