Newsletter »SPIEGEL läuft!«: »Überhole NIE einen Mann!« - DER SPIEGEL
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Foto: Westend61 / Getty Images
Susanne Amann

meinung •Newsletter »SPIEGEL läuft!« Überhole NIE einen Mann!

Liebe Leserinnen und Leser!

Ende März, vielleicht war es auch Anfang April, war es wieder da: das blaue Band. Eine schmale Markierung, die sich durch die Straßen von Hamburg zieht. Es beginnt bei den Messehallen, schlängelt sich an der Elbe entlang und durch die Hafencity, blitzt am Klosterstern auf und läuft die Alster entlang. Denen, die es lesen können, signalisiert es: Der Marathon kommt.

Und ich habe mich darauf gefreut. Mein Name ist Susanne Amann und ich leite die Strategieabteilung der SPIEGEL-Redaktion. Ich bin neu hier in dieser Runde – und wenn ich ehrlich bin, hätte ich es bis vor ein paar Jahren weder für möglich gehalten, dass ich zur regelmäßigen Läuferin werde. Noch, dass ich mal darüber schreiben würde.

»Ich sage es Dir ungern, aber Du bist keine 25 mehr«

Ich bin eine klassische Corona-Läuferin. Ich habe mich schon immer gerne und viel bewegt, fahre aus Prinzip das ganze Jahr Fahrrad und habe von Yoga bis Step-Aerobic schon so ziemlich alle Sportarten ausprobiert, die von durchschnittlichen Fitnessstudios angeboten werden. Aber mit dem Laufen habe ich immer gefremdelt, habe es immer nur sporadisch gemacht.

Bis Corona kam.

In meinem zum Arbeitsplatz umfunktionierten Schlafzimmer fiel mir innerhalb weniger Tage die Decke auf den Kopf. Ich beschloss, jeden Morgen laufen zu gehen – mit dem Ergebnis, dass mir nach zwei Wochen alles wehtat. Meine charmante Arzt-Schwester konstatierte trocken: »Ich sage es Dir ungern, aber Du bist keine 25 mehr. Probiere es mal mit dreimal die Woche.«

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Wie meistens hatte sie recht. Seither laufe ich. Einmal, zweimal oder dreimal die Woche. Letztes Jahr bin ich zum ersten Mal in Hamburg den Halbmarathon gelaufen. Und habe deshalb Respekt für die Menschen, die sich wie am vergangenen Wochenende über die doppelte Distanz quälen. Freue mich, dass gefühlt ganz Hamburg auf den Beinen ist, um anzufeuern (unter anderem den geschätzten Kollegen Ole Reißmann, der hier ja ausführlich von seiner Vorbereitung erzählt hat). Staune, dass es Frauen wie Fabienne Königstein gibt, die neun Monate nach der Geburt ihres Kindes persönliche Bestzeit läuft. Schüttle den Kopf über die Doppel-Olympiasiegerin Sifan Hassan, die am gleichen Wochenende beim Marathon in London Pause macht, sich dehnt – und dann doch noch gewinnt.

»Einfach ballern«? Eher nicht

Apropos Frauen: Dass ich über das Laufen schreibe, habe ich meinen laufbegeisterten Kollegen zu verdanken. Die hatten mich ungefragt einem internen Chat hinzugefügt, in dem der Namen dieses Newsletters diskutiert werden sollte. Zur Auswahl standen unter anderem »Einfach ballern« und »Schweinehund«. Das waren Vorschläge, die mich – diplomatisch formuliert – wenig angesprochen haben. Und da Journalistinnen genauso wie Journalisten meistens von sich auf andere schließen, habe ich mich hinreißen lassen, mich einzumischen.

Tja, und schon soll ich als Frau die Welt erklären. Warum Frauen beim Joggen nicht grüßen. Warum Läuferinnen sich auf die Sommerzeit freuen. Warum Frauen eher einen Bogen um Männer als um Hunde machen. Warum man Männer NIE, aber auch wirklich NIE überholen darf. Warum man auch nach einer Alsterrunde noch genügend Themen hat, um mit der Lauffreundin mindestens eine Stunde lang weiterzuquatschen.

Kennen Sie, liebe Leserinnen solche Fragen? Glauben Sie, dass es Unterschiede zwischen Männern und Frauen beim Laufen gibt? Ich würde mich freuen, wenn Sie mir Ihre Erfahrungen schreiben (susanne.amann@spiegel.de ), wir werden das hier in den kommenden Ausgaben natürlich aufgreifen.

Und damit verabschiede ich Sie ins Wochenende. Ich werde wohl mindestens eine Runde um die Alster drehen. Sollten Sie noch mit Ihrem inneren Schweinehund kämpfen, empfehle ich das Interview mit Christine Späth . Mich hat vor allem die Übung »Geierhals« fasziniert. Denn einen einzigen Nachteil hat das Laufen: Nackenschmerzen macht es nicht besser.

Und damit auf bald!

Ihre Susanne Amann