Mitsubishi L200 im Test: Ein Pick-up alter Schule - DER SPIEGEL
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Autogramm Mitsubishi L200 Diamanten im Dreck

Wer ein Auto mit herrlich veralteter Technik sucht, könnte bei Mitsubishis Pick-up L200 fündig werden. Der bleibt in der neuen Generation rustikal und wird nur ein kleines bisschen schlauer.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der erste Eindruck: Hemdsärmelig, kräftig und ein wenig grobschlächtig - der Mitsubishi L200 ist ein Kumpeltyp, der sogleich Vertrauen einflößt. Ein bisschen wie ein Bergführer.

Das sagt der Hersteller: In Deutschland verkauft Mitsubishi den L200 bisher nur in homöopathischen Dosen, doch weltweit ist der Pick-up eine große Nummer - und das seit 40 Jahren. Mit knapp fünf Millionen Exemplaren in 150 Ländern und mit einem Verkaufsanteil von zuletzt 15 Prozent an der gesamte Mitsubishi-Flotte ist er nicht nur das zweitwichtigste Modell der Marke, sondern für Firmenchef Osamo Masuko auch ihr Rückgrat. Der Wagen rettete der Firma mit den Diamanten im Logo wiederholt das Überleben - dank verlässlicher Absatzzahlen. "Ganz gleich, wo es in der Welt gerade kriselte, auf den L200 konnten wir uns immer verlassen", sagt Masuko.

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Autogramm Mitsubishi L200: Haudegen seit 40 Jahren

Foto: Mitsubishi

Auch das neue Modell soll eine rustikale Attitüde bekommen, erklärt Masuko. Es bleibt daher bei Starrachsen statt Einzelradaufhängung, Blatt- statt Luftfederung und Trommel- statt Scheibenbremsen. Dennoch solle der L200 ein wenig mit der Zeit gehen. Und so gibt es auch ein paar moderne Assistenzsysteme.

Das ist uns aufgefallen: Der L200 funkelt innen wie ein Christbaum, weil das Armaturenbrett mit Chrom bestückt wurde und Hartplastik und Kunstleder um die Wette glänzen. Zudem gibt es für den Pick-up von den Panorama-Kameras bis zum schlüssellosen Zugangssystem ein paar Extras, die im Pkw längst Standard sind. Doch den ruppigen Charakter kann und will der L200 nicht verbergen.

Das zeigt sich schon an den analogen Instrumenten und dem Navi mit winzigem Touchscreen, das wie ein Fremdkörper in der Mittelkonsole prangt. Passenderweise feiern die Ingenieure die zwei USB-Buchsen als Infotainment-Errungenschaft. Wenn man den Motor anlässt, schwappt der Kaffee aus den Bechern in den Halterungen. Der 2,4 Liter große Vierzylinder schüttelt sich selbst im schwülwarmen Thailand, wo der Wagen für den Weltmarkt gebaut wird. Der Motor nagelt wie verrückt und ist in weitem Umkreis zu hören.

Ausgestattet mit einem sechsstufigen Automatikgetriebe und zuschaltbarem Allradantrieb, setzt sich der Koloss träge, aber unbeirrbar in Bewegung. Mit stoischer Ruhe walzt er über oder durch jedes Hindernis: Bordsteinkanten, Bodenwellen, Felsbrocken, oder Flussdurchfahrten - der L200 bahnt sich seinen Weg.

In einer verwinkelten deutschen Altstadt dürfte sich der 5,30 Meter lange Wagen mit dem enormen Wendekreis schwertun, und auf einer kurvigen Landstraße hält sich besser zurück, wer die Blattfedern, das schichte Fahrwerk und die Lenkung nicht überfordern will.

Richtig komfortabel ist das nicht. Wer aber einen weichgespülten Geländewagen für den Alltag sucht, greift besser zu einem SUV. Der L200 versteht sich als Abenteurer und Arbeiter, als ehrliche Haut und nicht als Geländewagen-Darsteller. Er will ein guter Kumpel sein, eine Art Crocodile Dundee beim Besuch in der Stadt.

Das muss man wissen: Der Pick-up hat bei Mitsubishi eine 40 Jahre währende Tradition. Er wird vom ersten Tag an in Thailand gebaut. Mit bisher rund fünf Millionen Einheiten hat er die Fabrik in der Nähe der Touristenmetropole Pattaya zum größten Mitsubishi-Werk außerhalb Japans und zum größten Fahrzeugexporteur des Landes gemacht. Der L200 wird von dort - meist unter dem Namen Triton - in 150 Länder verschifft.

In Deutschland kommt das neue Modell vermutlich erst im August 2019 an. Deshalb kann Mitsubishi-Marketingmann Christian Andersen bislang auch nur wenig zu den angebotenen Varianten sagen. Ja, es werde für das Auto einen 2,4-Liter-Dieselmotor geben. Ob er aber auch bei uns 181 PS Leistung und 430 Nm Drehmoment haben wird, vermag er noch nicht zu sagen. Auch deshalb lassen sich Beschleunigungsvermögen und Spitzentempo lediglich schätzen. Ebenso der Preis, wobei der vermutlich etwas höher liegen wird als beim bisherigen Modell, das ab 22.990 Euro verkauft wird.

Trotz aller Bodenhaftung erhält das Auto mit dem Generationswechsel eine erweiterte Ausstattung. So gibt es künftig LED-Scheinwerfer, einen Notbremsassistenten und auch eine Bergabfahrhilfe. Dabei sind vier Fahrprogramme für Schotter, Schlamm und Schnee, Sand oder Felsen. Was davon Serie sein wird und was Option, weiß Andersen noch nicht. Gebaut wird der L200 als Einzelkabinenversion (Single Cab) mit zwei Plätzen und zwei Türen, etwas geräumiger als Crew Cab mit zwei gegenläufig angeschlagenen Behelfstüren und schmaler Rückbank sowie als Club Cab mit vier Türen und fünf vollwertigen Sitzplätzen. Wahrscheinlich bietet Mitsubishi wie bisher die beiden letzteren Versionen in Deutschland an.

Das werden wir nicht vergessen: Das Diagramm eines Bäumchens auf dem Display zwischen Drehzahlmesser und Tacho, mit dem Mitsubishi zu einer spritsparenden Fahrweise animieren möchte. Man mag dem Hersteller das Bemühen um ein wenig Modernität für den robusten Wagen zwar nicht verdenken - aber das ist bei einem Nutzfahrzeug dieses Kalibers vielleicht doch des Guten zu viel.

Hersteller:Mitsubishi
Typ:L200 (2018)
Karosserie:Pick-up
Motor:Vierzylinder-Diesel
Getriebe:Sechsgang-Automatik
Antrieb:Allrad
Hubraum:2.442 ccm
Leistung PS:181 PS
Leistung kW:133 kW
Drehmoment:430 Nm
Von 0 auf 100:12 Sek.
Höchstgeschw.:180 km/h
Maße:5300 / 1815 / 1780
Preis:24.000 €