Gehaltserhöhung: Tipps von der Karriereberaterin - DER SPIEGEL
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Frag die Karriereberaterin Hilfe, ich bin völlig unterbezahlt!

Master geschafft, Berufseinstieg geglückt - aber für wenig Gehalt. Die Gefahr ist groß, am unteren Ende der Skala zu versauern. Dagegen hilft nur eine langfristige Strategie.
Skeptischer Blick in die Zukunft
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Foto: imago/ Westend61
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Thorsten besitzt einen Masterabschluss in Medienmanagement, hat ein Volontariat absolviert und arbeitet seitdem fast zwei Jahre mit steiler Lernkurve in der Werbebranche. Dabei verdient er unterirdisch wenig - 2500 Euro brutto im Monat. Er sagt: Ich habe doch einen Master! Und fragt: Komme ich da jemals wieder raus?


Karriereberaterin Svenja Hofert antwortet:

Gehälter unterliegen heute viel größeren Schwankungen als früher, oft finden mehrere Kurskorrekturen im Berufsleben statt. Der stetige Gehaltsanstieg im Karriereverlauf - das war einmal. Gehälter richten sich immer stärker an Nachfrage und Angebot aus. Zudem sinkt der Wert des Studienabschlusses, wenn immer mehr einen haben. Das führt dazu, dass sich auch die Gehälter nach Ausbildung und Studium weiter angleichen. Gerade Menschen mit einer gefragten technischen Ausbildung können heute mit einigen Jahren Berufserfahrung sogar besser dastehen als Universitätsabsolventen.

Thorsten sollte zunächst seinen Standort prüfen. Was verdient er im Vergleich zu anderen in ähnlicher Branche, Funktion, Region, Unternehmensgröße, Berufserfahrung? Mit zusammengerechnet 30.000 Euro Jahresgehalt befindet er sich statistisch laut Stepstone Gehaltsreport 2016  auf dem Einstiegsgehaltsniveau eines Geistes- oder Kulturwissenschaftlers - aber unter dem eines Wirtschaftswissenschaftlers.

Thorsten ist aber kein Berufseinsteiger mehr und liegt dennoch unter dem Durchschnitt - sogar in der von Stepstone als Flopbranche bezeichneten "Agentur, Werbung, Marketing und PR". Allerdings sind Unternehmen in diesem Business oft klein - und kleinere Firmen zahlen deutlich schlechter als große.

Zur Autorin

Svenja Hofert ist Karriere- und Managementcoach  und hat mehr als 35 Bücher geschrieben, unter anderem "Agiler Führen" und "Karriere mit System".

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Nun könnte man sagen, er solle schnell das Weite suchen, um sein Gehalt zu verbessern und seine Karriere zu retten. Ich bin da anderer Meinung: Er sollte erst analysieren, wie er seinen Lebenslauf weiterentwickeln kann, um sich langfristig teurer zu machen. Denn beim nächsten Arbeitgeber zehn Prozent mehr auszuhandeln, ist schön - aber keine sinnvolle Karrierestrategie.

Gehaltserhöhungen haben die Wirkung eines Schokoladenstücks. Man will mehr davon und ist nur kurzfristig befriedigt - was langfristigen Karrierezielen zuwiderlaufen könnte. Das berühmte Marshmallow-Experiment von Walter Mischel zeigt, dass sich Impulsbeherrschung in "mehr Karriere" auszahlt. Die Studienleiter versprachen Kindern einen zweiten Marshmallow, wenn sie sich das Verspeisen des ersten zunächst verkneifen würden. Diejenigen, die sich unter Kontrolle hatten, wurden später beruflich erfolgreicher.

Also zurück zum Standort, Thorsten: Dazu gehört auch der Blick auf den Job selbst. Gerade am Anfang des Berufslebens - die ersten sechs, sieben Jahre - ist eine steile Lernkurve wichtiger als ein gutes Gehalt. Ich unterscheide in meiner Beratung die vier Karriereprofil-Ebenen Fachkenntnisse, Methodenkenntnisse, persönliche Kompetenzen und Netzwerke.

Am Anfang sind Fachkenntnisse, zu denen ich Prozess- und Branchenkenntnisse zähle, noch sehr wichtig. Danach folgen die Methoden. Mit viel Berufserfahrung machen sich aber vor allem die persönlichen Kompetenzen und Netzwerke bezahlt. Ich meine: Eine Investition in die vier Ebenen zahlt sich langfristig aus. Und am Anfang sollten die Fachkenntnisse stehen.

Wenn Thorsten es geschickt anstellt und Kenntnisse aufbaut, die in den nächsten Jahren gefragt sind - beispielsweise im Bereich User Experience oder Business Intelligence - kann er im nächsten Job sehr viel mehr verdienen. Schafft er es, auch Methoden zu lernen - etwa im Prozess- oder Projektmanagement - schärft er sein Profil noch weiter.

Will er kein reiner Fachexperte werden, investiert er bei all dem frühzeitig in ein Netzwerk, auf das er später jederzeit zurückgreifen kann. Das fällt in einem kleinen Unternehmen oft leichter. Denn anders als die gut bezahlten Einsteiger in den Konzernen, die oft anfangs nur wenig Verantwortung übernehmen können, hat er direkten Kundenkontakt. Das schult die Präsentations- und Verhandlungsfähigkeit - und wirkt sich positiv auf Netzwerke und am Ende auch auf das Gehalt aus.

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