Studienbeginn: Typologie der Erstsemester - DER SPIEGEL
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Typologie der Erstsemester Der Standardstudent- Alles gewusst, nichts gelernt

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer sitzt ständig bis zu dreißig Minuten allein in Seminarräumen und Hörsälen? Wer ist der einzige Mensch (neben dem Beamten, der sie verfasst hat), der die Studienordnung je las? Wer gibt seine Hausarbeiten bereits zur Mitte des Semesters ab? Wer tippt drei Wochen im Voraus eine Entschuldigung, weil er mal nicht zum Seminartutorium kommen kann, und lässt diese von seinem Vater abzeichnen?

Der Standardstudent.

In der Mensa erkennt man ihn daran, dass er gerne darauf hinweist, man sage "vorlesungsfreie Zeit" und nicht "Semesterferien". Er verpetzt auch gerne Kommilitonen, die sich gegenseitig in die Anwesenheitsliste eintragen, obwohl sie gar nicht da sind. Er weist Dozenten darauf hin, sollte eine Diskussion mal aus dem Ruder laufen, sich "auf Fragen zu beschränken, die für Klausur und Prüfung relevant" sind.

Er weiß über sein Fach alles, und doch hat er nichts gelernt.

Das studiert er: BWL, Deutsch, Jura, irgendeine Ingenieurwissenschaft. Aber eigentlich BWL.

Das erwartet er vom Studium: Einen Abschluss.

Das überrascht ihn dann aber doch: Diese anderen Leute. Diese … Studenten.

Das erwarten seine Eltern: Einen Abschluss. Einen Job.

Das sagt er gern: Nicht viel.

Das wünscht er sich als Song auf der Erstsemester-Party: Keine Zeit.

Das denkt der Professor über ihn: "Über wen?"

Das wird er einmal arbeiten: Schnell. Viel. Lange.

So lange wird es dauern, bis er seinen Abschluss hat: 6,0 oder 10, 0 Semester, je nachdem, ob er an den Bachelor noch einen Master dranhängt.