Renault Koleos: Zweite Generation des Kompakt-SUVs - DER SPIEGEL
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Autogramm Renault Koleos: Franzose aus Fernost

Foto: Renault

Neuer Kompakt-SUV Renault Koleos French Dressing

Wussten Sie schon, dass Samsung auch Autos baut? Doch, doch - zum Beispiel den SUV QM6. Seit Kurzem fährt der Wagen auch in Europa vor: als Renault Koleos.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der erste Eindruck: Stolz und stattlich.

Das sagt der Hersteller: Für Renaults obersten Produktplaner Ali Kassaï schließt der Koleos die letzte Lücke im Renault-Angebot an so genannten Cross-Over-Modellen, vulgo SUVs. Er fährt dabei exakt zwischen die Modelle Captur und Kadjar auf der einen und den Espace auf der anderen Seite. Obwohl er deutlich nobler aussieht als das Vorgängermodell, fällt ihm die Rolle als robustester Wagen des Quartetts zu.

Den Eindruck des Geländewagens wollte auch Laurens van den Acker unterstreichen. "In einem Volumensegment muss man mit der Masse schwimmen", sagt der Niederländer. Es klingt ein wenig nach Rechtfertigung, immerhin hat Renaults Designchef in den letzten Jahren etliche interessante Kreationen hervorgebracht, die deutlich aus dem Auto-Mainstream hervorstechen. Beim Koleos hingegen war Hausmannskost gefragt: "Wir haben den SUV-Charakter besonders stark herausgearbeitet und ihn mit den weit ausgestellten Radläufen und der großen Bodenfreiheit noch betont."

Das ist uns aufgefallen: Aufsteigen statt einsteigen - das kann man im neuen Koleos wörtlich nehmen, weil man in dem Wagen um etwa 15 Zentimeter höher sitzt als zum Beispiel in der großen Limousine Talisman. Entsprechend besser ist der Überblick.

Man kann das mit dem Aufsteigen auch im übertragen Sinn verstehen, weil sich der mit 4,67 Metern stattliche SUV nach dem Generationswechsel gefühlt um mindestens eine Fahrzeugklasse höher in der Hierarchie einreiht. Saß man im Vorgängermodell in einer tristen Plastiklandschaft, genießt man im neuen Koleos ein Interieur mit viel Lack und Leder sowie einer liebevollen Ambientebeleuchtung. Dazu kommt ein digitales Cockpit, ein riesiger, wie bei Volvo oder Tesla senkrecht eingebauter Touchscreen sowie belüftete Sitze, von denen man wie von einem Sessel umkuschelt wird. Prompt atmet das Auto französische Noblesse anstelle der bisherigen Nüchternheit.

Von der hohen Sitzposition und dem mit 498 Litern großzügigen Kofferraum hinter der mit einem Fußkick zu öffnenden Heckklappe einmal abgesehen, fühlt sich der Koleos deshalb auch weniger wie ein SUV an, sondern erinnert eher an eine prestigeträchtige Limousine. Das gilt für die Platzverhältnisse ebenso wie für die Ausstattung.

Erst beim Fahren merkt man den Unterschied: Im Guten, weil man weder auf Schlaglöcher noch auf Bordsteinkanten Rücksicht nehmen muss. Und weil der Koleos eben doch ein echtes SUV ist, mit einem automatisch zuschaltenden oder individuell aktivierbaren Allradantrieb angeboten wird und weder Schnee noch Schlamm scheuen muss. Im schlechten merkt man den Unterschied, weil man den besseren Ausblick und den höheren Freiheitsgrad mit Fahrspaß bezahlt: Gewicht, Luftwiderstand und Schwerpunkt sind höher als bei ähnlich großen Limousinen oder Vans, weshalb das Fahrt mehr Bedacht erfordert. Das S aus dem Gattungsbegriff Sport Utility Vehicle jedenfalls wird beim Koleos eher klein geschrieben.

Macht aber nichts. Wer den Wagen als komfortable Familienkutsche einsetzt, erlebt ihn als ausgesprochen gelassenen und entspannten Langstreckenläufer, der mit gutmütigem Fahrwerk, gründlicher Geräuschdämmung und souveränen Selbstzündern schon jetzt Lust auf die Fahrt in die großen Ferien macht. Nur um die CVT-Automatik sollte man einen Bogen machen. Denn wie alle stufenlosen Getriebe sägt auch sie mit leidigen Drehzahlorgien beständig an den Nerven.

Das muss man wissen: Mit dem neuen Koleos, der seit dem ab 24. Juni im Handel ist, betreiben die Franzosen in gewisser Weise Etikettenschwindel: Eigentlich ist das Auto ein Samsung und kommt aus Korea. Dort wird das Modell bereits seit dem vergangenen Jahr unter dem Namen QM6 verkauft. Anstößig ist das jedoch nicht. Denn erstens steht das Auto auf der Plattform des Nissan X-Trail, die Renault gemeinsam mit der Schwestermarke entwickelt hat. Und zweitens ist Samsung Motors ein Joint-Venture, an dem der Handy-Hersteller nur noch 19,9 Prozent hält. Der Rest gehört schon Renault-Nissan, und weil der Elektronikkonzern im Auto keine Zukunft mehr sieht, will er den Rest seiner Anteile angeblich auch noch abgeben, und sich mitsamt des Namens Samsung aus der PS-Welt zurückziehen.

In Deutschland wird der Koleos wahlweise mit einem 130 PS starken Diesel mit 1,6 Liter Hubraum oder einem 2,0 Liter Diesel mit 175 PS angeboten. Der schwächere Motor ist stets mit Frontantrieb kombiniert, der stärkere ausschließlich mit Allradantrieb und dann auf Wunsch auch mit der CVT-Automatik der Schwestermarke Nissan.

Die Preise für das SUV-Modell beginnen bei 30.900 Euro. Damit liegt er rund 3500 Euro über dem Plattformbruder Nissan X-Trail. Viel interessanter ist aber der Vergleich mit den anderen Cross-Over-Modellen von Renault: Der 22 Zentimeter kürzere Kadjar kostet 3700 Euro weniger, der Espace ist mit dem vergleichbaren Motor um 4000 Euro teurer.

Das werden wir nicht vergessen: Dass Samsung auch Autos baut, wissen hierzulande die wenigsten, und als SUV-Hersteller ist Renault bislang noch eine kleine Nummer. Doch spätestens, wenn man im Koleos auf der Rückbank sitzt und verwundert die Beine ausstreckt, merkt man, dass die Größe nicht am Namen oder an der Herkunft hängt, sondern von innen kommt.

Hersteller:Renault
Typ:Koleos
Karosserie:SUV
Motor:Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe:stufenlose Automatik
Antrieb:Allrad
Hubraum:1.995 ccm
Leistung PS:175 PS
Leistung kW:129 kW
Drehmoment:380 Nm
Von 0 auf 100:9,5 Sek.
Höchstgeschw.:201 km/h
Verbrauch (ECE):5,8 Liter
CO2-Ausstoß:153 g/km
Kofferraum:498 Liter
umgebaut:1.706 Liter
Gewicht:1.696 kg
Maße:4673 / 1843 / 1678
Versicherung (HP):20 €
Versicherung (TK):22 €
Versicherung (VK):27 €
Preis:37.050 €