Mittelklassewagen mit alternativem Antrieb: Ford Mondeo Hybrid
Fahrbericht Ford Mondeo Hybrid Heul doch
Der Ford Mondeo Hybrid ist ein ausgesprochen höfliches Auto. "Danke, dass Sie Hybrid fahren", heißt es auf der Cockpit-Anzeige, sobald man den Wagen geparkt und ausgeschaltet hat. Ein kurzes Flötenspiel würde dazu noch passen. Und manchmal leider noch weiteres Wörtchen: "Danke, dass Sie trotzdem Hybrid fahren."
Dabei greift bei diesem Auto gar nicht mal der klassische Vorwurf, Elektromobilität sei zu teuer. Der Mondeo Hybrid startet bei 34.950 Euro. Dafür bekommt man eine 188-PS-Limousine, an der es kaum etwas auszusetzen gibt - mit zwei Ausnahmen, aber darauf kommen wir noch zu sprechen.
Man steigt in den Wagen ein und findet sich gleich zurecht. Auf dem Armaturenbrett sind alle Knöpfe schön übersichtlich angeordnet, das Infotainmentsystem lässt sich über den Touchscreen intuitiv bedienen, und das Smartphone kann per Bluetooth problemlos mit dem Auto verbunden werden. In der Mittelkonsole sind zwei praktische Becherhalter und unter dem Infotainmentsystem ein Stauraum für das Handy oder ein Baguettebrötchen untergebracht.
Innen wie außen ist dieser Wagen mittelklasseklassisch, oder anders gesagt: gepflegt langweilig. Zugunsten der Funktionalität hat Ford auf jede Eleganz verzichtet.
Man kennt dieses Prinzip von einem Hersteller einer anderen Branche: Jack Wolfskin hat es so geschafft, gefühlt drei Viertel der deutschen Gesamtbevölkerung in Regenjacken zu stecken. Wieso sollte das also nicht auch mit einem Auto klappen? Wie gesagt, das Preis-Leistungs-Verhältnis ist eigentlich okay. Aber da wären wir bei den bereits erwähnten Ausnahmen.
Eine Stufe zu unpraktisch
Stellen Sie sich vor, der Reißverschluss ihrer Regenjacke würde jedes Mal ein laut aufheulendes Geräusch von sich geben, wenn Sie ihn zuziehen. Wäre doch unangenehm, oder? Genau so klingt aber der Mondeo Hybrid, wenn man aufs Gaspedal drückt, um ihn zum Beispiel auf der Landstraße oder der Autobahn zu beschleunigen.
Das liegt keinesfalls an einer ingenieurstechnischen Schlampigkeit von Ford, sondern einfach an dem speziellen Typ des Aggregats: Der Zwei-Liter-Benziner arbeitet im sogenannten Atkinson-Zyklus. Bei dieser Technologie wird die Verbrennungsenergie im Vergleich zum Ottomotor effizienter genutzt, der Spritverbrauch ist damit niedriger. Der Nachteil des Atkinson-Zyklus: das vergleichsweise geringe Drehmoment. Bei der Beschleunigung ist deshalb eine hohe Drehzahl nötig. Solche Motoren werden daher nur eingesetzt, wenn eine E-Maschine für zusätzliches Drehmoment sorgt.
Beim Mondeo Hybrid bedeutet das: Der Wagen beschleunigt so, wie man das bei einer Systemleistung von 188 PS erwartet. Gleichzeitig heult er dabei laut auf, und das Motorengeräusch bleibt noch eine Weile ungewohnt aufdringlich, selbst wenn man das Gaspedal nicht mehr voll durchgedrückt hält.
So, und jetzt stellen Sie sich bitte noch vor, dass ihre Regenjacke, die ja eigentlich super funktional aussieht, überraschend unpraktische Jackentaschen hat - wenn man die ganze Hand reinstecken möchte, muss man sie zur Faust ballen, sonst passt sie nicht. So ähnlich ist das Problem im Kofferraum des Mondeo Hybrid: Der Stauraum ist nicht gerade klein, aber ungefähr in der Mitte ist eine geschwungene Stufe, nach hinten verengt sich der Platz somit. Das stört vor allem beim Verstauen von sperrigem Gepäck. Die Stufenkonstruktion ist dem Hybridantrieb geschuldet; darunter steckt die 42 Kilo schwere Batterie.
Der wird unterschätzt
Wir halten fest: Der Ford Mondeo Hybrid macht beim Beschleunigen gewöhnungsbedürftige Geräusche, der Kofferraum ist zerklüftet und in Sachen Design droht bei diesem Auto die Gefahr, dass einem das Gesicht einschläft; sogar die Marketingabteilung von Ford rechnet bei der teilelektrifizierten Variante mit einem mageren Anteil von fünf Prozent an allen verkauften Mondeo-Modellen. Aber damit tut man dem Wagen Unrecht.
Denn das wichtigste Versprechen eines Hybridautos hält er ein: Sparsamkeit. Im Test benötigte das Auto im Stadtverkehr sechs Liter pro hundert Kilometer und knapp sieben Liter auf der Autobahn - und das bei strammer Fahrt mit 140 km/h. Dieser Wert liegt zwar weit über den offiziellen Angaben, aber die sind ja ohnehin immer nur Makulatur. Für eine Limousine und die Maße und Motorisierung kann er sich sehen lassen. Der Preis ist wie eingangs erwähnt ebenfalls erschwinglich, er hat die Größenordnung der vergleichbaren Dieselvariante des Mondeo.
Der Ford Mondeo Hybrid hätte also weit mehr Erfolg verdient, als ihm das eigene Marketing zutraut. Mehr noch: Er hätte grundsätzlich das Zeug, den Toyota Prius anzugreifen - als Alternative zum Platzhirsch, mit mehr PS und ein paar zusätzlichen Sicherheitsangeboten wie dem Gurt-Airbag für Fondpassagiere. Dass aber daraus ganz bestimmt nichts wird, liegt an einem entscheidenden Mangel: Im Gegensatz zum Prius vermittelt der Mondeo Hybrid in keinster Weise das Gefühl, in einem innovativen Auto zu sitzen.
Ein bisschen zu brav
Das unauffällige Design ist ein Grund dafür - allerdings lässt sich hier schwer ein Vorwurf machen, denn würde Ford seine Hybridtechnik schicker ummanteln, hätte das enorme Entwicklungskosten zur Folge. Aber im Mondeo gibt es nicht mal einen Modus, mit dem sich der Verbrennungsmotor unterdrücken lässt und man voll und ganz den E-Antrieb genießen kann - und sei es nur für einige Kilometer. Nur beim sanften Anfahren rollt man leise los. Ansonsten hat man aber kaum Einfluss darauf, wann der Wagen elektrisch fährt.
Letztlich ist auch das nur konsequent batterieschonend und somit im Sinne eines sparsamen Verbrauchs. Im Grunde bleibt sich der Wagen treu - und funktional statt funky. Dafür bedarf es eben einer höflichen Erinnerung nach jeder Fahrt: "Danke, dass Sie Hybrid fahren." Trotzdem.