Erste Hilfe Karriere Meuterei gegen Überstunden
Na, auch noch da? Oft hilft, wenn nicht nur einer pünktlich Schluss macht
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Daniela K., Betriebswirtin: In meiner Firma ist es üblich, dass jeder Mitarbeiter mindestens zehn Stunden pro Tag am Arbeitsplatz bleibt. Die Überstunden gelten als freiwillig und werden nicht bezahlt. Aber wenn man pünktlich das Großraumbüro verlässt, hört man Sprüche wie "Heute wohl einen halben Tag frei!". Vor allem unser Chef übt derart Druck aus. Ich spüre, dass der Dauerstress mich langsam krank macht, habe Ohrensausen, Schlafprobleme, innere Unruhe. Wie kann ich die Situation verändern, ohne ins Abseits zu geraten?
Firmen verhalten sich dumm, wenn sie Anwesenheit und Leistung verwechseln. Der Zusammenhang: Wer länger arbeitet, als er sich konzentrieren kann, wird zum Risiko. Übermüdung provoziert Fehlentscheidungen und Flüchtigkeitsfehler. Außerdem weht die Flagge der Motivation auf Halbmast. So mancher Überstundenhäftling denkt über seine missliche Lage nach ("Wie komme ich endlich hier raus?"), statt seine Arbeit voranzutreiben. Körperlich ist er anwesend, aber geistig schon zu Hause.
In Ihrem Unternehmen gelten Mitarbeiter offenbar als Faulpelze, die man am Arbeitsplatz festhalten muss, damit sie nicht vorzeitig flüchten. Großraumbüros sind dafür ideal. Herrscht dort ein Verdachtsklima, beaufsichtigen sich die Mitarbeiter gegenseitig. Keiner will als Letzter kommen, keiner als Erster gehen. Dabei kommt die Gesundheit unter die Räder.
Mein Vorschlag: Bereiten Sie dem Überstundenwahn ein Ende. Aber nicht allein, sondern gemeinsam mit Ihren Kollegen. Ich bin sicher, dass über die Hälfte unter den langen Arbeitszeiten genauso leidet wie Sie. Klären Sie das in Einzelgesprächen.
Angenommen, 60 Prozent Ihrer Kollegen würde ebenfalls gern nach acht Stunden Feierabend machen. Wie wäre es, miteinander zu verabreden, zu einer bestimmten Zeit aufzubrechen, sagen wir um 17 Uhr? Der Vorteil liegt auf der Hand: Wenn ein Einzelner pünktlich geht, gibt er ein klares Ziel für Attacken und Sanktionen ab.
Gemeinsam argumentieren wir stark
Wenn aber fünf, sechs oder zehn Mitarbeiter gemeinsam gehen, tritt folgender Effekt ein: Der Einzelne geht im Schwarm unter. Und auf einmal stehen gerade diejenigen, die noch bleiben, unter Rechtfertigungsdruck - statt umgekehrt.
Und was will Ihr Chef dann schon machen? Sie allein kann er scharf angehen, vor allem mit Hinweis auf Ihre Kollegen ("Sollen die anderen Ihre Arbeit jetzt mitmachen?"). Aber eine Attacke gegen mehr als die Hälfte seines Teams fiele auf ihn zurück. Erst recht, wenn Sie und Ihre Kollegen Ihre Entscheidung klug erklären. Dazu drei Vorschläge:
1. Es kommt auf die Leistung an, nicht auf die Anwesenheit. Jeder von Ihnen sollte aufgrund seiner individuellen Arbeitsergebnisse nachweisen können, dass er seine Leistung in vollem Umfang bringt.
2. Die Konzentration ist höher und die Gesundheit stabiler, wenn man die natürlichen Grenzen der Müdigkeit respektiert. Zeigen Sie auf, dass Sie effektiver arbeiten und besser entscheiden, wenn Sie am nächsten Morgen ausgeruht statt übernächtigt zur Arbeit kommen.
3. Falls Ihr Chef darauf hinweist, dass Ihr Team auch in den Abendstunden ansprechbar sein muss, schließt das vernünftige Arbeitszeiten nicht aus: Machen Sie Vorschläge zu einem internen Schichtsystem. Zum Beispiel könnten einige Kollegen zwei Stunden später anfangen und folglich zwei Stunden länger bleiben.
Damit stellen Sie im Gespräch den Vorteil der Firma in den Mittelpunkt. In den meisten Fällen erreichen Sie damit mehr als wenn Sie aufs Arbeitsrecht verweisen. Das geht natürlich auch: Ein Arbeitnehmer in Deutschland darf maximal zehn Stunden am Tag und 48 Stunden pro Woche arbeiten, im Halbjahresschnitt nicht über acht Stunden am Tag.
Stimmen Sie sich gut mit Ihren Kollegen ab! Je besser Sie zusammenhalten, desto größer sind die Erfolgsaussichten. Es macht einen großen Unterschied, ob Ihre Schreibtischnachbarn als Blockwarte der Firma agieren - oder mit Ihnen dem Überstundenwahn ein Ende bereiten.