OECD-Studie: Warum Mädchen in Deutschland Mathe nicht mögen - DER SPIEGEL
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Bildungsstudie Eltern sind für Mathe-Verdruss ihrer Töchter verantwortlich

Mädchen haben weniger Lust auf Mathe als Jungs - und trauen sich weniger zu. Warum diese Unterschiede in Deutschland besonders groß sind, hat eine OECD-Studie untersucht.
Beim Lösen einer Aufgabe (Archiv): Einfach nicht gut in Mathe?
Beim Lösen einer Aufgabe (Archiv): Einfach nicht gut in Mathe?

Beim Lösen einer Aufgabe (Archiv): Einfach nicht gut in Mathe?

Foto: Daniel Karmann/ picture alliance / dpa
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Berlin/London - Lineare Gleichungssysteme, Geometrie oder Stochastik machen Mädchen oft weniger Spaß als Jungen. Besonders in Deutschland sind viele Mädchen Mathe-Muffel. Die Abneigung gegen Mathematik beeinflusst auch die Karrierechancen von Mädchen, wie aus dem ersten Bildungsbericht zur Chancengleichheit der Geschlechter  von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervorgeht.

Bei der Einstellung zu naturwissenschaftlich-technischen Berufen gebe es in Deutschland enorme Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen, berichtete OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher. Dies sei problematisch, weil es Berufe im mathematisch-technisch-naturwissenschaftlichen Bereich sind, "die zu den bestbezahlten Karrieren führen".

Die Geschlechterdifferenzen begründen sich aber nicht durch angeborenes Vermögen oder Unvermögen, sondern eher durch eine erworbene Haltung gegenüber der Materie. Gerade Eltern tragen nach Erkenntnissen des Berichts dazu bei, dass das Interesse für Mathe und Naturwissenschaften bei den Geschlechtern so unterschiedlich ausgeprägt ist: So können sich in Deutschland 39 Prozent der Eltern vorstellen, dass ihre Söhne in naturwissenschaftlich-technischen Berufen arbeiten, und nur 14 Prozent der Eltern können sich dies für ihre Töchter vorstellen. So tragen sie laut OECD unbewusst oder bewusst zum Desinteresse der Mädchen bei.

In Chile, Ungarn und Portugal beeinflussen Eltern ihre Kinder noch stärker als in Deutschland in ihren Neigungen zu den Fächern. In diesen Ländern können sich die Hälfte aller Eltern vorstellen, dass ihr Sohn später einen MINT-Beruf ergreifen wird, für ihre genauso leistungsstarken Töchter können das nur ein Fünftel. Unter MINT versteht man Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

In Korea sieht es allerdings anders aus: Hier trauen die Eltern ihren Töchtern und Söhnen so gut wie gleichermaßen zu, einen MINT-Beruf zu ergreifen. Im OECD-Schnitt konnten sich nur etwa fünf Prozent aller Mädchen im Alter von 15 Jahren vorstellen, später in einem MINT-Fach zu arbeiten. Bei den Jungen waren es 20 Prozent.

Die Ermutigung der Eltern könnte dazu führen, dass sich Jungen mehr zutrauen: Auf die Frage, ob sie mathematische Aufgaben schnell begreifen, antworteten Jungen in Deutschland viel häufiger mit Ja als Mädchen. Die stimmten eher der Aussage zu, "einfach nicht gut in Mathe" zu sein - selbst wenn sie im entsprechenden Pisa-Test nicht schlechter abgeschnitten hatten. Bisherige Befragungen von Schülern und Schülerinnen haben bereits ergeben, dass Mädchen ihre Angst vor Mathe eher überschätzen als Jungen und ihre eigenen Kompetenzen schlechter einschätzen.

Dabei sind Mädchen meist die besseren Schülerinnen: Von der Gesamtheit der besonders leistungsschwachen Schüler in Lesen, Mathe und Naturwissenschaften sind 60 Prozent männlich. Bei ihnen gibt es auch ein höheres Risiko, die Schule abzubrechen. Laut OECD ist es daher besonders wichtig, die Lesefähigkeiten der Jungen zu verbessern.

kha/dpa