Trends aus Genf Am Anfang war der Van
Die Autos der kommenden Jahre werden vor allem eines - immer vielseitiger. Auf dem Automobilsalon in Genf, der als Trendbarometer für die nahende Autozukunft gilt, glänzt in diesem Jahr an nahezu jedem Stand ein Mehrzweckmobil. Dabei sind es gar nicht mal die vielen Neuvorstellungen aktueller Minivan-Modelle, die den Weg weisen. Die Designer zeigen in Genf die unterschiedlichsten Ideen, wie sich der Van zum Fahrzeug für alle Fälle mausern kann.
Selbst sportverliebte Hersteller aus Italien beschäftigen sich zunehmend mit dem Thema Van. Hätte zum Beispiel Stardesigner Giorgetto Giugiaro von der Firma Italdesign vor zwei, drei Jahren die Studie eines künftigen Maserati präsentiert - es wäre zweifellos ein flacher Renner geworden. Im Jahr 2000 nun sieht alles ganz anders aus: Giugiaros Maserati-Idee heißt Buran und stellt eine Mischung aus Hochleistungslimousine, Kombi und Van dar. Mit knapp fünf Metern ist der Buran nur wenig kürzer als ein S-Klasse-Mercedes, überragt diesen mit einer Höhe von rund 1,64 Metern jedoch um fast 20 Zentimeter.
Überhaupt machen sich die Kreativen der Autoindustrie verstärkt Gedanken darüber, wie sich Luxus und Leistung am besten mit den Themen Großraum oder Mehrzweck vertragen. So vereint zum Beispiel die Toyota-Studie NCSV die Vielseitigkeit eines Dreitürers samt Heckklappe mit einer sportlichen, Coupé-ähnlichen Karosserie. Mit diesem Konzept will Toyota vor allem jüngere Fahrer ködern, die das Auto im Alltag ebenso nutzen wollen wie für Freizeitaktivitäten oder Urlaubstouren.
Noch weiter geht Seat: Das Konzeptauto Salsa, äußerlich eine Großraumlimousine, soll innen mehr bieten als nur Geräumigkeit. Die Technik passt den Wagen den Wünschen des Fahrers an. Im "Sport"-Programm etwa wird der Fahrersitz in eine tiefere Position abgesenkt, der Motor dröhnt lauter. Wird "Comfort" gewählt, bewegt sich der Salsa wieder merklich leiser - und im "City"-Programm gibt es Verkehrsinformationen und ähnlich Nützliches über ein spezielles Display.
Auch die Renault-Entwickler, die mit dem Espace und dem Scénic schon reichlich Erfahrung auf dem Gebiet der Vans und Kompaktvans gesammelt haben, arbeiten weiter an neuen Großraum-Ideen. Mit dem Avantime, der im Herbst in Deutschland an den Start geht, wollen die Franzosen den Komfort einer Limousine mit der Geräumigkeit eines Vans verbinden und so den Aufstieg in die Luxusklasse schaffen. Der allradgetriebene Scénic RX4 hingegen soll den Kompaktvan zum Off-Roader machen. Wohin das führen könnte, demonstrieren die Franzosen mit der Studie Koléos, die sich per Knopfdruck in einen Pickup verwandeln lässt. Unter der Haube des Geländegefährts steckt ein Hybrid-Triebwerk, das sich ebenso automatisch der Fahrsituation anpasst wie das Fahrwerk und der Allradantrieb.
Schon jetzt zeigen solche Studien, dass die bisherigen Grundtypen wie Limousine, Kombi oder auch Geländewagen nicht mehr voneinander getrennt werden können, sondern nicht selten in einer Karosserie verpackt bereitstehen - ein Trend, der sich wohl in Zukunft noch verstärken wird.
Heiko Haupt/Martin Paetsch