Meetings ohne Ergebnis: Endloses Gelaber - DER SPIEGEL
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Arbeitswelt Warum bei Meetings niemals etwas herauskommt

Es wird geredet und geredet und geredet, und hinterher weiß keiner mehr, worüber. Viele Meetings enden ergebnislos. Aber das macht nichts. Denn eigentlich geht es nur darum, die Kollegen zu belauern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Also, ich verstehe das nicht: Jeder weiß doch, dass Meetings der größte Blödsinn sind. Alle stöhnen darüber, dass sie ständig in Meetings herumsitzen und nicht zum Arbeiten kommen. Dabei ist das noch der größte Vorteil. Du hast zwar nichts zu tun, bist aber trotzdem irgendwie beschäftigt. Bleibt deine Arbeit liegen, sagst du: "Tut mir leid, ich war im Meeting." Und alle nicken verständnisvoll. Denn ihnen geht es ja nicht anders.

Telefoniert ein Kunde hinter dir her, nimmt deine Kollegin den Anruf entgegen und verkündet freundlich: "Nein, der ist nicht zu sprechen. Der ist in einem Meeting. Soll er Sie später zurückrufen? " In vielen Berufen sind das unverzichtbare Sätze. Sie schützen vor der sonst unvermeidlichen Arbeitsüberlastung. Denn niemand erwartet einen Rückruf von jemandem, der zuvor in einem Meeting gesessen hat.

Manchmal wird in Meetings auch "diskutiert". Dabei bestehen diese Diskussionen oftmals darin, dass alle darauf warten, was wohl der Boss sagt. Weil der aber erst mal gar nichts sagt, melden sich Leute zu Worte, die sich vorsichtig an das herantasten, von dem sie glauben, dass es der Boss vermutlich sagen wird. Damit liegen sie aber immer falsch. Denn der Boss plappert natürlich nicht einfach nach, was irgendwelche unterwürfigen Mitarbeiter ihm vorgekaut haben. Das wäre ja noch schöner. Er muss ihnen immer widersprechen, sie korrigieren, Dinge geraderücken oder sie der Lächerlichkeit preisgeben. Darum ist er ja der Boss. Er stimmt ihnen niemals zu, auch nicht, wenn er der gleichen Meinung ist. Oder sagen wir gleich: gerade dann nicht.

Zum Autor

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch "Du wirst doch heute nur noch verarscht". Autor Matthias Nöllke (Jahrgang 1962) ist Vortragsredner, Journalist und schreibt Sachbücher.

Es gibt auch Chefs, die gehen den umgekehrten Weg. Sie verkünden gleich am Anfang, was sie von der Sache halten, und eröffnen dann die Diskussion. Magischerweise kommt am Ende dann immer genau das heraus, was sie am Anfang gesagt haben. Dabei gibt es schon Teilnehmer, die sich einen eigenen Standpunkt leisten. Dabei stellen sie sicher, dass sich ihnen niemand anschließt. Mit der vielfach bewährten Strategie: Rede wirr und erzähle Blödsinn.

Dann haben sie ihre Meinung exklusiv für sich, während sich ihre besonnenen Kollegen tapfer auf die Seite vom Chef schlagen. Und so sind am Ende alle zufrieden, obwohl es nicht den geringsten Grund dafür gibt. Aber man hat irgendwie das Gefühl, intensiv diskutiert zu haben. Und am Ende hat glücklicherweise die Stimme der Vernunft gesiegt.

Doch noch schlimmer sind die Diskussionen, die sich einfach nur im Kreis drehen. Jeder darf mal was sagen. Vorausgesetzt, er geht nicht auf das ein, was andere sagen. Erlaubt ist hingegen, Meinungen zu wiederholen. Dann muss man aber so tun, als würde man etwas völlig Neues äußern. Wirklich etwas völlig Neues zu äußern ist in Meetings natürlich verboten. Es sei denn, es ist der reine Wahnsinn. Dann muss das natürlich auf den Tisch.

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Meeting-Tipps: So retten Sie sich vor dem endlosen Gelaber

Foto: manager magazin online

In Meetings wird immer wieder etwas "beschlossen". Das erkennst du daran, dass jemand sagt: "Können wir mal darüber abstimmen?" Und zwar immer dann, wenn es gerade ganz gut für seinen eigenen Standpunkt aussieht. Abstimmungen werden aber auch gerne "verschoben". Weil noch irgendeine Meinung "eingeholt " werden soll. Dabei geht es meist darum, dass dann beim nächsten Termin die Leute, die gegen den eigenen Vorschlag stimmen, auf Dienstreise sind oder im Urlaub oder irgendwo anders zu tun haben - und die Mehrheitsverhältnisse günstig sind. Doch was immer in einem Meeting "beschlossen" wird: Es wird sich ohnehin niemand daran halten.

Meetings sind dazu da, dass sich die Kollegen belauern. Dass du mitbekommst, wer wem in den Enddarm kriecht, wer mit Lob überschüttet wird und wer eins aufs Dach kriegt. Das hat zwar meist nicht viel zu bedeuten, sorgt aber immer für Gesprächsstoff.

Treffe nie eine Entscheidung, die du nachher nicht noch umwerfen kannst

Meetings sind auch der Ort für ausgedehnte Zweiergespräche: Zwei streiten sich über ein Thema, das nur die beiden etwas angeht. Und manchmal nicht mal das. Denn ein beliebtes Streitthema dreht sich um die brisante Frage, wer wofür zuständig ist. Auch völlig Unbeteiligte können sich in diese Diskussion einmischen, um sie weiter ausufern zu lassen. Bis schließlich jemandem der Kragen platzt, der das Gespräch abwürgt. Zum Beispiel mit der beliebten Meetingphrase: "Das führt jetzt zu nichts. Macht das nachher unter euch aus."

Das klingt gut. Vor allem aber wird dadurch verhindert, dass sich die beiden Streithähne oder Hennen doch noch irgendwie einigen. Bei dem ganzen Gequatsche darf ja niemals etwas Konkretes herauskommen. Für Meetings gilt ja ohnehin die eiserne Grundregel: Treffe nie eine Entscheidung, die du nachher nicht noch umwerfen kannst.

Fruchtlose Zweiergespräche sind aber gar nicht so schlimm, wenn man sie mit der Königsdisziplin im Meeting vergleicht: dem endlosen Monolog, bei dem der Chef, seltener die Chefin (doch wie überall holen die Frauen auf), gerne das Wort ergreift, um einen Gegenstand allgemeinen Desinteresses ausführlich zu erörtern. Zum Beispiel seinen Urlaub. Oder sein neues Auto. Einen Zeitungsartikel, den er gelesen und mal wieder missverstanden hat. Oder seine Ansichten über den Sinn des Lebens.

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Du wirst doch heute nur noch verarscht: Warum dein Auto kaputtgeht, deine Diät dich fett macht und der Schleimer aus dem Büro nebenan befördert wird

Nöllke, Matthias
Verlag: riva
Seitenzahl: 208
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So ein Chefmonolog kann noch übertroffen werden: Wenn sich der Seniorchef zu Wort meldet. Üblicherweise hat er Ansichten, die nicht ganz auf der Höhe der Zeit sind. Und er neigt zu weitschweifigen Geschichten aus alter Zeit, mit vielen unerheblichen Details, die ihm plötzlich wieder einfallen. Oder auch gerade nicht, was die Geschichte weiter in die Länge zieht.

Schon nach kurzer Zeit weiß keiner, worauf der Seniorchef eigentlich hinauswill. Und am wenigsten weiß er das selbst. Das darf aber niemand sagen. Nicht mal der Chef. Alle müssen andächtig zuhören, wie er von einem Thema zum nächsten kommt und den Faden verliert, wenn er je einen gehabt hätte. Das Peinlichste kommt aber erst noch: Wenn er fertig ist, findet sich immer jemand, der heuchelt, dass sei jetzt aber "besonders interessant" gewesen. Nicht selten ist dieser Jemand der aktuelle Chef, der sich in solchen Moment vornimmt: Was auch geschehen mag, ich werde nicht so enden...

Mit stillem Mineralwasser einen Rausch antrinken

Es wird immer wieder berichtet, dass manche Teilnehmer in Meetings schlafen. Das stimmt. Häufig sind das die alten Hasen, die es sich im Lauf ihrer Berufsjahre antrainiert haben, mit offenen Augen zu schlafen. Es wirkt so, als wären sie die Einzigen, die aufmerksam zuhören. Während alle anderen an ihrem Smartphone herumspielen oder versuchen, sich mit stillem Mineralwasser einen Rausch anzutrinken. Doch die echten Champions im Meeting sind die, die schlafen, während sie reden. Die haben es wirklich geschafft.

Alle klagen darüber, dass bei Meetings nichts herauskommt. Sie fordern, die Zahl der Meetings zu begrenzen. Oder wenigstens die Redezeit. Die Treffen im Stehen abzuhalten, damit die Leute nicht so lange quatschen. Oder gleich unter Wasser.

Solche Ideen kommen nicht selten von denen, die am ungehemmtesten gegen ihre eigenen Regeln verstoßen. Aber genau darum schlagen sie das Ganze ja vor. Es macht ja viel mehr Spaß, sich danebenzubenehmen, wenn die anderen sich brav an die Abmachungen halten müssen.

Abschließend müssen wir die Dinge allerdings schon ein wenig geraderücken. Nicht immer sind diese Sitzungen reine Zeitverschwendung. Natürlich gibt es auch Meetings, bei denen sehr wohl etwas herauskommt. In denen wichtige Entscheidungen getroffen werden. Entscheidungen, von denen sehr viel abhängt: deine Arbeit, deine Zukunft und die deiner Kinder. Das sind die Meetings, zu denen du niemals eingeladen wirst.