Suzuki Mobile Terrace: Irrer Prototyp von 2003 - DER SPIEGEL
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Schönes Ding: Suzuki Mobile Terrace: Das rollende Wohnzimmer

Foto: TORU YAMANAKA/ AFP

Suzuki Mobile Terrace Die Raumkapsel

Die Autogeschichte ist voll von irren Studien, die begeisterten und wieder verschwanden. Wir zeigen die gewagtesten Visionen. Diesmal: ein mit Wasserstoff betriebener Suzuki mit vier Schiebetüren und zwei Dachklappen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein fahrendes Gewächshaus? Nicht ganz, aber ein extrem großzügig verglastes Auto ist die Studie Suzuki Mobile Terrace zweifellos. Im Jahr 2003 debütierte das Designkonzept auf der Autoshow in Tokio - und verblüffte das Publikum. Sechs Sitzplätze, vier Schiebetüren, zwei Dachklappen, gelb getöntes Glas und eine Form, die den Betrachter rätseln lässt, wo vorn oder hinten ist. Heute sehen viele autonom fahrende Kleinbus-Prototypen so aus - vor 16 Jahren war diese Kapselkarosserie ein Höhepunkt des "Anti-Car"-Designs, einer Stilrichtung, die klassische Pkw-Proportionen dekonstruierte. Designideale wie die Stromlinienform wurden zugunsten neuer Raumkonzepte für die Insassen aufgegeben. Vor allem japanische Hersteller experimentierten mit diesen Ideen, etwa Honda mit der Studie Unibox oder Isuzu mit dem Konzeptauto Zen.

Der Terrace zitierte ein klassisches Suzuki-Modell, den Kleinbus L40V. Jenes Elektroauto war für die Weltausstellung 1970 im japanischen Osaka entwickelt worden und vorn wie hinten identisch gestaltet.

Beim Remake dieser Idee 33 Jahre später sprach Suzuki von einem Pavillon auf Rädern. Diese Beschreibung trifft die Idee des Wagens ziemlich gut, denn die sechs Einzelsitze lassen sich beliebig drehen und auch leicht verschieben, sodass man unterschiedliche Sitzgruppen zusammenstellen kann. Wenn das Auto parkt, kann zudem das Cockpitmodul mit dem Lenkrad so flachgelegt und überdeckelt werden, dass ein Tisch entsteht, der sich im Auto verschieben und so auch in der Mitte des Sitzkreises positionieren lässt. Je mehr sich die Branche mit dem autonomen Fahren beschäftigt, desto aktueller wird ein solches Konzept, wie das Mercedes-Forschungsfahrzeug F015 "Luxury in Motion" von 2015 zeigt.

Türen auf, Dachklappen hoch, Boden ausfahren

Mit geöffneten Schiebetüren auf beiden Seiten und aufgeklappten Dachelementen - die eigentlich das Ein- oder Aussteigen erleichtern sollen - entsteht tatsächlich ein motorisierter Freisitz mit Rundumsicht. Diesen Eindruck verstärkt, dass sich die Bodenelemente zwischen den Schiebetüren leicht nach außen verschieben lassen, um die "Terrassenfläche" ein wenig zu vergrößern.

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Voraussetzung für das neue Raumkonzept war die sogenannte Skateboard-Plattform des General-Motors-Konzerns, mit dem Suzuki zwischen 1981 und 2008 kooperierte. In der Plattform war die komplette Antriebstechnik untergebracht. Beim Terrace bestand diese aus Brennstoffzelle, Elektromotor und einem Wasserstofftank.

Keine Pedale mehr - beschleunigt und gebremst wird per Lenkrad

Herkömmliche Bedienelemente gab es im Auto nicht. Alle wichtigen Funktionen ließen sich auf einer großen Armaturentafel per Touchscreen steuern. Daneben war ein schmetterlingsförmiges Lenkrad angebracht, mit dem nicht nur die Richtung verändert, sondern auch beschleunigt und gebremst werden konnte. So entfielen auch die Pedale. Alle Steuerbefehle wurden per Kabel - also "by wire" - übermittelt, mechanische Verbindungen zum Antrieb existierten nicht. Damit war der Innenraum glatt und leer, bis auf die Einbuchtungen der Radhäuser an den vier Enden der Karosserie.

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Foto: FCA

Dies und die variablen Sitze erzeugten bei den Insassen das gewünschte, neuartige Raumgefühl. Das Auto, das mit rund vier Metern Länge kompakt und großstadttauglich war, bot maximale Bewegungsfreiheit und extreme Variabilität.

Dennoch verschwand der Suzuki Mobile Terrace in der Versenkung, sein Schicksal ist unklar. Suzuki konnte auf Nachfrage nicht sagen, wo sich die visionäre Kapsel heute befindet oder ob sie überhaupt noch existiert.