VW Sharan im Test: Update installiert - DER SPIEGEL
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Autogramm VW Sharan: Familien-Förderung

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Autogramm VW Sharan Update installiert, Sie können den Van jetzt fahren

Vans sind Gebrauchsgegenstände, die bei Familien trotz des SUV-Wahns nach wie vor hoch im Kurs stehen. Deshalb hat VW jetzt den Sharan aufgefrischt - vor allem elektronisch.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der erste Eindruck: Bitte Vorsicht an der Bahnsteigkante! Mit dem langen, spitzen Bug, den riesigen Fensterflächen und den vielen Sitzen erinnert der Sharan ein bisschen an einen ICE, der sich von der Schiene auf die Straße verirrt hat.

Das sagt der Hersteller: VW spricht - wie sollte es anders sein - von einem Erfolgsmodell. Überzeugend klingt das jedoch nicht. Denn nachdem Konzernboss Martin Winterkorn im vergangenen Jahr im SPIEGEL zur Modellpolitik gesagt hatte, manche Nischen seien "so klein, dass es sich nicht lohnt", kursierten in Wolfsburg Streichlisten. Auf denen fand sich das Cabrio Eos, dessen Produktion vor wenigen Wochen auslief, und auch die Großraumlimousine Sharan.

Lediglich 15.390 der gut 656.000 Pkw, die VW in Deutschland im vergangenen Jahr absetzte, waren Sharan-Exemplare - ein Anteil von 2,3 Prozent. In einem Unternehmen, in dem überwiegend in siebenstelliger Größenordnung gedacht wird, kommt das eigentlich einem Todesurteil gleich.

Noch aber ist es nicht so weit. Aktuell und offiziell feiern die Niedersachsen den 20. Geburtstag des "meistverkauften deutschen Vans seiner Klasse". Angeblich läuft das Geschäft mit den Großraumlimousinen trotz des SUV-Hypes prima. Es gebe für den Sharan sogar "gute Vorzeichen für die nächsten 20 Jahre", behauptet ein VW-Mann. Wetten sollte man darauf besser nicht.

Das ist uns aufgefallen: Auf den ersten Blick ist im Sharan alles wie immer. Es gibt jede Menge Platz auf allen Plätzen, es gibt mehr Ablagen als Türchen in einem Adventskalender, und es gibt eine maximal variable Bestuhlung. Wer gerne Möbel rückt, der kann sich an der Sharan-Sitzlandschaft austoben. Bestellbar ist das Auto als Fünf-, Sechs- oder Siebensitzer, und all diese Varianten lassen sich - zum Beispiel für den Besuch im Möbelmarkt - auch zum Zweisitzer zurückrüsten, in dem dann ein Ladevolumen von maximal 2430 Litern zur Verfügung steht.

Auf den zweiten Blick dann fallen die neuen Multimedia-Systeme aus dem Konzernbaukasten ins Auge. Wenn man das Smartphone an den USB-Anschluss im Cockpit stöpselt, gilt tatsächlich das Motto "Plug and Play". Einfach wie selten zuvor lassen sich dann Apple- oder Android-Geräte samt einiger Apps für Navigation und Musik in die Bordelektronik integrieren, mit der gewohnten Benutzeroberfläche auf dem Touchscreen bedienen oder über das jeweilige Spracheingabesystem steuern. Ein Geschäft ist das für VW übrigens nicht, denn wer die 205 Euro Aufpreis für dieses App-Connect-System ausgibt und damit grundsätzlich Car Play, Android Auto und Mirror-Link auf einen Schlag erhält, der kann sich die 555 Euro Aufpreis für das große Navigationssystem eigentlich sparen.

Das werden sie in Wolfsburg allerdings verschmerzen können. Denn nach der Überarbeitung des Sharan gibt es mehrere neue Gelegenheiten, Geld durch das Bestellen von Extras loszuwerden. Etwa für eine automatische Abstandsregelung oder eine erweiterte Einparkhilfe; und Dinge wie elektrische Schiebetüren, ein adaptives Fahrwerk oder eine Lederpolsterung gibt es nach wie vor. Der Preis kann damit je nach Motorvariante ruck, zuck an die 50.000-Euro-Marke getrieben werden.

Man muss ehrlich sagen, dass die Neuerungen im Sharan durchweg auto-unspezifisch sind. Es geht um elektronische Extras, die ein bestehendes Modell updaten - wie man das von Computerprogrammen kennt. Aus technischer Sicht gibt es künftig lediglich die überarbeiteten, nun der Euro-6-Abgasnorm entsprechenden Motoren. Im Zuge dieser vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Modernisierung wurden die Antriebe um bis zu 14 Prozent sparsamer und um bis zu 20 PS leistungsstärker.

Das muss man wissen: Der Verkauf des überarbeiteten VW Sharan beginnt Mitte Juli, und zumindest der Grundpreis von 32.000 Euro bleibt unverändert. Zur Wahl stehen künftig drei 2-Liter-Diesel mit 115 bis 184 PS, von denen die sparsamsten jetzt mit glatt 5 Liter je 100 Kilometer zufrieden sind. Bei den Benzinern gibt es neben einem eher freudlosen 1,4-Liter-TSI mit 115 PS ab Herbst als Top-Motorisierung einen 2-Liter-Turbo-Direkteinspritzer, der es auf 220 PS und ein maximales Drehmoment von 350 Nm bringt.

Der grundsätzlich in Verbindung mit einem Doppelkupplungsgetriebe ausgelieferte Vierzylinder aus dem Golf GTI machte bei der ersten Testfahrt eine gute Figur. Die Maschine arbeitet wunderbar leise und adelt den Sharan mit bis zu 226 km/h Spitzengeschwindigkeit zu einem potenten Dauerläufer, der nach ICE-Art über die Autobahn rauscht. Leider ist der Motor am hiesigen Markt vorbeientwickelt, denn in Deutschland werden fast 90 Prozent aller Sharan mit Dieselantrieb bestellt.

Das werden wir nicht vergessen: So familienfreundlich sich der Sharan auch gibt, dem Auto fehlen ein paar Details - etwa ein zweiter Innenspiegel, mit dem man bei vielen Konkurrenzmodellen während der Fahrt gefahrlos einen Blick auf den Nachwuchs in der zweiten oder dritten Reihe werfen kann. Um das zu tun, müsste sich der VW-Fahrer hinten drehen, was oft einen riskanten Schlingerkurs zur Folge hat. Immerhin gibt es eine automatische Spurführungshilfe, die einen abdriftenden Sharan im Fall der Fälle wieder auf Kurs bringt.