Audi A7 Concept Sportback Boulevard der Eitelkeiten
Audi A7 Concept Sportback: Boulevard der Eitelkeiten
Wer auf den Straßen von Beverly Hills auffallen will, muss sich etwas einfallen lassen. Selbst in einem Ferrari, Aston Martin oder Bentley kurvt man fast schon konventionell über die Boulevards der Eitelkeiten. Matthias Seer passiert das nicht. Als er durch das Palmenspalier der Bedford Street rollt, bleiben sogar Heidi Klum und Jennifer Lopez stehen. Das mag auch an der Polizeieskorte liegen, die Seers Fahrt absichert. Es könnte aber auch mit dem Auto zu tun haben, in dem der Audi-Ingenieur unterwegs ist.
Der Spezialist für Showcars und Designstudien testet die Wirkung des Prototyps Concept Sportback im Alltag, der im kommenden Jahr als Audi A7 die Luxuslücke zwischen den Baureihen A6 und A8 schließen soll. Und es sind Gegenden wie Beverly Hills, Blankenese oder Bogenhausen, in denen Audi die Kunden für das jüngste Nischenmodell finden möchte: Sehrgut-Verdiener im gehobenen Alter sollen sich für das viertürige Coupé begeistern, erläutert Seer die Positionierung.
So wird der A7 der lässige Luxuswagen zwischen den eher formalen Limousinen A6 und A8. Im Wettbewerb tritt Audi mit dem eleganten Wagen an gegen Modelle wie die Mercedes R-Klasse und den BMW 5er GT, mit denen die beiden anderen deutschen Nobelhersteller wohlhabende Nonkonformisten umwerben. Zugleich ist der fließend gezeichnete Viertürer mit dem schrägen Abschluss auch ein direkter Konkurrent von Viertürer-Coupés wie Mercedes CLS, Jaguar XF oder auch Porsche Panamera und Aston Martin Rapide.
Was den zeitlichen Ablauf der Premieren neuer Autos betrifft, steht bei Audi zunächst die Neuauflage des A8 auf dem Programm, der gerade in Miami präsentiert wurde. Doch während Audi-Ingenieur Seer in Beverly Hills die Reaktionen der potentiellen Kundschaft testet, fahren weitere Prototypen längst im Technik-Testbetrieb über öffentliche Straßen.
Große Retuschen an den Erlkönig-Fotos können sich die Fachmagazine diesmal sparen. "Das Serienauto sieht fast so aus wie die Studie hier", sagt Designer Achim Badstübner. Nach seinen Angaben müssen nur noch ganz wenige Details auf Druck von Kostenkillern und Produktionsspezialisten verändert werden. Das durchgehende Glasdach der Studie ist so ein Beispiel, andere Felgen wird es auch geben und noch ein paar Karosseriefugen, die Wind und Wasser übers Blech leiten sollen. Doch die Silhouette, die Proportionen und nicht zuletzt das Format entsprechen bereits dem Serienmodell.
Die Begeisterung für die Karosserieform endet abrupt am Heck
Es bleibt bei 4,95 Metern Länge, 2,92 Metern Radstand, den neuen Scheinwerfern des A8 und dem stolzen Single-Frame-Grill, der wie ein Wappen im Wind steht. Es bleibt bei der geschwungenen Linie über den vier Türen mit rahmenlosen Fenstern und beim eigenwilligen Heck, das sich ein wenig entgegen der Fahrtrichtung neigt und das Auto von hinten buchstäblich ein bisschen schräg erscheinen lässt.
Technisch nutzt der A7 zahlreiche Komponenten des neuen A8, von denen wiederum auch der nächste A6 profitieren wird, der Ende nächsten Jahres an den Start gehen wird. Neben Front- oder Quattro-Antrieb wird es Doppelkupplungsgetriebe und eine neuer Achtgang-Automatik geben, außerdem ein System, mit dem der Charakter von Lenkung, Getriebe- und Motorsteuerung und Fahrwerk auf Knopfdruck variiert werden kann. An Bord ist ebenfalls das neue Multimedia-System mit Touchpad für die Handschriftenerkennung. Und schließlich wird auch der A7 auf Wunsch und gegen Aufpreis komplett mit LED-Scheinwerfern bestückt.
Dicke Motoren - aber keinerlei Anzeichen von Spritspartechnik
Das Motorprogramm trägt der Positionierung Rechnung und startet gleich mit Sechszylinder-Aggregaten. Wichtigster Benziner wird wohl der 3-Liter-TFSI, der jedoch mehr als die aktuell gültigen 290 PS leisten soll. Dazu kommt ein 2,8-Liter-V6, dessen Leistungsspektrum bei gut 220 PS beginnen dürfte. Und als Top-Modell wird wohl irgendwann ein S-Modell mit V8-Motor oder gar ein RS7 mit Zehnzylinder-Maschine kommen. Auch bei den Dieseln geht es mit sechs Zylindern los: 2,7-Liter-TDI mit 190 PS und 3,0-Liter-TDI mit 240 PS heißen derzeit die beiden Selbstzünder-Alternativen.
Während die Designer die Arbeit am A7 praktisch abgeschlossen haben, müssen die Techniker noch ran. Einige Prototypen jagen zwar schon mit Vollgas über die Autobahn, doch hier in Hollywood absolviert der A7 seine Jungfernfahrt nur mit Standgas - mehr als Schritttempo will Seer der Studie vorerst nicht zumuten.