Humor im Büro: Vorsicht, der Chef witzelt - DER SPIEGEL
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Humor bei der Arbeit Was macht ein Clown im Büro?

...faxen, klar. Aber was ist ein gelungener Scherz? Die eine lacht Tränen, der andere sucht verzweifelt die Pointe. Alexander Pundt erforscht Bürohumor.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Zur Person
Foto: privat

Alexander Pundt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Uni Mannheim. Als Forscher beschäftigt er sich mit Fragen der Mitarbeiterführung und der Rolle von Humor.

KarriereSPIEGEL: Heute schon gelacht?

Pundt: Ja, natürlich, bei uns sind Wortwitze an der Tagesordnung.

KarriereSPIEGEL: Und wenn Sie sich nicht totgelacht haben, sind Sie für den Rest des Tages unglaublich produktiv?

Pundt: So sollte es sein. Sobald mein Chef auch noch einen guten Witz reißt, läuft das Team zur Höchstform auf... Aber im Ernst: Es ist wirklich so, dass Mitarbeiter motivierter sind, wenn sie einen fröhlichen Vorgesetzten haben.

KarriereSPIEGEL: Dem Bürohumor wissenschaftlich zu Leibe zu rücken, entlarvt Sie jetzt aber eher als Spaßbremse. Wie kommt man bloß darauf?

Pundt: Über Lachen im Büro gibt es bisher nur wenige Untersuchungen. So weiß man über Humor im Alltag, dass eine Ehe besser läuft, wenn die Partner miteinander lachen können. Kichern vertreibt Frust, Situationskomik beendet manchmal sogar Streit. Wir wollten wissen, ob die Gute-Laune-Regeln auch für Chefs und ihre Mitarbeiter gelten.

KarriereSPIEGEL: Warum sollte ein guter Scherz im Büro verboten sein?

Pundt: Weil ein flapsiger Spruch nach hinten los gehen kann. Chefs und ihre Mitarbeiter bewegen sich nicht auf gleicher Ebene. Eine Führungskraft hat Macht, kann Belohnungen vergeben, bestimmt über Auf- und Abstieg. Deshalb wird ein Mitarbeiter meist höflich lachen, wenn der Chef Possen reißt - selbst wenn sie völlig daneben sind. Allerdings wird sich der Mitarbeiter zweimal überlegen, ob er sich einen Witz leisten kann.

KarriereSPIEGEL: Lachbomben in vermintem Gelände - wird deshalb in deutschen Büros angeblich im Schnitt nur achtmal am Tag gelacht?

Pundt: Diese Zahl geistert durch die Medien. Aber keine Sorge, die Studien sind nicht repräsentativ und decken sich auch nicht mit unseren Ergebnissen. Wir haben in einer Online-Erhebung 152 Mitarbeiter gefragt, ob ihre Chefs Humor haben. 70 Prozent sahen das so und gaben ihren Vorgesetzten auf einer Skala von eins bis sieben mindestens vier Punkte, immerhin.

KarriereSPIEGEL: Aber nur im Rheinland, und höchstens an Rosenmontag, oder?

Pundt: Wir wollten nicht wissen, ob sich ein Chef selbst zum Clown macht, sondern es zum Beispiel schafft, eine ernste Situation geschickt mit einem Witz aufzulockern. Dann haben wir verglichen, welche Mitarbeiter motivierter sind - die mit dem humorvollen oder dem spröden Vorgesetzten.

KarriereSPIEGEL: Und?

Pundt: Positiver Humor verbessert die Beziehung zum Chef und wirkt sich positiv auf die Arbeitsleistung aus. Etwa in einem Meeting: Ein Team tüftelt seit Stunden an einem Problem und findet einfach keine Lösung. Der Chef guckt in die Runde und sagt plötzlich völlig zusammenhanglos: "Hier sieht es aus wie bei meinem Sohn in der 7. Klasse - Jungs rechts, Mädels links. Vielleicht sollten wir mal mischen." Alle schauen überrascht auf, fangen an zu lachen.

KarriereSPIEGEL: Das löst noch kein echtes Problem.

Pundt: Schon, aber Lachen erleichtert offensichtlich den Weg zur Lösung. Beim Stühlerücken wurde erst einmal gealbert. Und als die Gruppe wieder beim Thema war, kam die Antwort von ganz allein. Der Witz hatte eine Verbindung geschaffen. Unsere Studie zeigt: Wer mit so einem Boss zusammenarbeitet, fühlt sich überdurchschnittlich wohl. Zugleich ist auch das Vertrauen zum Chef hoch. Das Betriebsklima wird allgemein als gut beschrieben, die Erfolgskurve zeigt nach oben.

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KarriereSPIEGEL: Und sackt bei den 30 Prozent der Vorgesetzten mit weniger als vier Humorpunkten steil nach unten?

Pundt: Man sollte den Humor nicht überschätzen, das ist nur ein kleiner Teil einer Führungspersönlichkeit. Aber natürlich werden Mitarbeiter vorsichtig, wenn ein Chef in gleicher Situation vielleicht im Frust gewitzelt hätte: Herr Meier, ihr Gesicht ist ja so rot wie Ihre Krawatte, hahaha... Oder: Frau Müller, Ihnen fällt heute sowieso nichts mehr ein, gehen Sie mal Kaffee holen...

KarriereSPIEGEL: Das ist taktloser Jux auf Kosten anderer und hat nichts mit Humor zu tun.

Pundt: Doch. Bloß, dass der Chef über seine Sprüche allein lacht. Und prompt von seinem Team abgestraft wird: Zynische Chefs sind unbeliebt. Um keine Angriffsflächen zu bieten, ziehen sich die Mitarbeiter zurück, wägen jedes Wort ab. Das Misstrauen ist groß. Da kaum einer glaubt, dass der Chef ihm bei Schwierigkeiten aus der Patsche helfen wird, denken einige sogar daran, die Firma zu wechseln.

KarriereSPIEGEL: Hilft in manchen Fällen nur noch ein Witztraining?

Pundt: Ja, warum denn nicht? Es gibt tatsächlich Trainer, die Humor unterrichten. Die Teilnehmer üben in Sketchen, auch mal über sich selbst zu lachen. Manche führen sogar ein Witzetagebuch, damit sich ihre Humorbilanz verbessert.

Das Interview führte KarriereSPIEGEL-Autorin Silvia Dahlkamp (Jahrgang 1967). Sie arbeitet in einer Hamburger Redaktion und daneben als freie Journalistin.