Bochumer Eisprung: Innenpfosten, Tooooor! - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Bochumer Eisprung Innenpfosten, Tooooor!

Wenn in Bochum rohe Eier tief fliegen, ist es Ende Januar: Die Erstsemester in Maschinenbau treffen sich zum Flying Ei-Wettbewerb. Torwandschießen mit verwegenen Low-Tech-Konstruktionen war diesmal Pflicht, die Garnierung mit Fuchsschwänzen oder sehr nackten Barbiepuppen die Kür.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein Loch in einer Torwand aus acht oder zehn Metern zu treffen, ist schon mit einem Fußball schwer. Noch schwerer aber ist es mit einem rohen Ei, das dabei nicht kaputt gehen darf. Verboten sind außerdem Schienen und alle umweltschädlichen Antriebsvarianten - fertig ist der traditionelle Flying Ei-Wettbewerb an der Ruhr-Universität Bochum.

"Wir sind zwar Ingenieure, aber keine kalten Technokraten", grinst Maschinenbau-Dekan Peter Svejda über die Einfälle seine Studenten. Den Wettbewerb veranstalten die Tutoren der Fachschaft regelmäßig seit Anfang der neunziger Jahre. Mal mussten die Eier heil vom Hochhaus kommen, dann wieder einen Treppe herunter transportiert oder einen Hügel hinauf geschossen werden.

MasterBlaster2000: Treffer, versenkt

Waghalsig und skurril, mal genial einfach und mal arg verschroben waren die Gefährte, mit denen die rohen Keimzellen schalenschonend über die Hindernisse gebracht wurden. Vier Teams mit echten Hinguckern waren auch diesmal am Start.

Die Gruppe "i-Schlange" hatte sich von Römern und Rittern gleichermaßen inspirieren lassen und aus Abflussrohr plus Gymnastikband ein Kanonen-Katapult gebaut, den "MasterBlaster 2000". "Zehn oder 15 Meter sind damit kein Problem, wohl aber das Zielen", erklärt Richtschütze Dennis Pahlke und peilt die Torwand an: Das Ei, verpackt in den unteren Teil einer Plastikflasche und massenhaft Dämmfolie, saust lost, Innenpfosten, Tor. Und die 200 Zuschauer jubeln wohl auch deshalb, weil das Ei den harten Aufprall ohne Schaden überstand.

Mehr als neun Meter allerdings waren nicht drin, wohl aber für die Gruppen "Poldi" und "Dream Team", die aus dem "flying" ein "driving" Ei gemacht hatten und das Hühnerprodukt an einem auf Rädern montierten Galgen durchs Loch bugsierten. Für den Antrieb sorgte beim Dream Team eine Rampe, beim Drachen Poldi ein Hantelgewicht aus dem Fitnessraum - ergänzt durch eine sehr blonde und sehr nackte Barbiepuppe.

"Rein rechnerisch kamen wir auf 27 Meter Reichweite", ulkte Poldi-Ritter Lars Detering, nachdem der rollende Galgendrache an der Zwölf-Meter-Marke gescheitert war: "Irgendwie haben wir uns da wohl mit der Reibung verrechnet." Mitleidige Zuschauer mimten Fachkenntnis und spendeten den Ausgeschiedenen Trost: Da spiele die "kirchhoff'sche Regel" eine Rolle, und die sei nun wirklich "sauschwer anzuwenden".

"Wir haben uns zum Sieg gewackelt"

Strahlender Sieger wurde die dritte Galgenkonstruktion des Teams "Chaostruppe", die nach dem gleichen Prinzip wie der Drachen Poldi funktionierte. Das ziemlich instabile Gestell aus Aluschienen und drei Fahrradrädern transportierte als einziges Gefährt das Ei über zwölf Meter ins Ziel.

"Wir haben uns zum Sieg gewackelt", gab sich Konstrukteur Martin Schäfer erleichtert - vielleicht lag's am Ruhrgebiets-typischen Fuchsschwanz, der den Wagen zierte.

Für die Sieger gab es wie in den Vorjahren etwas sehr Brauchbares: Eierbecher. Und Lob von höchster Stelle. Uni-Rektor Gerhard Wagner, selber Maschinenbauer, hatte extra eine internationale Fachtagung über europäischen Normen unterbrochen, um den fliegenden Eiern zuzusehen: "Wie sollen wir denn konferieren, wenn hier so ein Höllenspektakel stattfindet?"