Autogramm Mini John Cooper Works: Der Knallfrosch
Autogramm Mini John Cooper Works Mein Name ist Raser, ich bin ganz fix
Der erste Eindruck: Ein Auto wie aus einem Comic. Aufgrund der markanten Anbauteile und einer bulligen Frontpartie wirkt der kleine Kraftmeier wie Popeye nach einer Extraportion Spinat.
Das sagt der Hersteller: Wenn die britische BMW-Tochter Mini über ihr Produkt spricht, dann geht es grundsätzlich nur um zwei Themen. Die Historie des Autos und den Premium-Anspruch, den es heutzutage erfüllen will. Da passt die Variante John Cooper Works prima ins Konzept. Schließlich gibt es das Sportmodell seit mittlerweile 55 Jahren.
Die jüngste Auflage bietet in der Sprache der Marketing-Leute eine Kombination aus "authentischem Race Feeling mit der Premium-Charakteristik und der erweiterten Produktsubstanz". Man könnte auch kürzer und klarer von einem ebenso übermotorisierten wie überteuerten Kleinwagen sprechen.
Das ist uns aufgefallen: Fahrerisch ist dieser Mini ein Garant für gute Laune. Wer dem Original nicht länger hinterhertrauert und sich auf das neue Spielzeug einlässt, kann damit großen Spaß haben. Schon das dunkle Grollen nach dem Griff zum verspielten Kippschalter des Anlassers klingt verheißungsvoll, und wenn man unterhalb des Schaltknaufs am Drehregler in den "Race"-Modus wechselt, wird die Klangfarbe noch düsterer. Aufhellen lässt sich das Getöse durch quietschende Reifen beim Ampelstart.
So geht es los, und so bleibt es, bis man den Motor wieder ausmacht. Und auch wenn die Geschichte mit dem Gokart-Gefühl vom Marketing völlig übertrieben wird, ist und bleibt der Mini ein Kurvenräuber erster Güte. Der kurze Radstand, das stramme Fahrwerk, der tiefe Schwerpunkt, das elektronische Sperrdifferenzial und die extrem direkte Lenkung - durch diese Kombination ergeben plötzlich auch die tief ausgeschnittenen Sportsitze einen Sinn. Fast egal, wie toll man es mit dem Auto auch treibt, es bleibt stur auf Kurs oder wird - spät aber zuverlässig - von der Elektronik wieder eingefangen.
Doch so, wie der Mini längst nicht mehr mini ist, handelt es sich beim John Cooper Works auch nicht mehr um ein kompromissloses Sportmodell. Der Wagen ist so ausgestattet und abgestimmt, dass er auch für Großstadt-Yuppies taugt, die lieber angeben, als Gas geben. Das Fahrwerk bietet ausreichend Restkomfort, und der Sportauspuff ist leiser als erwartet.
Das muss man wissen: Der neue John Cooper Works rollt in diesen Wochen zu den Händlern und steht mit 29.900 Euro ganz oben in der Mini-Preisliste. Dafür gibt's den Dreitürer mit einem Motor, der allem Downsizing trotzt. Das Turboaggregat hat 2,0 Liter Hubraum und leistet 231 PS. Das sind nicht nur zehn Prozent mehr als beim Vorgänger, sondern das ist auch die höchste Leistung, die Mini je bei einem Serienmodell angeboten hat.
Auch das Drehmoment ist um 20 Prozent gestiegen und gipfelt nun bei 320 Nm. Das reicht, um ordentlich Gummi von 17-Zoll-Reifen zu hobeln und den Kleinwagen wie eine Flipperkugel durch eine Serpentinenstraße zu treiben. Und mit einer Spitzengeschwindigkeit von 246 km/h wird der Mini auf der Autobahn zum Schrecken vieler Mittelklasse-Fahrer.
Sportlichkeit hin oder her, das Automatikgetriebe (Aufpreis 1850 Euro) ist beim Mini JCW die bessere Wahl. Und zwar vor allem deshalb, weil es den Spritverbrauch deutlich reduziert. Zumindest auf dem Prüfstand bewegt sich der Wagen mit Automatik um glatt einen halben Liter sparsamer als das Modell mit Handschaltung.
Das werden wir nicht vergessen: Der neue John Cooper Works macht selbst dann Spaß, wenn der Motor aus ist oder man im Stau steht. Ob Zielflaggen-Karo auf dem großen Rundinstrument in der Mitte, der glutrote Startknopf, die Sportgrafiken im Head-up-Display oder die farbigen Lichtspiele wie früher bei der Wurlitzer-Musikbox - wohin man schaut, entdeckt man eine nette Spielerei.