Erstsemester: Typologie der Studienstarter - Die Luxusstudentin - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Typologie der Erstsemester Die Luxus-Studentin - Eure Armut kotzt mich an

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Luxus-Studentin kann leider nicht sofort in der Kanzlei oder Marketingagentur des ehemaligen Studienkumpels von Papa anfangen, denn dafür braucht man diesen Studienabschluss, von dem im Ski-Kurs in St. Moritz immer alle reden. Also wird in einer netten Studentenstadt eine Eigentumswohnung gekauft und für die Wochenendfahrt nach Hause ein Kleinwagen.

Die Studentin mit Vermögen steckt in einem Dilemma: Einerseits möchte sich jeder von ihr einladen lassen und auf dem Flatscreen in ihrer Drei-Zimmer-Wohnung "Germany's next Topmodel" schauen, andererseits wird hinter ihrem Rücken hart gelästert. Sie darf nicht mal einen "Eure Armut kotzt mich an"-Schild an die Heckscheibe ihres BMW kleben und das ironisch meinen, ohne dass es Ärger gibt.

Die ersten Wochen des Semesters verbringt die Luxus-Studentin bei Freunden in Florida, danach sitzt sie pünktlich aber gelangweilt mit Laptop und Smartphone im Hörsaal. Die Mensa meidet sie, genau wie typische Studentenpartys und Rabattaktionen. Später wird sie ins Lacross-Team der Hochschulmannschaft berufen.

Das studiert sie: BWL, Jura oder "Was mit Medien".

Das erwartet sie vom Studium: Einen Abschluss für den Lebenslauf.

Das überrascht sie dann aber doch: Wie es die Kommilitonen schaffen, nur von diesem Bafög zu leben?

Das erwarten ihre Eltern: Keine Drogen und keinen Freund mit Lederjacke, Idealen und einem leeren Bankkonto.

Das sagt sie gern: "Kannst du sehen, ob die hier meine Amex nehmen?"

Das wünscht sie sich als Song auf der Erstsemester-Party: "Call Me Maybe" von Carly Rae Jepsen.

Das denkt der Professor über sie: "Hat ihre Familie nicht meine Stiftungsprofessur finanziert?"

Das wird sie einmal arbeiten: Irgendwas mit Zahlen, Statistiken und Erfolg in den USA. Ihre Hiwis werden ihren Namen unter "Berühmte Persönlichkeiten" in den Wikipedia-Eintrag der Uni schreiben.

So lange wird es dauern, bis sie ihren Abschluss hat: Sie hat kein Problem mit der Regelstudienzeit, allerdings wird die Abschlussarbeit nur durchschnittlich. Später baut sie eine Bibliothek für die Universität, schreibt ein Stipendium auf ihren Namen aus und bekommt dafür einen Doktortitel "h.c.".


WIE FLOSKELN SIE SICH DURCH DIE UNI?

Das neue Vortäuschungsverzeichnis ist da! Wer hat sich nicht schon einmal in Prüfungen oder Seminaren um Kopf und Kragen geredet? Oder mithilfe geschliffener Sprache dürftige Leistungen in Haus- oder Abschlussarbeiten kaschiert? Schickt uns eure Perlen an unifloskeln@spiegel.de 

(Einsendung gilt als Zustimmung zur anonymen Veröffentlichung)