Autogramm Ford Galaxy: Große Bequemlichkeit
Autogramm Ford Galaxy Treuer Gleiter
Der erste Eindruck: Sieht aus wie ein Mondeo, dessen Frontpartie gestaucht und dessen Dach angehoben wurde.
Das sagt der Hersteller: "Bislang haben wir den Galaxy ein bisschen stiefmütterlich behandelt und vielleicht zu sehr nach dem Modell S-Max geschaut", räumt Robert Berghaus ein, der Projektleiter der Ford-Baureihe. Doch das solle sich jetzt, mit der dritten Generation der Großraumlimousine ändern. Berghaus' Team hat sich großzügig aus dem Technologie-Baukasten des neuen Mondeo bedient und verspricht den Insassen des neuen Modells ein Upgrade wie im Flugzeug.
Das ist uns aufgefallen: Getränke, Telefon, Ladekabel, Sonnenbrille, Reiseführer, Tablet-Computer, ein bisschen Obst und der MP3-Player - wenn man 600 Kilometer Testfahrt vor sich hat, muss man erst einmal eine ganze Menge Sachen verstauen. Doch was sich eben noch auf dem Beifahrersitz türmte, ist nach zwei Minuten aufgeräumt. Der Galaxy hat mehr Ablagen als ein Schreibtisch Schubfächer, und die meisten davon sind ziemlich pfiffig. So sind zum Beispiel die Becherhalter in der Mittelarmlehne so tief, dass man in ihnen auch ganze Flaschen versenken kann. Damit darin aber nicht auch Kleinkram wie ein Schlüssel verschwindet, hat Ford einen Zwischenboden entwickelt, der sich in der Röhre einziehen lässt.
Ist alles arrangiert, fällt der Blick auf die neue Mittelkonsole. Die war früher mit Knöpfen gesprenkelt wie ein Marienkäfer mit Punkten, doch jetzt sieht sie so glatt und aufgeräumt aus, dass die großen, leeren Kunststoffflächen fast schon wieder karg wirken. Denn die meisten Funktionen lassen sich nun per Sprachbefehl steuern, was beispielsweise die Zieleingabe ins Navigationssystem ermöglicht, während man schon losfährt.
Das Navi läuft, dank adaptiver Lenkung rangiert man spielend leicht aus dem Parkplatz und zehn Minuten später geht es auf die Autobahn. Dort fällt nicht nur auf, dass die Lenkung bei identischer Drehbewegung plötzlich viel weniger stark einschlägt als in der Stadt und so die Fuhre beruhigt, sondern man hört auch zum ersten Mal, wie leise der Galaxy geworden ist. Gründe dafür sind neue Motoren und eine bessere Dämmung.
Mittlerweile gibt es reichlich Assistenzsysteme für den Galaxy, und wer sie alle ordert, erlebt zwar noch kein autonomes Fahren, aber viel fehlt nicht mehr. Das Auto hält von allein die Spur, regelt selbstständig das Tempo und den Abstand - es ist eine Art betreutes Fahren. Gut, dass einem das Infotainmentsystem derweil die eingehenden Kurznachrichten vorliest. Sonst würde es so langweilig, dass wahrscheinlich bald der Müdigkeitswarner anschlagen würde. Allerdings lassen sich die elektronischen Helferlein ja auch wieder ausschalten.
Die Hälfte der Reise ist geschafft und bei der nächsten Pause folgen ein paar Zaubertricks. Einer öffnet per Fußschwenk die elektrische Kofferraumklappe, der andere lässt die fünf Einzelsitze im Rückraum mit einem Knopfdruck auf und nieder surren und danach werden alle Plätze durchprobiert. Natürlich ist es dabei vorne bequemer als hinten. Doch weil man die Sitze in der zweiten Reihe um 20 Zentimeter verschieben kann, lässt es sich - bei vorgeschobenen Sitzen in der Mittelreihe - selbst in Reihe drei aushalten.
Jetzt soll der 180-PS-Dieselmotor noch mal zeigen, was er kann. 400 Nm Drehmoment werfen sich gehörig ins Zeug, das sechsstufige Doppelkupplungsgetriebe schaltet unauffällig und präzise und ehe man es sich versieht, rauscht der Galaxy mit Reisetempo über die Autobahn. Da vergeht der Rest der Fahrt wie im Flug. Allerdings kostet das auch ordentlich Sprit, und am Ende der Tour zeigt der Bordcomputer einen Verbrauch von etwa neun Litern. Auf der einen Seite ist das deutlich mehr als der Normwert von 5,4 Litern. Aber auf der anderen Seite ist das ziemlich wenig für so ein großes Auto mit einem so starken Motor.
Das muss man wissen: Der Galaxy läuft gemeinsam mit Mondeo und S-Max im spanischen Valencia vom Band und soll ab September bei den Händlern stehen. Während der S-Max den Sportler unter den Vans gibt, geht es beim Galaxy um maximale Raumausnutzung und größtmöglichen Komfort. Deshalb sitzt man nicht nur höher und weicher, sondern das Auto ist auch höher und länger als der S-Max. Das schafft Platz für die serienmäßige dritte Sitzreihe, hinter der noch immer 300 Liter Kofferraum bleiben. Legt man alle Fondsitze flach, steigt das Ladevolumen auf bis 2339 Liter. Dafür muss man allerdings auch tiefer in die Tasche greifen. Bei einem Grundpreis von 32.810 Euro, kostet der Galaxy knapp 3000 Euro mehr als der vergleichbare S-Max.
Neben dem sehr ordentlichen 180 PS-Dieselmotor gibt es noch drei andere Versionen des 2,0-Liter-Aggregats mit 120, 150 oder 210 PS. Außerdem bietet Ford einen 1,5-Liter-Benziner mit 160 PS und einen 2,0-Liter-Benziner mit 240 PS an.
Das werden wir nicht vergessen: Nach 600 Kilometern Fahrt fast noch so frisch wie am Start - das ist nicht nur ein Verdienst der bequemen Sitze, der guten Dämmung und der vielen Assistenzsysteme, sondern liegt wahrscheinlich auch daran, dass die Ford-Entwickler das Cockpit wirklich gründlich aufgeräumt haben. Die Verstelloption für die adaptiven Dämpfer ist so tief in den Untermenüs des Bordcomputers versteckt, dass man gar nicht erst in Versuchung kommt, das Fahrwerk härter zu stellen.