Stephan-Andreas Casdorff: »Jüdische Allgemeine« entfernt wegen KI-Verdacht zwei Kommentare - DER SPIEGEL
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KI-Verdacht »Jüdische Allgemeine« entfernt zwei Gastkommentare von Ex-»Tagesspiegel«-Chefredakteur

Der frühere »Tagesspiegel«-Herausgeber Stephan-Andreas Casdorff soll auch zwei Gastkommentare von einer KI generiert haben lassen. Zwei Beiträge in der »Jüdische Allgemeinen« stehen unter Verdacht, der Chefredakteur kündigt strengere Regeln an.
Stephan-Andreas Casdorff bei einer Veranstaltung im Oktober 2023
Stephan-Andreas Casdorff bei einer Veranstaltung im Oktober 2023

Stephan-Andreas Casdorff bei einer Veranstaltung im Oktober 2023

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Bernd Elmenthaler / Geisler-Fotopress / picture alliance

Die »Jüdische Allgemeine« hat zwei Meinungsbeiträge des ehemaligen Herausgebers und Chefredakteurs des »Tagesspiegel«, Stephan-Andreas Casdorff gelöscht. Eine Prüfung habe nahegelegt, dass die Texte von Künstlicher Intelligenz geschrieben wurden, heißt es in einer Meldung in eigener Sache  auf der Website der »Jüdischen Allgemeinen«. Künftig wolle man sich strengere Regeln im Umgang mit KI geben, kündigt Chefredakteur Philipp Peyman Engel an. Fortan sollen etwa Leitartikel und Kommentare geprüft werden, ob sie KI-generiert sind.

Der Prüfung durch die »Jüdische Allgemeine« war eine Entscheidung des »Tagesspiegel« vorangegangen: Die Chefredaktion forderte den früheren Herausgeber Casdorff auf, nicht mehr für den »Tagesspiegel« zu schreiben. Er habe Meinungstexte durch eine KI verfassen lassen. Casdorff selbst bat um Entschuldigung in der Mitteilung des »Tagesspiegel« : »Für die Texte habe ich KI genutzt. Das hätte ich kenntlich machen müssen und sie deswegen nicht publizieren dürfen.« Der 67-jährige Casdorff fing 1999 beim »Tagesspiegel« an, von 2004 bis 2018 war er gemeinsam mit Lorenz Maroldt Chefredakteur. Danach war er Herausgeber, seit 2025 ist er Editor-at-Large.

Die »Jüdische Allgemeine« schreibt, sie habe Casdorff bislang nicht erreicht. Casdorff habe zwischen Januar 2024 und Mai 2026 vier Texte in der »Jüdischen Allgemeinen« veröffentlicht. Bei einer Prüfung mit dem KI-Detektor Pangram seien zwei Texte unauffällig gewesen. Zwei Beiträge seien jedoch »sehr wahrscheinlich mit einer KI verfasst worden«: »Merz und Wadephul riskieren Deutschlands Glaubwürdigkeit« vom 22. März 2026 und »Warum werden Israels Fehler laut, der mörderische Judenhass seiner Feinde aber allzu oft nur sehr leise benannt?« vom 26. Mai 2026.

Zuletzt häuften sich die Fälle, in denen veröffentlichte Texte maßgeblich von KI geschrieben worden sein sollen: Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« entfernte einen Gastbeitrag von Mario Voigt, CDU-Ministerpräsident in Thüringen. Ein Bericht der »Zeit« legt nahe, dass zwei Gastbeiträge von Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) weder von ihm noch seinem Team verfasst wurden. Wildbergers Beiträge wurden in der Folge vom »Handelsblatt« und der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« offline genommen.

Was macht es mit uns, wenn Täuschung zur Normalität wird? Künstliche Intelligenz macht es kinderleicht, sich mit Gedanken zu schmücken, die nicht die eigenen sind. So werden wir zu einer Gesellschaft der Trickser und Hütchenspieler, schreibt René Pfister in seiner Kolumne .

jml/dpa