Range Rover Langversion: Maximaler Luxus trifft Geländegängigkeit - DER SPIEGEL
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Autogramm Range Rover Langversion: Er zieht sich

Foto: Gudrun Muschalla

Autogramm Range Rover Langversion Nur Liegen ist schöner

Einen geländegängigen Chauffeurswagen braucht eigentlich keiner. Land Rover bringt das Luxusmodell Range Rover jetzt trotzdem - in einer Langversion mit Liegesesseln und Champagner-Kühlfach. Die 20 Extra-Zentimeter des Nobel-Allradlers kosten allerdings einen stattlichen Aufpreis.
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Der erste Eindruck: Ist er's oder ist er's nicht? Von außen kann man die neue Langversion des aktuellen Range Rover nur im direkten Vergleich erkennen. Die Designer haben die 20 Zentimeter mehr Länge so geschickt kaschiert, dass man nach der Plakette mit dem Buchstaben "L" an den den Kiemen in der Tür suchen muss, um die beiden Varianten auseinanderhalten zu können. Einfacher geht es natürlich mit einem Blick in den Fond, dann weiß man, woran man ist. Nicht dass es im Standard-Range Rover beengt zuginge, doch die Langversion wirkt von innen fast wie ein Ballsaal auf Rädern.

Das sagt der Hersteller: Der Titel bester Geländewagen der Welt reicht den Briten schon lange nicht mehr. Und so wurde der Range Rover auch als Luxuslimousine entwickelt, mit Blick auf Nobelkarossen wie Bentley Flying Spur oder Mercedes S-Klasse. Und so ist es nur folgerichtig, dass nun auch eine Langversion angeboten wird. Als Longwheelbase (LWB) sei der Wagen zugleich auch die erste Chauffeurslimousine für alle Wege, sagt Marketingchef Phil Popham. Beflügelt wurde die Idee von den Verkaufszahlen: Vom neuen Range Rover wurden in diesem Jahr weltweit schon mehr als 37.000 Exemplare verkauft. "Das macht 2013 zum besten Jahr in der Geschichte des Range Rovers", sagt Popham. Das gilt übrigens auch für Deutschland, wo die Zulassungen bei rund 1700 Autos liegen.

Die Idee mit der Langversion passt in eine Zeit, in der Geländewagen en vogue sind und sogar Marken wie Bentley, Aston Martin oder Lamborghini an wuchtigen Allradlern arbeiten. Für Land Rover ist das jedoch nicht völlig neu; bereits von 1992 bis 1994 gab es einen Range Rover mit längerem Radstand, was damals allerdings dem arg kurzen Standardchassis geschuldet war. Der neue LWB ist dagegen das erste Auto, das vor allem mit Blick auf die Kunden in Asien, Mittelost und in den USA in die Länge gezogen wurde. In Deutschland erwartet Land Rover einen Verkaufsanteil der Langversion von etwa fünf Prozent.

Das ist uns aufgefallen: Wer im Fond der Langversion Platz nimmt, will von der Business-Class im Flugzeug nichts mehr wissen. 18 Zentimeter mehr Beinfreiheit als sonst im Range Rover reichen selbst dem längsten Lulatsch für maximale Bequemlichkeit. Die beiden Einzelsitze lassen sich in 18 Richtungen verstellen, und das viel weiter als im Serienmodell; zudem sind die Sitze klimatisiert, haben eine Massage-Funktion, und es gibt eine elektrische Fußstütze.

Aus der Mittelkonsole klappt bei Bedarf ein solider Schreibtisch aus, im Kühlfach steht der Champagner bereit und an der Rückseite der vorderen Kopfstützen sind die Monitore des Infotainment-Systems angebracht. Zudem lässt sich der Beifahrersitz per Knopfdruck fast bis ans Handschuhfach nach vorn schieben, so dass man sich dahinter fühlt wie im Privatjet. Fehlt eigentlich nur noch eine Stewardess.

Wie sich so ein Dickschiff fährt, ist eher nebensächlich, das ist eher die Sache des Personals. Doch soviel merkt man sogar vom Fauteuil im Fond: Die rund zwei Zentner Mehrgewicht steckt der nur noch zart aus der Ferne vernehmbare V8-Kompressormotor mit 510 PS Leistung und 625 Nm Drehmoment weg wie nichts. Völlig ungerührt wuchtet er den trotz Aluminiumkarosserie noch immer 2,4 Tonnen schweren Range Rover in 5,4 Sekunden auf Tempo 100 und schafft mit den richtigen Reifen sogar die 250er-Marke. Dabei fühlt man sich der Welt dank einer butterweichen Luftfederung sanft enthoben und bekommt deshalb auch kaum mit, wie schwer der Chauffeur schuften muss. Nicht auf der Autobahn oder auf breiten Boulevards, wo sich der Wagen fast so fährt wie ein normaler Range Rover; wohl aber können eine Tiefgarage oder eine Hotelvorfahrt zur schweißtreibenden Prüfung werden.

Das muss man wissen: Neben dem V8-Kompressormotor gibt es für den langen Range Rover auch noch einen Achtzylinder-Diesel mit 340 PS sowie den neuen Diesel-Hybridantrieb, der 339 PS leistet und als sparsamstes Modell 6,4 Liter verbraucht. Ausschließlich in der Top-Version "Autobiography" angeboten, steht der Range Rover LWB ab Ende März kommenden Jahres zu Preisen ab etwa 130.000 Euro beim Händler. Das sind rund 10.000 Euro mehr als beim normalen Modell - oder umgerechnet etwa 500 Euro pro Zentimeter.

Dass es noch teurer geht, zeigt da Sondermodell "Autobiography Black", das im nächsten Herbst ab 170.000 Euro aufwärts nachgereicht wird. Dann sind die Lederüberzüge noch etwas feiner, die Ausstattung ist noch üppiger, das Kühlfach ist noch größer und vor allem sind die hinteren Liegesessel dann schon serienmäßig an Bord.

Das werden wir nicht vergessen: Im langen Range Rover fühlt man sich, auch wegen der Sitzhöhe, mehr als in jeder anderen Limousine wie in einer königlichen Kutsche. Jedenfalls ein wenig der Welt enthoben. Selbst in Abendgarderobe kann man in das Prunkschiff galant entsteigen - wenn einem jemand die Tür aufhält. Falls es am Personal mangelt, wäre die automatische Fondtürbetätigung übrigens auch ein passendes Extra für den Luxus-Koloss.