ARD-Programmreform "Niemals Tagesthemen gegen heute-journal"
München - Gegen den Widerstand der Redaktionen der Politmagazine werden die ARD-"Tagesthemen" täglich von 22.30 Uhr auf 22.15 Uhr vorverlegt. Das bestätigte ARD-Programmdirektor Günter Struve nach der Arbeitstagung der ARD-Intendanten in München. Außerdem solle der Freitagabend reformiert werden, sagte Struve. Genaueres solle auf einer Programmklausur am 23. Februar geklärt werden.
Keine Einigung erzielten die ARD-Intendanten im Streit um die geplante Kürzung der Politmagazine "Panorama", "Monitor", "Report Mainz", "Report München", "Fakt" und "Kontraste". Struve zeigte sich jedoch "optimistisch", dass es im Februar eine einvernehmliche Lösung geben wird. Er schloss zugleich eine generelle Kürzung bei den sechs Sendungen nicht aus. Der ARD-Vorsitzende Thomas Gruber verwies darauf, dass verschiedene Modelle vorlägen. Über diese solle nun in Ruhe beraten werden.
Struve plante in seiner Reform des ARD-Abendprogramms ursprünglich, die Politmagazine zugunsten der "Tagesthemen" von 45 Minuten auf eine halbe Stunde zu verkürzen. Einen Kompromissvorschlag hatte der WDR gemacht: Zwei Magazine sollen montags mit jeweils 30 Minuten, vier Magazine donnerstags mit 60 Minuten ausgestrahlt werden.
Die Redaktionen der Magazine hatten sich zuletzt kompromissbereit gezeigt, jedoch in einem internen Schreiben an die Programmleitung appelliert, die Gesamtsendezeit aller Magazine zu erhalten. Auch der Deutsche Journalisten-Verband hatte vor einer Kürzung gewarnt.
"Da steckt viel Sprengstoff drin", betonte Struve. Denkbar seien verschiedene Modelle mit unterschiedlichen Sendelängen für die Magazine der verschiedenen Rundfunkanstalten. Gruber sagte dazu, dass eine Ausweitung einzelner Magazine auf 60 Minuten auch Einfluss auf deren inhaltliche Form hätte: "Eine Stunde Magazin wie bisher ist sehr lang", so der ARD-Vorsitzende.
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Offen ist auch noch, wie die ARD künftig den Freitagabend gestalten wird: Geht es nach den Plänen der Intendanten, soll der "Bericht aus Berlin" von Freitagabend auf Sonntag um 18.30 Uhr verlegt werden. Dafür werde die "Sportschau" halbiert und das "Sportschau-Telegramm" entfalle komplett, so Struve.
Am Abend wollen sich ARD-Chef Thomas Gruber und Struve mit zunächst mit dem ZDF-Intendanten Markus Schächter über künftige Absprachen bei der Programmgestaltung beraten. Dem wolle man zunächst nicht vorgreifen, sagte Struve. Das ZDF hatte der ARD in den vergangenen Wochen "Kampfprogrammierung" bei Informations- und Unterhaltungssendungen vorgeworfen.
Im Gespräch ist derzeit ein Kompromiss zwischen beiden Sendern, demnach das Erste in Absprache mit dem ZDF darauf verzichtet, die "Tagesthemen" am Freitag von 22.15 Uhr auf 21.45 Uhr vorzuziehen, womit sie parallel zum "heute-journal" liefen. Dem ZDF zufolge wollte Gruber auf die Vorverlegung verzichten, wenn das Zweite das "heute-journal" am Freitag von 22.00 Uhr wieder auf 21.45 Uhr vorzieht. Das soll - überraschend für die ARD - bereits im April geschehen, heißt es beim ZDF. Im Gegenzug würde der Mainzer Sender den Plan der ARD, an den übrigen Werktagen die "Tagesthemen" vorzuziehen, nicht als "Kriegsgrund" ansehen.
Strive bemüht sich um Kooperationsbereitschaft: "Das ZDF ist unser Freund und nicht unser Befehlsempfänger", sagte der ARD-Programmchef. Er sei optimistisch, dass auch für den Freitagabend eine Lösung gefunden werde. "Wir werden niemals die 'Tagesthemen' gegen das 'Heute Journal' senden", sagte Struve, "das wäre medien- und verbraucherpolitisch absurd."
Die Vorverlegung der "Tagesthemen" auf 22.15 Uhr wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte erfolgen. Schon ab März muss wahrscheinlich die beliebte Serie "Lindenstraße" nach 20 Jahren auf einen neuen Sendeplatz ausweichen, wenn der "Bericht aus Berlin" auf den Sonntag geschoben wird. Die Dauerserie wird dann zehn Minuten später, um 18.50 Uhr, beginnen. Bereits jetzt sei auch klar, dass bei den erfolgreichen ARD-Serien am Dienstagabend ("Um Himmels Willen", "In aller Freundschaft") gekürzt werden müsse. Dies seien eigentlich "Erfolgsbringer", so Struve, es könne bei Umstrukturierungen im Programm aber "keine festgelegten Naturschutzparks" geben.
"Die 'Tagesthemen' liegen etwas zu spät", begründete Struve seine Programmreform. "Das hat mit dem Verhalten der deutschen Bevölkerung zu tun, die ab 22.00 Uhr rapide beginnt, das Bett aufzusuchen und nicht den Fernseher". Von der Vorverlegung würden nicht nur die "Tagesthemen" profitieren, sondern auch die nachfolgenden Talkshows "Maischberger", "Beckmann" und "Harald Schmidt". Die Vorverlegung werde sich als "gefühlte Viertelstunde" beim Zuschauerverhalten psychologisch deutlich auswirken. So könnten Spätfilme vor Mitternacht beginnen.