Umschulung Die zweite Chance im Beruf
Eine Umschulung ist eine Berufsausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz. Anders als eine Fort- oder Weiterbildungsmaßnahme handele es sich dabei um eine komplette Ausbildung, erklärt Knut Danker, Geschäftsführer der Stiftung Grone-Schule in Hamburg. Abgeschlossen wird die in der Regel 21-monatige dauernde Umschulung mit einer Prüfung, je nach Beruf zum Beispiel bei der Handels- oder der Industrie- und Handelskammer.
"Die Umschulung wird oft zu gleichen Teilen im theoretischen Unterricht sowie in einem Unternehmen absolviert", erklärt Kurt Böhrnsen, Pressesprecher des Arbeitsamtes Hamburg. Den Platz für die praktische Ausbildung in einem Betrieb vermitteln zwar auf Wunsch auch das Arbeitsamt oder der Bildungsträger. "Wir raten den Umschülern allerdings, sich selbst zu bewerben." Das zeuge von Engagement.
Ohne Einsatz geht nichts
Und Einsatz müssen Umschüler und die Interessenten zeigen. Denn die Kosten werden vom Arbeitsamt oder von einem gesetzlichen Rentenversicherungsträger getragen. Beide haben nichts zu verschenken und prüfen die Anträge ganz genau.
"Da muss man seinen Berufswunsch schon gut begründen und auch mal hartnäckig sein", sagt Alfred Töpper, Bildungsfachmann der Stiftung Warentest in Berlin. Schon das Gespräch mit dem Sachbearbeiter beim Arbeitsamt sei deshalb im Prinzip eine Art Bewerbung.
Für eine Umschulung kommen neben Arbeitslosen mit Ausbildung auch Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung in Frage. Aber auch, wer seinen ursprünglichen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht weiter ausüben kann, hat gute Chancen auf eine Umschulung, so Böhrnsen. "Das gilt zum Beispiel für den Bäcker mit Mehlstauballergie." Grundsätzlich könnten Interessenten jeden Ausbildungsberuf erlernen. Allerdings versuche man, etwas zu finden, was den Fähigkeiten und Vorkenntnissen entspreche.
Kaufmännische Berufe stehen hoch im Kurs
Auch Bildungsträger wie Grone prüfen potenzielle Umschüler erst einmal. Dazu gehören nach Angaben von Knut Danker ein dreieinhalb Stunden dauernder Test und ein ausführliches Beratungsgespräch. Die Ablehnungsquote ist hoch.
"Im vergangenen Jahr haben wir 12.000 Personen getestet, davon waren 40 Prozent erfolgreich", sagt Danker. Grund sei oft ein falsches Bild vom Wunschberuf. Und leider beschäftigten sich nur die wenigsten vorher mit den Anforderungen des Jobs. "Wir bemühen uns dann, gemeinsam mit dem Bewerber eine Alternative zu finden."
Hoch im Kurs bei Arbeitgebern stehen Danker zufolge zum Beispiel in Hamburg klassische kaufmännische Berufe. Die Aussichten, nach der Umschulung eine feste Anstellung zu bekommen, seien insgesamt gut: "Von unseren Umschülern bleibt die Hälfte gleich in den Ausbildungsbetrieben", sagt Danker.
Noch einmal bis zu 30 Prozent bewerben sich innerhalb eines halben Jahres nach Beendigung der Umschulung erfolgreich um eine feste Anstellung. Das entspricht auch ungefähr den von den Arbeitsämtern ermittelten bundesweiten Durchschnittszahlen.
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Um eine geeignete Ausbildungsstätte für die Umschulung zu finden, sollten sich Interessenten Zeit nehmen. "Vor der Entscheidung für einen Anbieter sollten ausführliche Beratungsgespräche sowohl mit dem Arbeitsamt als auch mit dem Bildungsträger stehen", empfiehlt Alfred Töpper. Vor allem sei es sinnvoll, bei mehreren Anbietern vorzusprechen. Je mehr Informationen der Bildungsträger dem Interessenten vorab gebe, desto besser. Ein genaueres Bild vom künftigen Ausbilder könne sich zudem machen, wer mit Leuten spricht, die die gleiche Umschulung bereits hinter sich haben.
Von Sven Appel, gms