VW Touareg Mehr brutto
"Zwei Flüsschen als Aperitif, sechs Berge als Hauptgang, ein Sportwagen zum Dessert - der Touareg kommt." Mit solchem geografisch-kulinarischen Unsinn bewirbt VW sein jüngstes Modell, den Luxus-Geländewagen Touareg. Es ist aber auch nicht ganz einfach für die Wolfsburger, ihre Botschaft von einer "neuen Geländewagenphilosophie" unters Volk zu bringen. Der Touareg, so der Anspruch, soll das Beste aus drei Welten vereinen: Oberklassen-Luxus, sportliche Fahreigenschaften und größtmögliche Geländetauglichkeit. Die Niedersachsen meinen, dass ihnen das gelungen ist wie noch keinem anderen Hersteller. "Der Touareg markiert eine neue Spitzenposition bei den Top-Geländewagen", proklamiert Robert Büchelhofer, im Konzernvorstand zuständig für Marketing und Vertrieb.
Wer sich mit VW-Technikern unterhält, der erfährt, dass bei der Entwicklung des Touareg vor allem zwei Konkurrenzmodelle die Eckdaten lieferten, die es zu übertreffen galt. Bei den Straßeneigenschaften war es der BMW X5, bei den Geländefähigkeiten das Mercedes G-Modell. Und die ersten Fahreindrücke sind tatsächlich eindrucksvoll: sowohl auf glatt asphaltierten Straßen als auch im rustikalen Offroad-Gelände in der Nähe des spanischen Pyrenäenortes Bassella, wo VW derzeit das Auto vorstellt.
| Hersteller: | VW |
|---|---|
| Typ: | Touareg |
| Karosserie: | Geländewagen/Pickup/SUV |
| Motor: | V6-Benziner |
| Hubraum: | 3.189 ccm |
| Leistung PS: | 220 PS |
| Leistung kW: | 162 kW |
| Drehmoment: | 305 Nm |
| Von 0 auf 100: | 9,9 Sek. |
| Höchstgeschw.: | 197 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 13,8 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 327 g/km |
| Kraftstoff: | Super |
| Kofferraum: | 555 Liter |
| umgebaut: | 1.570 Liter |
| Versicherung (HP): | 20 € |
| Versicherung (TK): | 21 € |
| Versicherung (VK): | 37 € |
| Preis: | 41.350 € |
Um den Touareg auch auf zerfurchten Waldwegen mit Steigungen oder Gefällen von bis zu 45 Grad, bei extremen Schräglagen, Wasserdurchfahrten oder ähnlich alltagsfernen Situationen souverän in der Spur zu halten, wird ein immenser Aufwand getrieben. Der permanente Allradantrieb kann durch eine Geländeuntersetzung sowie ein Vorderachs-, Zentral- und Hinterachsdifferenzial (715 Euro Aufpreis) so verfeinert werden, dass der Wagen so gut wie unaufhaltsam wird. Die Systeme lassen sich über einen großen Drehschalter bequem vom Cockpit aus zu- oder abschalten. Außerdem wird über die elektronische Differenzialsperre auch die Berganfahr- und Bergabfahrhilfe gesteuert. Der Touareg ist damit auch in heiklen Passagen eines Offroad-Parcours so gut wie narrensicher.
Stolz vermelden die Entwickler auch bei den für Geländeautos typischen Kategorien wie Wattiefe (maximal 58 Zentimeter), Böschungswinkel, Rampenwinkel oder Querneigung Bestwerte für ein Fahrzeug dieser Klasse. Wer in nächster Zeit weder eine Sahara-Durchquerung noch einen Dschungeltrip plant, fragt sich natürlich zu Recht: Wozu muss ein Auto so was können? Eine überzeugende Antwort darauf gibt es nicht. Allerdings möchte sich VW als Neuling in der SUV (Sport Utility Vehicle)-Oberklasse von der Konkurrenz auf keinen Fall irgendwelche Defizite ankreiden lassen. Das gilt umso mehr, als der Touareg nicht einfach nur der erste Luxus-Geländewagen mit VW-Logo ist, sondern auch das zweite Oberklasse-Modell nach der Limousine Phaeton. Vertriebsvorstand Büchelhofer nennt das Auto "einen wesentlichen Baustein unserer Strategie, neue Segmente und Kundengruppen für Volkswagen zu erschließen."
Als potenzielle Zielgruppe haben die Planer in Wolfsburg vor allem hedonistisch veranlagte Männer mit einem Nettoeinkommen von mindestens 7000 Euro pro Monat im Visier. Rund 17.000 Exemplare des Touareg sollen, sobald alle Varianten verfügbar sind, pro Jahr in Deutschland verkauft werden. Weltweit rechnet VW mit einem Jahresvolumen von 65.000 Fahrzeugen. Zum Verkaufsstart Mitte November wird der Touareg wahlweise mit V6-Benzinmotor (220 PS/162 kW) angeboten, oder mit dem stärksten Serien-Pkw-Diesel der Welt, einem Fünf-Liter-V10-Aggregat mit Bi-Turboaufladung, 313 PS (230 kW) und dem gewaltigen Drehmoment von 750 Nm. "Unseren Heldenmotor" nennt Vorstand Büchelhofer das Triebwerk, das den schon leer mehr als zweieinhalb Tonnen schweren Wagen auf bis zu 225 km/h beschleunigt. Als Durchschnittsverbrauch für diese Maschine hat VW 12,2 Liter pro 100 Kilometer errechnet - ein Wert, der sehr optimistisch klingt. Denn so eindrucksvoll der V10-Motor seine Kraft entfaltet, so verführerisch ist das Hantieren mit dem Beschleunigungsvermögen. Wer entscheidet sich schon für ein Auto mit derartigem Potenzial und zum Preis von mindestens 68.900 Euro, um es dann behutsam und bescheiden zu bewegen?
Aber es geht ja auch anders. Der V6-Benziner hinterließ bei den Testfahrten einen angenehmen Eindruck und zeigte sich dem massigen Wagen locker gewachsen. Im kommenden Jahr werden das Einstiegsmodell, nämlich der V6 mit Sechsgang-Schaltgetriebe (ab 39.300 Euro) sowie ein V8-Benzinmotor mit 310 PS (228 kW) und ein Fünfzylinder-TDI-Aggregat mit 174 PS (128 kW) folgen. Möglich wäre es auch, den Zwölfzylinder-Benziner aus dem Phaeton in den Touareg zu implantieren. Noch sei darüber aber nicht entschieden, heißt es bei VW.
A propos Phaeton. Ähnlich wie bei der ersten Oberklasse-Limousine des Hauses wurde auch beim Luxus-SUV-Debütanten Wert auf die Details gelegt. Der Innenraum wirkt fein und wohnlich, das Design des Armaturenbretts, die Anordnung der Schalter und die Gestaltung des Cockpits überzeugen. Was man sich wünscht, sind Sitze mit etwas mehr Beinauflage. Was man nicht braucht, sind die übertrieben großen Lenkrad-Paddel für die Tiptronic-Funktion der Sechsgang-Automatik mit dem Nebeneffekt, dass man dauernd am Blinker-Stock vorbeigreift.
Generell aber wirkt der Touareg souverän und gelassen. Das beginnt beim schlichten Karosseriedesign, setzt sich im geräumigen und aufgeräumten Innenraum fort und mündet in ein ruhiges, entspanntes Fahrgefühl. Maßgeblich dafür verantwortlich ist die Luftfederung CDC (Continous Damping Control), die im V10 serienmäßig installiert ist, in den anderen Varianten 2605 Euro Aufpreis kostet. Das System passt das Karosserieniveau der jeweiligen Geschwindigkeit an, pumpt für den Geländebetrieb das Auto ganz besonders hoch hinauf und senkt es auf Wunsch zum Beladen so weit wie möglich ab.
Aber auch wer dieses Extra nicht bestellt, erhält ein ordentlich bestücktes Auto. Sechs Airbags, 17-Zoll-Räder mit 235er-Reifen, ESP sowie diverse andere elektronische Hilfssysteme, eine Klima- und CD-Musik-Anlage, elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, eine separat aufklappbare Heckscheibe, Wärmeschutzverglasung sowie drei Steckdosen gehören zum Serienumfang. Wer glaubt, noch mehr brutto zu benötigen, findet in der mehrseitigen Extras-Liste reichlich Gelegenheit zu mehr, mehr und mehr.