Autogramm Mini Clubman: Klappt rundum
Autogramm Mini Clubman Der Überzieher
Der erste Eindruck: Ja, ist denn heut' scho' Nikolaus? Mit den neuerdings sechs Türen wirkt der neue Clubman wie ein Adventskalender. Erst recht, wenn alle Türen offen stehen.
Das sagt der Hersteller: Auf zu neuer Größe - nicht nur das Auto wächst, sondern dank der um knapp 30 Zentimeter längeren Karosserie soll auch der Kundenstamm wachsen. Mini-Markenvorstand Peter Schwarzenbauer sagt: "Damit steigen wir in die Kompaktklasse ein und werden dort mehr Menschen zu Fans der Marke machen." Und während die Autos wachsen, schrumpft die Modellpalette: Statt zuletzt sieben soll es künftig nur noch fünf Baureihen geben. Eine davon ist noch nicht bekannt, sie wird intern derzeit noch als "Joker" geführt.
Das ist uns aufgefallen: So flach und lang wie der Clubman dasteht, wirken die neuen Proportionen wenig harmonisch und man muss sich erst einmal an das Auto gewöhnen. Hinter dem Lenkrad jedoch fühlt sich der Clubman an wie jeder andere Mini der neuen Generation. Kein Wunder, denn bis auf Details wie die elektrische Parkbremse und die elektrisch verstellbaren Sitze - die gab es vorher tatsächlich noch nicht - ist der Clubman identisch mit allen anderen Mini-Typen.
Dass der Clubman dennoch anders ist, kriegen vor allem die Hinterbänkler zu spüren. Sie können jetzt auf beiden Seiten durch eine richtige Türe einsteigen und müssen sich nicht auf der Beifahrerseite durch die mickrige Clubdoor zwängen. Zudem gibt es im Fond nun spürbar mehr Platz für Kopf und Knie.
Gleiches gilt für das Gepäck. Der Kofferraum nimmt je nach Stellung der Rücksitzlehnen zwischen 360 und 1250 Liter auf. Beladen wird das Gepäckabteil durch zwei jeweils seitlich angeschlagene Splitdoors, die auf Wunsch auch automatisch öffnen.
Der Clubman ist für einen Mini ungewöhnlich geräumig und praktisch. Aber man muss ich schon fragen, ob der Wagen noch ein typischer Mini ist. Wenn man diese Autos durch verspielte Details definiert, wie zum Beispiel den Lichtring um das pfannkuchengroße Infocenter in der Mittelkonsole, die bunte LED-Interieurbeleuchtung oder die originellen Grafiken im Cockpit, dann ist der Clubman ein Mini durch und durch. Doch wer Mini damit verbindet, mit quietschenden Reifen um die Ecken zu fegen, der wird sich mit dem Neuen schwertun. Denn vom viel beschworenen Gokart-Feeling ist in diesem Maxi-Mini nicht mehr viel übrig.
Das liegt übrigens nicht an mangelnder Leistung oder einer unpräzisen Lenkung. In unserem Testwagen, einem Cooper S, steckte ein Zweiliter-Aggregat mit 192 PS. Wenn man den Ringschalter am Wählhebel auf Sport dreht, grollt und gurgelt der Vierzylinder unflätig. Doch ein 4,25-Meter-Auto mit knapp 1,5 Tonnen Gewicht ist einfach kein handlicher Kleinwagen. Vielmehr bietet der Clubman ein überraschend kommodes Fahrgefühl.
Vielleicht ist die beim Stammpublikum vorhersehbare Irritation durch das Auto auch der wahre Grund für ein weiteres neues Ausstattungsdetail. Denn der Clubman verfügt über eine Linse an der Unterseite des Außenspiegelgehäuses, die vor dem Einsteigen das Markenlogo auf den Asphalt wirft - damit sollten alle Zweifel ausgeräumt sein.
Das muss man wissen: Wenn der Clubman Ende Oktober in den Handel kommt, müssen sich die Kunden nicht nur mit einem größeren Auto anfreunden, sondern auch mit rund zehn Prozent höheren Preisen. Das billigste Clubman-Modell zum Marktstart kostet 23.900 Euro, die günstigere Variante mit der Basismotorisierung kommt etwas später.
Ist das Motorenangebot vollständig, wird es je drei Diesel- und Benzinmotoren in einem Leistungsspektrum von 102 bis 192 PS geben; darunter auch drei Dreizylinder-Aggregate. Bei den Getrieben hat der Kunde die Wahl zwischen einer Sechsgang-Handschaltung sowie einer Automatik mit sechs oder acht Gängen. Ein Allradantrieb soll später auch noch ins Angebot kommen, ebenso wie das Sportmodell John Cooper Works.
Das werden wir nicht vergessen: Der Kofferraum ist fast so groß wie der des neuen Opel Astra, es gibt einen pfiffigen Ladeboden, Taschenhaken und automatisch öffnende Kofferraumtüre - endlich ist aus dem Clubman ein praktisches Auto geworden.
Mit Blick auf die Yuppies, die früher den Mini-Dreitürer fuhren und nun Familien gegründet und umfangreichere Transportbedürfnisse haben, ist das sicher eine clevere Entscheidung. Und Showeffekte bietet der Clubman immer noch, beispielsweise bei den Heckleuchten. Die haben nämlich eine ähnlich hypnotische Wirkung wie die Augen der Schlange Kaa aus dem Trickfilm-Klassiker "Dschungelbuch".
Der Clubman von hinten: Heckleuchten mit Hypnose-Effekt
Foto: Mini