Sodbrennen Mein Magen hat mich erzogen
Ich wusste, dass das, was ich heimlich in der Küche meiner Tante machte, nicht gut ankommen würde. Aber ich hatte keine andere Wahl. Ich war bei ihr und meinem Onkel zu Besuch, sie hatte zum Mittagessen die Nudeln vom Vortag angebraten. Fettig glänzten sie jetzt auf den Tellern. Als meine Tante die ersten beiden Teller ins Esszimmer brachte, wollte ich die Gunst der Stunde nutzen. Ich riss schnell Küchenpapier von der Rolle und tupfte damit hektisch auf den Nudeln herum. Ich vertrage ölige Sachen nicht, muss dafür mit Aufstoßen und Sodbrennen bezahlen. Andererseits wollte ich nicht so unfreundlich sein, das Essen abzulehnen. Hunger hatte ich auch - also erschien es mir ein probates Mittel, die Nudeln von ihrem Fett zu befreien.
"Was machst du denn da?", hört ich plötzlich meine Tante hinter mir sagen. Verdammt, sie war schneller zurückgekehrt, als ich gedacht hatte. "Äh, sorry, aber die Nudeln sind mir zu fettig..." "Ach, das bisschen Fett?" Sie schüttelte den Kopf. "Du bist ja wirklich speziell."
Ich zuckte mit den Achseln. Am Esstisch sagte meine Tante brüskiert zu meinem Onkel: "Ich habe ihn erwischt, wie er die gebratenen Nudeln mit Papiertüchern abgetupft hat." Mein Onkel schüttelte stumm den Kopf.
Das Fett muss raus
"Es hat nichts mit deinem Essen zu tun", sagte ich. "Die Kartoffelpuffer meiner Mutter liebe ich auch - allerdings erst, nachdem ich sie eine halbe Minute lang zwischen zwei Küchentüchern gepresst habe, um das darin enthaltene Öl zu extrahieren." "Oh mein Gott", sagte meine Tante und dann nichts mehr.
Schnitzel behandele ich genauso. Was soll ich machen? Mein Magen hat mich erzogen. Wahrscheinlich hat niemand sonst einen so prägenden Einfluss auf mich gehabt.
Denn natürlich liebte ich einst Fritten, Currywurst und Schinken-Sahnesoße, Schnitzel und Döner. Nur mein Magen reagierte darauf mit Völlegefühl, mit Aufstoßen und Sodbrennen. Mit der Zeit vermied ich fettes Essen. Im Restaurant hatte ich Lust auf Bratkartoffeln, aber ich erinnerte mich gut, wie schlecht es mir nach der letzten Portion gegangen war - und orderte das Steak seitdem lieber mit gekochten Kartoffeln.
Jetzt lautet meine Regel: Alles möglichst ohne Soßen zu essen und nichts Frittiertes. Damit geht es mir sehr gut. Guter Nebeneffekt: Wenn man auf Fett verzichtet, wird man auch nicht dick.
Weiterer Aufstoß-Risikofaktor: Knoblauch. Wenn meine Mutter kochte, konnte ich lange keinen Salat mitessen, weil sie mehrere Zehen rohen Knoblauch und eine rohe Zwiebel in die Salatsoße machte. Inzwischen verzichtet sie bei meinen Besuchen auf diese Zutaten, aber nur unter Protest. "So schmeckt es ja nicht, aber bitte, du hast es ja so gewollt!", sagt sie dann.
"Mutter, ich kann nichts dafür", sage ich dann. "Mein Magen lässt nichts anderes zu." In diesem Fall möchte ich zusätzlich den zahnputzresistenten, langanhaltenden Zwiebel-Knoblauch-Geschmack in meinem Mund vermeiden. Wenn ich daran denke, wird mir ein bisschen warm ums Herz - eine Kindheitserinnerung an Sonntagnachmittage bei Brettspielen und dem eigenen Knoblauchodem. Aber manches bleibt eben doch am besten eine schöne Erinnerung.
Welche Rolle spielt die Nahrung bei Sodbrennen?Was kann man gegen Sodbrennen und Aufstoßen tun?Ist Sodbrennen nur lästig oder gar gefährlich?