VW Rockton: Ein Kleinbus fürs Grobe - DER SPIEGEL
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VW Rockton: Rustikales Allzweckauto

Foto: Tom Grünweg

VW Rockton Ein Kleinbus fürs Grobe

Die Nische ist extrem klein, aber VW besetzt sie trotzdem. Der VW Rockton soll eine Art Brutalo-Bulli sein, ein geländegängiger Kleinbus für Bauingenieure oder Waldarbeiter - oder für Abenteuer-Urlauber. Auf befestigten Straßen jedoch tut sich das Auto schwer.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Früher war ein VW Bus für Safaris oder Expeditionen durchaus erste Wahl. Doch in den vergangenen Jahrzehnten wurde der Multivan mehr und mehr zum Komfortshuttle für befestigte Straßen. Weil es aber selbst in unseren Breiten noch allerhand Abenteurer und vor allem genügend Gewerbetreibende gibt, die auf grobem Terrain unterwegs sind, hat VW jetzt einen Transporter der T5-Generation als Sondermodell fürs Grobe ausgerüstet. Rockton heißt das Auto, was wohl felsig und cool zugleich klingen soll.

Auf den ersten Blick sieht der Wagen allerdings ziemlich zivil aus. Denn ein Aluminiumrohr unter dem Schweller und grobstollige Reifen auf schwarzen Felgen könnte auch jeder Tuner rasch montieren. Doch der Eindruck täuscht: Gemeinsam mit dem hessischen Spezialumrüster Seikel hat die Nutzfahrzeugsparte der Niedersachsen den Wagen so gründlich modifiziert, dass sogar ein Beiblatt für den Fahrzeugschein nötig wird. Und billig ist das aufgerüstete Modell auch nicht. Schon das Basisfahrzeug kostet 41.100 Euro, und mit den Paketen Protection und Expedition werden mindestens 54.371 Euro fällig. Dann aber ist der Bulli wirklich für die meisten Hindernisse gewappnet.

Neben den erwartbaren Extras wie etwa diversen Blechen für den Schutz der Weichteile an der Unterseite des Autos sind es vor allen Dingen ein höher gelegtes Fahrwerk und größere Reifen, die den Transporter aus dem Alltag in Richtung Abenteurer leiten sollen. Die Bodenfreiheit legt so um drei Zentimeter zu - und schon das erweitert den Aktionsradius im Gelände. Klar, auch mit dem Rockton kann man nicht mal eben einen Bach durchqueren oder Geröllhalden erklimmen. Aber bei 25 Zentimetern Freigang unter dem Motor und 31 Zentimetern unter dem Hinterachsdifferential muss man ausgefahrene Feldwege, zerfurchte Baustellenzufahrten, Schlammwege, Kiesgruben oder Tagebauanlagen nicht fürchten. Zudem hilft das neue, deutlich verstärkte Fahrwerk auch auf Asphalt. Wo der normale T5-Transporter viel zu straff über Schlaglöcher stuckert, federt der Bulli für die Buckelpiste vergleichsweise weich und gelassen ein.

Allradantrieb und Differenzialsperre sind beim Rockton Standard

Für den nötigen Biss im Gelände hat VW auch am Antrieb gearbeitet. Es gibt nicht nur das normale Allradpaket 4-Motion mit der üblichen Haldex-Kupplung, die das Drehmoment variabel zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt, sondern auf Knopfdruck lässt sich eine Differentialsperre aktivieren, mit der sich der Transporter sehr viel zielstrebiger durch Schlammpackungen auf dem Weg wühlt.

Außerdem baut VW dem Rockton ein kürzer übersetztes Getriebe ein. Im Offroad-Einsatz soll das veränderte Räderwerk den Verzicht auf eine Geländereduktion kompensieren und die Durchzugskraft erhöhen. Aber auch der Straße macht es den Wagen ein wenig spritziger. Man muss zwar häufiger schalten, und bei hohem Tempo wird der zwei Liter große Diesel ziemlich brummig. Aber angesichts von 140 PS und 340 Nm ist der rustikale VW Bus zumindest beim Anfahren überraschend flott. Jenseits des Ortschilds braucht man allerdings einen langen Atem, weil bis Tempo 100 mehr als 16 Sekunden vergehen. Und die Höchstgeschwindigkeit ist bei 167 km/h erreicht.

Leider steigt mit dem veränderten Antrieb der Verbrauch auf offiziell 8,9 Liter je 100 Kilometer, was in der Praxis mindestens zehn Liter im Durchschnitt bedeutet. Wer jedoch genau so ein Auto braucht, um an die Arbeitsstelle zu kommen oder überhaupt voranzukommen auf dem Weg zum Ziel, den wird das wohl nicht stören.

Wenn es sein muss, kann der Innenraum ausgespritzt werden

Der Bulli fürs Grobe gibt sich übrigens auch im Innenraum hemdsärmelig. Wo der VW Bus in den zivilen Varianten auch mal die geräumige Alternative zur Luxuslimousine spielt, weht im Rockton ein anderer Wind. Vorn sitzt man auf fleckresistenten Sitzen und blickt auf abwaschbares Hartplastik; hinten erinnert das Expeditionsmobil eher an einen Stadt- als einen Familienbus: Es gibt lediglich zwei ebenso schmale wie harte Sitzschalen, die man in ihren Schienen nur mit einem Schraubenschlüssel versetzen kann. Dafür bleibt Platz für das auf dem Boden verschraubte Reserverad, bis zu drei Zusatzsitze und das große Expeditionsgepäck. Allein das hintere Abteil mit den verblechten Fensteröffnungen, das auch per Trennwand separiert werden kann, bietet reichlich Stauraum. Ein weiterer Pluspunkt des Rockton: Wenn's mal wirklich dreckig zugeht, kann man das Auto mit dem Bodenbelag aus Riffelblech und Kunststoff auch innen per Dampfstrahler reinigen.

In der Wildnis, auf Baustellen und Offroadpisten schlagt sich der Rockton wahrscheinlich besser als jeder andere XXL-Van. Im normalen Straßenalltag dagegen stößt man mit dem Wagen schneller an Grenzen, als einem auf den Fahrten zwischen Schreibtisch, Fußballplatz und Supermarkt lieb ist. Zum Beispiel beim Parken am Flughafen oder im Einkaufszentrum: Mit 2,07 Meter Höhe ist der Rockton nämlich für die meisten Tiefgaragen schon zu hoch.