Dudelsackbauer: Ein seltene Handwerk als Beruf - DER SPIEGEL
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Dudelsackbauer: Da pfeif' ich drauf!

Foto: Hendrik Schmidt/ dpa

Dudelsackbauer Da pfeif' ich drauf!

Den ganzen Tag dicke Backen machen - das ist der Traum von Steffen Fischer. Der Elektrotechniker kündigte seinen Job und baut seither Dudelsäcke. Und das inzwischen fast im Akkord, denn Bestellungen für seine Unikate kommen auch aus den USA oder Australien.
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An Stricken hängen aufgereiht wie tote Gänse mehrere Dudelsäcke, ihre ledernen Bäuche reichen von kastanienbraun bis rubinrot. Die Hälse strahlen in unterschiedlichen Größen, Formen und Musterungen - vom hellem Elfenbein bis dunklem Tropenholz. "Ich stelle ungefähr zehn verschiedene Typen von Dudelsäcken her", sagt Steffen Fischer, 42.

In seiner urigen Werkstatt in Köthen in Sachsen-Anhalt baut er seit mehreren Jahren die ungewöhnlichen Instrumente. Ein echter Exoten-Beruf: Deutschlandweit sind Fischer etwa sieben hauptberufliche Dudelsackbauer bekannt.

"Das Interesse am Dudelsack nimmt seit einigen Jahren rasant zu", erklärt Tilman Teuscher. Er ist Vorsitzender des Vereins Bordun, der vom baden-württembergischen Esslingen aus die europäische Dudelsack- und Drehleiermusik fördert. Musikstunden seien deutschlandweit ausgebucht, so Teuscher, eine neue Riege junger Instrumentenbauer stoße auf den Markt.

Das Einstiegsmodell Hümmelchen gibt's für 480 Euro

Steffen Fischer spürt den Trend: "Durch die Mittelaltermärkte erlebt der Dudelsack wieder einen Boom." Die Anfragen nach einem Instrument kämen nicht nur aus ganz Deutschland, sondern mittlerweile auch aus den USA oder Australien. Bis zu sechs Monaten müssten Interessierte auf ein handgefertigtes Exemplar warten.

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Im Mittelalter kam das Instrument nach Deutschland - jedoch nicht aus Schottland, sondern aus Indien. "Vermutlich hatten Kreuzfahrer das aus einer Schweinsblase gemachte Instrument nach Europa mitgebracht", so Fischer. Gemälde und Wandzeichnungen mit Dudelsackspielern wie etwa im Magdeburger Dom deuten von dieser Zeit: "Damals spielten es vor allem Bauern und niedere Schichten."

In Deutschland galt das auch Sackpfeife genannte Instrument nach dem Mittelalter als ausgestorben. Erst in den siebziger Jahren kamen erste Rekonstruktionen auf. Fischer selbst hat die Leidenschaft für das Instrument in den neunziger Jahren entdeckt, als er selbst irische und schottische Folkmusik machte und viel auf Märkten unterwegs war.

"Die Dudelsäcke waren mir aber einfach zu teuer, es gab auch zu wenig Hersteller in Deutschland", sagt er. Aus der Not wurde eine Tugend. Fischer kaufte sich ein altes Buch über die Bauweise der Sackpfeife und werkelte an seinem ersten eigenen Instrument. Freunde und Marktbesucher waren von der gedrechselt, geölten und genähten Eigenkonstruktion begeistert. Die Produktion stieg. Der studierte Elektrotechniker hing seine Stelle an der Hochschule in Köthen im Jahr 2001 an den Nagel und machte sein Hobby zum Beruf.

Heute baut Fischer "so viele Dudelsäcke im Monat, dass ich davon leben kann". Das kleine Modell Hümmelchen sei für etwa 480 Euro zu haben. Große, laute Typen könnten um die 1000 Euro kosten. Extrawünsche wie Silberverzierungen oder Wappen seien da noch nicht eingerechnet.

Romina Kempt/dpa/end